Die Anwendung gleich mitdenken: Das FBH als Start-up-Schmiede

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01. September 2014

Die Anwendung gleich mitdenken

Das FBH als Start-up-Schmiede

Günther Tränkle ist erfolgreicher Gründervater

Günther Tränkle ist erfolgreicher Gründervater

Prof. Dr. Günther Tränkle, Direktor des Ferdinand-Braun-Instituts, Leibniz-Institut für Höchstfrequenztechnik (FBH) zu den Gründungsaktivitäten seines Instituts

Am FBH wurden in den letzten fünfzehn Jahren schon viele erfolgreiche Ausgründungen auf den Weg gebracht, angefangen mit TESAG und Jenoptik Diode Lab bis zu BFB und BEAPLAS. Gibt es bei Ihnen einen besonderen Gründergeist?

Prof. Dr. Günther Tränkle: Ich würde das nicht unbedingt Gründergeist nennen. Wir haben mit der Halbleitertechnologie natürlich ein Fachgebiet, bei dem wir im täglichen Geschäft die Anwendung gleich mitdenken. Nicht zuletzt, weil wir viel mit der Industrie kooperieren. Wenn wir das Gefühl haben, eine Entwicklung könnte einen gewissen Markt finden, dann suchen wir zunächst nach Unternehmen, die das verwerten und produzieren können. Denn die sind ja bereits Experten dafür, den Marktzugang zu organisieren. Erst wenn das nicht klappt – etwa weil es sich doch eher um Nischenanwendungen handelt –, denken wir selber ans Gründen und fördern das dann natürlich auch. Denn – ehrlich gesagt – macht das Gründen in unserem Bereich nicht nur riesigen Spaß. Es ist schwierig und dauert lange.

Was sind denn die besonderen Herausforderungen dabei?

In dem Hochtechnologiebereich, in dem wir arbeiten, brauchen wir zwei Dinge: zum einen die entsprechenden Fachleute und zum zweiten die technologische Ausrüstung. Hier in Adlershof haben wir mittlerweile einen ordentlichen Pool an hochqualifizierten Fachkräften. Der Knackpunkt ist eher die Ausrüstung. Sie ist im Bereich der Halbleiterei – gerade mit Reinräumen – doch sehr teuer, ganz anders als etwa im IT-Bereich. Da kommen schnell einige Millionen Euro zusammen, die man erstmal wieder erwirtschaften muss.

Wie kann das FBH dabei unterstützend wirken?

Wir als Institut können in erster Linie unsere technologische Infrastruktur zur Verfügung stellen, die die Gründer – in der Startphase, aber manchmal auch darüber hinaus – mitbenutzen können. Sie ist zwar zu Forschungszwecken zusammengestellt, aber durchaus für die Kleinserienfertigung geeignet. Wenn man einen Reinraum erst mal mieten kann, statt gleich einen zu bauen, werden die Einstiegskosten geringer. Zudem kann man testen, ob die Geschäfte so gut laufen, dass die Investition refinanzierbar ist. Darüber hinaus sind wir natürlich gut vernetzt, das hilft bei der Suche nach weiteren Mitarbeitern und dem Aufbau von Geschäftsbeziehungen.

Sie werden gerne als Gründervater bezeichnet. Welche Rolle spielen Sie ganz persönlich?

Ich bin überzeugt, dass die Forschungsergebnisse, die wir produzieren, auch genutzt werden müssen, zumindest mittelbar. Aber wir als Forschungseinrichtung mit 300 Köpfen können nicht so strategisch vorgehen, wie beispielsweise Universitäten, die mittlerweile den entsprechenden formalen Apparat zur Verfügung haben, um Ausgründungen systematisch zu fördern. Also treibe ich das ein bisschen voran.

Wie sieht das konkret aus?

Tatsächlich spielen Erfahrung und Kontakte eine wesentliche Rolle. Wenn wir sehen, dass ein größeres Interesse an unserer Entwicklung besteht und ein gewisser Bedarf, dann setze ich mich mit den entsprechenden Leuten am Institut zusammen. Wenn sich dann ein tragfähiges Geschäftsmodell abzeichnet, dann ermuntere ich sie, in Richtung Gründung aktiv zu werden. Schlimmstenfalls drohe ich an, dass ich es selber mache. Das wirkt auch. Ohne Witz. Auf der anderen Seite gibt es aber natürlich auch Fälle, bei denen Initiative von den Mitarbeitern ausgeht, wie zum Beispiel bei BEAPLAS.

Aber nicht jeder Forscher ist doch geeignet und gewillt, selber zum Unternehmer zu werden?

Das ist nicht einfach. Denn es ist klar, dass jeder Gründer ein höheres Risiko geht. Seine Karriereentwicklung ist nicht so vorhersehbar, das Einkommen auch nicht. Das muss man wollen. Die meisten unserer Mitarbeiter haben auch keinen betriebswirtschaftlichen Hintergrund. Aber Geld ist bei uns im täglichen Geschäft immer ein Thema, wir kleben an alle Entwicklungen und Services ein Preisschild, denn die Ressourcen sind knapp. Insofern ist den meisten ein gewisses merkantiles Denken nicht ganz fremd. Und wenn es ernst wird, stellen wir geeignete Teams zusammen und holen uns gegebenenfalls das fehlende Know-how an Bord, wie etwa zuletzt bei UV-photonics, wo wir einen Kollegen engagiert haben, der schon eine erfolgreiche Gründung hinter sich hat.

Wie wichtig ist bei alledem ein gründerfreundliches Umfeld?

Für unsere Gründungsentscheidung selbst spielt es keine so entscheidende Rolle: Wenn wir gründen wollen, machen wir es. Aber es ist natürlich gut, keine weiteren Hürden zu haben und Unterstützung zu erfahren. Das Klima für Gründer ist hier in Berlin gut. Und es gibt auch eine Fülle staatlicher Förderprogramme wie etwa EXIST vom Bundeswirtschaftsministerium. Darüber hinaus kommen uns die Infrastrukturen zugute, wie sie etwa die TU Berlin bietet, mit Gründerseminaren, entsprechender Beratung und weiteren Kontakten.

Gibt es denn etwas, dass Sie sich in dieser Hinsicht noch wünschen würden?

Am Ende entscheidend ist natürlich, dass man das nötige Kapital für seine Unternehmung bekommt. Und das ist hierzulande eher ein grundsätzliches Problem, weil die Risikobereitschaft einfach geringer ist als zum Beispiel in Amerika. Bei uns scheut man sich einfach, etwas in den Sand zu setzen. Dort wird investiert. Wenn es schiefgeht, versucht man etwas anderes, und wenn nicht, dann ist es super.

Von Uta Deffke für Adlershof Journal

www.fbh-berlin.de

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