Mit Laserpower Richtung China: Halbleiterlasermodule vom Ferdinand-Braun-Institut als Türöffner

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07. November 2013

Mit Laserpower Richtung China

Halbleiterlasermodule vom Ferdinand-Braun-Institut als Türöffner

Jungunternehmer Xiaozhuo Wang Berlin Adlershof

Hat noch viel vor: Jungunternehmer Xiaozhuo Wang

Noch sind die Labor- und Produktionsräume leer, doch in wenigen Wochen werden Xiaozhuo Wang und Sven Schwertfeger im Zentrum für Mikrosysteme und Materialien in Adlershof ihre ersten Maschinen aufbauen. Mit ihrem im Mai 2013 gegründeten Unternehmen Brilliance Fab Berlin (BFB) wollen sie Lasermodule fertigen, zunächst einmal hauptsächlich für den chinesischen Markt. Dort sollen sie zum Beispiel als Lichtquelle in großen Fernsehbildschirmen oder riesigen Werbedisplays eingesetzt werden.

BFB ist eine Ausgründung aus dem Ferdinand-Braun-Institut, Leibniz-Institut für Höchstfrequenztechnik in Berlin (FBH) und eine Tochter des chinesischen Elektronikherstellers Sino Nitride Semiconductor (SNS), das hier über zwei Millionen Euro investiert. „Dessen Geschäftsführer Zhang Guoyi, der gleichzeitig Professor an der Universität Peking ist, gab zusammen mit dem FBH-Direktor Professor Günther Tränkle den Anstoß für die Unternehmensgründung“, berichtet Wang.

Türöffner für den chinesischen Markt

Zhang war daran interessiert, die vom FBH entwickelte Spitzentechnologie für Halbleiterlaserdioden in seinem Unternehmen zu nutzen. „Das funktioniert rein rechtlich gesehen nur über den Umweg dieser Unternehmensgründung“, erläutert Wang. Ein Gewinn auch für das FBH, das so seine Technologie zu marktreifen Produkten entwickeln kann. „Außerdem ist das ein guter Türöffner für den zurzeit noch sehr unspezifischen chinesischen Markt“, betont Wang. Unterstützt wird die Ausgründung auch vom Bundeswirtschaftsministerium und der EU.

Anglist, Elektrotechniker und Informatiker

Der Kontakt zwischen Zhang und dem FBH kam über Wang zustande. Der Ingenieur kam 2000 als Anglist aus China, zunächst nach Bochum, wo er nach einem intensiven Deutschkurs beschloss, noch Elektrotechnik und Informationstechnik zu studieren. „Wenn man schon mal in so einem Hightechland ist, dann muss man das auch ausnutzen“, sagt Wang. Für seine Doktorarbeit, die er in Kürze abschließen wird, ging er dann an das FBH und forschte über Halbleiterlaser. Bereits 2011 gab es erste Besuche von Zhang in Berlin und eine Gegeneinladung für Tränkle nach China.

Was die Halbleiterlaserdioden des FBH so attraktiv macht, ist ihre besonders energiesparende und kompakte Bauweise. Damit sind sie ideal für den Einsatz in verschiedenen Bereichen, unter anderem in großflächigen Bildschirmen. Aber auch für künftige Displaytechnologien, die 3-D-Sehen ohne Brille ermöglichen, ist die Qualität des kohärenten Laserlichts unerlässlich. „SNS ist sehr von der Zukunft dieser Technologie überzeugt und strebt die spätere Marktführerschaft an“, berichtet Wang. Deshalb habe man in China bereits mit der Planung der künftigen Fertigungsstätten begonnen.

Statt zwölf Stunden nur 30 Minuten für die Fertigung

Zunächst jedoch müssen Wang und Schwertfeger in Adlershof die Prototypenfertigungsanlage aufbauen, mit maßgeschneiderter Montagetechnik. Ab dem kommenden Jahr werden sie dabei von zwei chinesischen Doktoranden unterstützt. Ziel ist es, die zurzeit am FBH noch benötigten zwölf Stunden Zeitaufwand für die Fertigung von Lasermodulen aus den Dioden auf 30 Minuten zu reduzieren. Keine ganz leichte Aufgabe, denn es sind Präzision und Flexibilität gefordert. Auf der Modulfläche von 5 x 2,5 Quadratzentimetern müsse rund 20 optische Elemente wie Gitter, Linsen und Spiegel platziert werden, mit einer Genauigkeit von unter einem halben Mikrometer. Außerdem soll die Herstellung variabel sein, um für verschiedene Anwendungen produzieren zu können.

Neben Modulen für künftige Laserdisplaytechnologien will BFB auch Halbleiterlasermodule für die photodynamische Krebstherapie bauen. Dabei kann Laserlicht mit genau definierter Wellenlänge die Haut durchdringen und medizinische Wirkstoffe, die sich in Krebszellen anreichern, gezielt aktivieren. Darüber hinaus gilt auch die Ramanspektroskopie als vielversprechend, um FBH-Spitzentechnologie zu vermarkten. Sie ermöglicht über die spektrale Analyse des zurückgestreuten Laserlichtes eine elementgenaue Bestimmung der chemischen Zusammensetzung von Materialien.

Bis zur Auslieferung der ersten Lasermodule, so schätzt Wang, werden noch etwa zwei Jahre vergehen. Bis dahin agiert BFB bereits als Händler für SNS-Produkte auf dem europäischen Markt. Im Angebot sind beispielsweise LED-Leuchtmittel oder optische Elemente und Halbleitermaterial wie SiC-Wafer, an denen auch das FBH interessiert ist.

Von Uta Deffke für Adlershof Journal

www.berlin-bfb.de/de/
www.fbh-berlin.de

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