



Wiege der Flieger und Filmer
1909
Eröffnung des ersten deutschen Motorflugplatzes. Adlershof-Johannisthal wird „Mekka“ der Flugzeugindustrie.
Mit einer internationalen Flugwoche wurde 1909 das Flugfeld Johannisthal eingeweiht. Der erste deutsche Motorflugplatz entwickelte sich rasch zu einem wichtigen Treffpunkt der deutschen Aviatiker und zum „Mekka“ der europäischen Flugzeugindustrie.
Fliegerische Pioniertaten waren an der Tagesordnung.
So gewann der Ingenieur Hans Grade 1909 mit seinem „Grade Eindecker“ hier den „Lanz-Preis der Lüfte“.
1911
Frühe Frauenpower: Meli Beese macht als erste Frau in Deutschland den Pilotenschein. Eine Frau mit Durchsetzungswillen: Am 13. September 1911 feierte Amelie Hedwig (Melli) Boutard-Beese ihren 25. Geburtstag und erhielt an diesem Tag als erste Frau in Deutschland den Pilotenschein. Der attraktiven jungen Frau mit großem Durchsetzungswillen widerfuhr ein tragisches Schicksal: Verheiratet mit einem Franzosen, wurde sie nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges als „Vaterlandsverräterin“ interniert. Ihr wirtschaftlicher Misserfolg trieb sie schließlich 1925 in den Selbstmord.
1912
Mit der Deutschen Versuchsanstalt für Luftfahrt (DVL) wird Adlershof zum Wissenschaftsstandort.
Erster Weltkrieg und Weimarer Republik
1914-1919
Zum Ausbruch der I. WK drängte das deutsche Militär auf die Bereitstellung neuartiger und leistungsstarker Flugzeuge, an denen in Johannisthal und Adlershof unter Hochdruck gearbeitet wurde. Dies hatte zur Folge, dass die technische Entwicklung auf dem Gebiet des deutschen Flugzeugbaus während des Krieges einem Quantensprung gleichkam. Im Verlaufe des Krieges expandierte die Flugzeugproduktion in Johannisthal außerordentlich. Größter Produzent waren die Albatros-Werke, gefolgt von Rumpler und der LVG.
Der Standort wurde zum wichtigsten Zentrum der deutschen Luftrüstung. Ungefähr jede dritte deutsche Militärmaschine wurde zwischen 1914 und 1918 von den Johannisthaler Firmen und ihren Zweigwerken gefertigt.
1920
Nach dem ersten Weltkrieg kommt das Filmgeschäft nach Adlershof-Johnnisthal. Hunderte Filme werden gedreht, darunter Klassiker wie die „Symphonie des Grauens". Der Medienstandort ist geboren.
Ein Vampir, der Schrecken in der Filmgeschichte verbreitete: Unter der Regie Friedrich Wilhelm Murnaus wurde der Film 1921 unter anderem in den Karpaten und in einem Johannisthaler Atelier gedreht. Weil der Flugzeugbau nach dem Ersten Weltkrieg stark eingeschränkt war, hatte dort Walther Huth, Besitzer der Albatros-Flugzeugwerke, 1920 die Johannisthaler Filmanstalt GmbH (Jofa) gegründet, in deren Studios bis 1930 mehrere hundert Filme gedreht wurden.
1929
Ein BMW "Made in Adlershof". Mit Know-How aus der Flugzeugtechnik entsteht der „Dixi“: 80 Stundenkilometer schnell, innovativ und äußerst chic… Er hatte 750 ccm Hubraum und kostete 2.500 Reichsmark. Am 22. März 1929 rollte das erste Modell dieser Automobillegende in Berlin-Johannisthal aus der Werkhalle. Wie kam es dazu? Die Bayerische Motoren Werke AG hatte beschlossen, ein Fahrzeug mit einer Karosserie aus Ganzstahl zu bauen. Das Herstellungsverfahren hatte der Luftfahrtunternehmer Arthur Müller aus den USA mitgebracht. So entstand der „Dixi“ in den Ambi-Budd-Werken am Rande des Johannisthaler Flugfeldes.
Nazizeit und Zweiter Weltkrieg
1933
Dass Johannisthal/Adlershof - massiv gefördert durch das nationalsozialistische Regime - wieder zu einem zentralen Standort der deutschen Luftfahrtindustrie wurde, hing wesentlich mit den Aktivitäten und Leistungen der Deutschen Versuchsanstalt für Luftfahrt (DVL) zusammen. Diese hatte die schwere Krise nach dem Waffenstillstand von 1918 aufgrund der Bestimmungen des Versailler Vertrages (Rüstungsbeschränkung, Verbot der deutschen Luftfahrtindustrie) und der Inflation zwar auch schwer getroffen, doch war sie in ihrer Substanz erhalten geblieben.
1934
Der Große Windkanal wurde in Betrieb genommen, der mit seinem Leistungsprofil einer der modernsten Niedergeschwindigkeitswindkanäle der Welt war. Der 1936 fertiggestellte Trudelwindkanal war die seinerzeit weltweit einzige Anlage dieser Art.
Seit Mitte der Dreißigerjahre mit modernsten Versuchsanlagen ausgestattet, gelangen der DVL in Adlershof während der Nazizeit einige bahnbrechende Entwicklungen. Adlershof wurde zu einer der weltweit führenden Forschungseinrichtungen in der Luftfahrt, vornehmlich im Dienste der nationalsozialistischen Rüstungspolitik.
1939
Zu Kriegsbeginn liefen in Adlershof die Test- und Erprobungsanlagen der DVL auf Hochtouren. Das Forschungs- und Entwicklungspersonal der großen Flugzeugfirmen wie Junkers, Heinkel, Henschel oder Messerschmitt kam in großer Zahl nach Adlershof, um die neuesten Forschungs- und Prüfergebnisse für den Bau immer leistungsfähigerer Militärflugzeuge zu nutzen. Institute forschten auf den Gebieten Aerodynamik, Arbeitsmaschinen, Bord- und Navigationsgeräte, Erd- und Astronavigation, Elektrophysik, Flugzeugfestigkeit, Gasdynamik, Luftfahrtmedizin, Luftbildaufnahmen, Materialforschung, Materialprüfung, Motorenbau, Regeltechnik, Thermodynamik und Triebwerksmechanik. Die meisten Mitarbeiter trugen in diesen Jahren unter ihren Laborkitteln Luftwaffenuniformen.
In der unmittelbaren Nachbarschaft zur DVL und zum Flugplatz Johannisthal befand sich eines der größten Berliner Zwangsarbeiterlager. Kriegsgefangene, Zwangsarbeiter und KZ-Häftlingen wurden in Adlershof beim Bau von Schutzräumen und bei der Produktion von Raketenteilen, Flugzeugen und Flugmotoren eingesetzt. Weitere Zwangsarbeiterlager gab es in Adlershof unter anderem für die Deutsche Reichsbahn, die Unternehmen Schering, Mannesmann und eine Reihe anderer Rüstungsproduktionen.
1943
Mit Verschärfung der alliierten Luftangriffe wurden die Versuchs- und Prüfanlagen sowie andere Gebäude der DVL in Adlershof bombardiert. Von den insgesamt 106 Gebäuden der DVL in Adlershof waren bei Kriegsende 31 Bauten durch Bombenabwürfe vollständig und zehn Gebäude zum Teil zerstört worden. Von den im Jahr 1944 mehr als 2.100 Beschäftigten der DVL befanden sich bei Kriegsende im Mai 1945 nur noch rund 60 Mitarbeiter in Adlershof. Diese DVL-Mitarbeiter setzten ihre Arbeiten bis kurz vor Kriegsende fort. Laut Laborbericht arbeitete beispielsweise der Große Windkanal noch am 20. April 1945. Am 23. April erreicht die Rote Armee das Gelände.
Nachkrieg und DDR-Zeit



Nach dem Sieg über das nationalsozialistische Deutschland hatte die sowjetische Führung ein großes Interesse, sich den technologischen Vorsprung der deutschen Luftfahrtforschung und -produktion zunutze zu machen. Bereits am 29. April 1945 traf in Adlershof eine erste sowjetische Expertengruppe ein, die sogleich mit der Inspizierung der Forschungsanstalt begann. In den folgenden Wochen und Monaten entwickelte sich die DVL zur zentralen sowjetischen Sammelstelle für die modernen deutschen Luftfahrt- und Raketentechnologien. In Adlershof wurden die gefundenen Objekte, wie Triebwerke, Flugzeuge, Ausrüstungen oder Waffenmuster zum, Teil auch noch einmal erprobt und dann erst zum Abtransport in die Sowjetunion vorbereitet. Auf diese Weise wurde Adlershof zu einer regelrechten „Know-how-Drehscheibe“.
1946
Die (Ost-)Deutsche Akademie der Wissenschaften - Vorgängerin der Akademie der Wissenschaften der DDR - wird gegründet. Schwerpunkte sind Physik, Chemie, Material-, Luft- und Kosmosforschung. Eine Besonderheit stellte das Zentrum für den wissenschaftlichen Gerätebau mit seinen rund 1.700 Mitarbeitern dar, das einen Großteil der Forschungsgeräte selbst entwickelte und produzierte.
Praxisnähe und anerkannte theoretische Forschung begründeten den weltweiten Ruf der Akademie. Aus Adlershof kamen international anerkannte Ergebnisse bei den Ultrakurzimpuls-Lasern, der zeitaufgelösten optischen Spektroskopie oder in der Weltraumdiagnostik. Auch Gleitsichtbrille und Antibabypille hatten hier ihre Wiege.
1952
Das Fernsehen der DDR nimmt seinen Sendebetrieb auf.
1959
Adlershofer Wissenschaftler helfen bei der „sexuellen Revolution“. Hier gelingt die Entwicklung einer industriellen Totalsynthese von Steroidhormonen. 1959 kam „die Pille“ erstmals auf den Markt. Sie wurde zunächst aufwändig aus natürlichen Steroidrohstoffen hergestellt. Mitte der sechziger Jahre begann der Arzneimittelhersteller Jenapharm in der DDR zusammen mit dem Institut für Organische Chemie der Akademie der Wissenschaften mit der Entwicklung einer industriellen Totalsynthese von Steroidhormonen für Kontrazeptiva. Nach diesem Verfahren wurden seit Ende der sechziger Jahre Wirkstoffe sowohl in der DDR, als auch nach einer Lizenzvergabe in Westdeutschland produziert.
Zur selben Zeit...
...(nur hundert Meter entfernt) heißt es fortan: "Nun schnell ins Bett und schlaft recht schön…". Das spitzbärtige Ost-Sandmännchen feiert Fernsehpremiere. Er fliegt mit dem Lilienthalgleiter, fährt mit der Straßenbahn oder landet mit einer Rakete. Die Fernsehmacher in Adlershof erweckten den kleinen Schlafbringer mit aufwändiger Tricktechnik zum Leben und gewannen damit einen Wettlauf gegen den SFB. So erfolgreich, dass massiver Widerstand seine Abwicklung 1991 erfolgreich verhinderte und es noch heute in Potsdam-Babelsberg produziert wird.
1976
Sojus 22 umrundet die Erde. Eine Multispektralkamera aus Adlershof macht die schärfsten Bilder. Sie ist der Vorläufer der heutigen Stereo-Kamera von Mars Express. Auch heute gilt: die schönsten Bilder aus dem All gibt es dank Adlershofer Optik-Know-How.
1989
5.600 Menschen arbeiteten in den Adlershofer wissenschaftlichen Einrichtungen. Über die Hälfte der naturwissenschaftlichen Forschung der DDR ist hier konzentriert.
Neustart nach der Wende
1990
Stasi-Wachregiment, Akademie und DDR-Fernsehens werden auf Grund des Einigungsvertrages abgewickelt. Aus den ehemaligen DDR-Akademie-Instituten gehen acht der heute elf hier ansässigen außeruniversitären Forschungseinrichtungen hervor. Sie setzten unter neuer Trägerschaft (beispielsweise durch die Max-Planck-Gesellschaft oder die so genannte Blaue Liste) ihre Tätigkeit fort und schließen sich 1992 zur einer Initiativgemeinschaft Außeruniversitärer Forschungseinrichtungen in Adlershof (später IGAFA e.V.)" zusammen. Einen wichtigen Impuls bekommt Adlershof durch den Bau des Elektronenspeicherrings für Synchrotronstrahlung (BESSY II). Viele ehemalige Akademiemitarbeiter wagen den Sprung in die Selbstständigkeit. Über 100 Firmen werden gegründet.
Die "Stadt für Wissenschaft, Wirtschaft und Medien"




1991
Das Land Berlin beauftragt die Entwicklung eines Rahmenplans für das Gelände und gründet die Entwicklungsgesellschaft Adlershof mbH (EGA).
1992
Der Senat beschließt die Schaffung des "integrierten Wissenschafts- und Wirtschaftsstandortes Adlershof" - Ziel ist die Synergie von Forschung und Industrie, die beschleunigte Umsetzung von Innovation in Produktion. Zur Ansiedlung innovativer Firmen werden auf dem Gelände moderne Fachzentren errichtet, teils in sanierten Altbauten, teils in Neubauten mit spektakulärer Architektur. Den Anfang macht 1991 das Innovations- und GründerZentrum (IGZ). Es folgten Zentren für Photonik und Optische Technologien, für Umwelt-, Bio- und Energietechnologie, für Informations- und Medientechnologie, für Material- und Mikrosystemtechnologie; ein Dienstleistungs- sowie das Internationale Gründerzentrum (Ost-West-Zentrum OWZ) für Unternehmer aus Mittel- und Osteuropa.
1993
Im August 1993 setzte der Berliner Senat die Johannisthal Adlershof Aufbaugesellschaft mbH (JAAG) , die später in Berlin Adlershof Aufbaugesellschaft mbH (BAAG) umfirmierte, als treuhändischen Entwicklungsträger für die Entwicklungsmaßnahme ein.
1994
Das 420 Hektar große Gelände Johannisthal/Adlershof wird offiziell zum "städtebaulichen Entwicklungsbereich". Die WISTA-MANAGEMENT GMBH tritt als Betreibergesellschaft die Nachfolge der EGA an.
2000
Nach 10 Jahren sind Investitionen von rund 325 Millionen Euro realisiert.
Vom Uni-Campus zu "Deutschlands modernstem Technologiepark"
2003
Der 1998 begonnene Umzug der mathematisch-naturwissenschaftlichen Fakultäten der Humboldt-Universität nach Adlershof ist abgeschlossen. Die Haupterschließung des Entwicklungsbereichs durch die BAAG ist erfolgt. Als neuer Entwicklungsträger und Treuhänder des Landes Berlin löst die Adlershof Projekt GmbH die BAAG ab.
2005
Auf dem Gelände der "Stadt für Wissenschaft, Wirtschaft und Medien" arbeiten über 14.000 Menschen und damit mehr als zu DDR-Zeiten.
2007
Der Autobahnanschluss ist da. Die Wachstumsraten sind zweistellig.
2008
Deutschland ist Fußballweltmeister… Dank der schlauen Robodogs vom Team „Aibo Humboldt“. Der AIBO (Artificial Intelligence roBOt) ist ein Roboter in Hundegestalt – von Sony als Haustierersatz für Allergiker entwickelt. Er ist mit einer speziellen Software ausgestattet, kann laufen, Töne wiedergeben und sich durch eine eingebaute Kamera orientieren. Völlig neu programmiert treten AIBOs in der Weltmeisterschaft im Roboterfußball gegeneinander an. Das Spiel dient dazu, Fortschritte in der Robotik und künstlichen Intelligenz vergleichbar zu machen. Das „Aibo Team Humboldt“ des Instituts für Informatik ist hier höchst erfolgreich.
2009
Adlershof feiert "100 Jahre Innovation" und "20 Jahre Mauerfall"
Und was die Zukunft bringt, wollen Sie doch bestimmt auch wissen...
2011 soll das Entwicklungsgebiet voraussichtlich aus dem Entwicklungsrecht entlassen werden. Bis dahin liegt die Vermarktung der landeseigenen Bauflächen sowie das vertriebliche Standortmarketing in denn Händen der Adlershof Projekt GmbH. Sie vermarktet die Flächen profil- und marktorientiert.
Nach Prognosen auf Grundlage der Flächenreserven könnte sich die Zahl der Beschäftigten auf dem Wissenschafts-, Wirtschafts- und Medienstandort bis 2020 verdoppeln.
Infomaterial
- Erste Ausfahrt Adlershof: WISTA-Chef Hardy R. Schmitz zur Berliner Investitionsdiagonale
- "Wenn überhaupt, fallen wir als Letzte": Adlershof als krisenfester Industriestandort
- Von wegen "abgewickelt": Der ehemalige DDR-Akademiestandort brummt mehr denn je: 20 Jahre ist es her, da drohte den 5.500 Beschäftigten am Akademie-Standort Berlin Adlershof die...
- Adlershofer Frühling: 1989 gab es beim Fernsehen der DDR viel kreativen Freiheitsdrang
- Kontroverse um Konrad Zuse: Medienecho zum hundertsten Geburtstag des Computererfinders
- Was macht eigentlich: ...der letzte Akademie-Präsident?
- Hurra! Hurra! Das Funkprogramm: Hörbuch "Wir sind eine feste Bastion" zu Adlershofs Stasi-Geschichte
- Der rote Kanal: Wie das DDR-Fernsehen umschaltete
- Alltag in der Kaserne: Was war da bei Dzierzynskis los?
- VEB Schering: 1890 eröffnet in Adlershof eine chemisch-pharmazeutische Fabrik
Ihre Ansprechpartner

WISTA-MANAGEMENT GMBH
Dr. Peter Strunk
Bereichsleiter Kommunikation
Telefon: +49 (0) 30 / 6392-2225
Telefax: +49 (0) 30 / 6392-2236
E-Mail: pr(at)wista.de














