Spitzensport und Studium – geht das zusammen?: Adlershofer Studenten auf Olympiakurs

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07. Januar 2016

Spitzensport und Studium – geht das zusammen?

Adlershofer Studenten auf Olympiakurs

Wasserspringerin Maria Kurjo und Kunstturner Philipp Herder vereinbaren Spitzensport und Studium

Wasserspringerin Maria Kurjo und Kunstturner Philipp Herder vereinbaren Spitzensport und Studium

Sie trainieren für die Olympiaqualifikation und besuchen gleichzeitig Vorlesungen an der Universität – rund 15 Spitzensportler studieren am Campus der Berliner Humboldt-Universität (HU) in Adlershof. Beides miteinander zu vereinbaren, ist für Maria Kurjo und Philipp Herder eine echte Herausforderung.

Rio de Janeiro 2016: Deutschland bei den Olympischen Spielen vertreten, das ist ihr großes Ziel. Wasserspringerin Maria Kurjo, 25 Jahre, A-Kader der Nationalmannschaft, ist als Kind im Sportunterricht entdeckt worden: „Zu Beginn hat es einfach Spaß gemacht, später faszinierte mich die Herausforderung, immer neue Sprünge zu lernen. Ich brauche eine sehr große Kontrolle über meinen Körper, um in der Luft solche Akrobatik zeigen zu können. Das macht für mich die Sportart aus.“

Maria Kurjo, Wasserspringerin und Psychologie-Studentin

Maria Kurjo ist Deutsche Meisterin im 10-Meter-Synchronspringen, Vierte bei der Europameisterschaft 2015, sie nahm an den Olympischen Spielen 2012 teil, ist Mitglied der Sportfördergruppe der Bundeswehr – Sport ist ihr Hauptberuf. Aber Maria Kurjo wollte auch unbedingt studieren. Spitzensport und Studium – geht das überhaupt? Ja, denn Spitzensportler bekommen Unterstützung. Basis dafür bildet eine Kooperationsvereinbarung der HU mit dem Olympiastützpunkt Berlin, die bereits seit 2002 besteht und kontinuierlich ausgebaut wurde. „Das ist total wichtig!“ nickt Maria Kurjo, die nun im dritten Semester ist. „Vormittags Training, mittags Uni, abends Training. Dazu Trainingslager oder Wettkämpfe. Ich brauche sehr viel Disziplin und Fleiß, anders geht das nicht.“ Unterstützt wird Maria dabei von einem Mentor an ihrem Institut. Er und 14 weitere auf die Fakultäten und Institute der HU verteilten Mentoren helfen bei der Organisation des Studiums. „Training hat ja Priorität, gerade wenn es um die Olympiaqualifikation geht. Da muss man die Vorlesungszeiten und die Prüfungen irgendwie koordinieren“, weiß Maria Kurjo aus Erfahrung.

Studium und Spitzensport

Neben Marie und Philipp werden rund 60 aktuelle Bundeskaderathleten und circa 90 weitere, sportlich erfolgreichen Studierende bei ihrem Balanceakt Duale Karriere unterstützt. Hierbei arbeiten der Olympiastützpunkt Berlin, die Zentraleinrichtung Hochschulsport sowie die jeweiligen Mentoren, Fach-, Verwaltungs- und Servicebereiche der Universität eng und in regem Austausch mit den entsprechenden Athleten zusammen. Ein Projektkoordinator, finanziert über Drittmittel des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, ist Dreh- und Angelpunkt des Betreuungssystems an der HU. Er hilft insbesondere beim Übergang in die Hochschule, beim Studieneinstieg und der Studienplanung. Ein speziell ins Leben gerufenes, studentisches Mentorenprogramm vernetzt studierende Spitzensportler untereinander und fördert damit den informellen Austausch.

Philipp Herder, Turner und Physikstudent

Der Kunstturner Philipp Herder, 23 Jahre, B-Kader der Nationalmannschaft, Mitglied der Sportfördergruppe der Bundeswehr, Juniorenmeister am Barren 2010, Dritter am Boden bei der Deutschen Meisterschaft 2014, studiert in einem Teilzeitstudium Physik an der HU. Physik hat ihn schon immer interessiert und er schätzt die Atmosphäre am Wissenschaftsstandort Adlershof. Einmal in der Woche ist er hier am Campus. „Es ist ehrlich gesagt extrem schwer“, gibt er zu, „während der Einführungsphase war ich auf Weltmeisterschaft.  Der Einstieg war total stressig. 27 bis 30 Stunden in der Woche Training, dazu Physiotherapie, Trainingslager. Dreimal in der Woche zur Uni. Ich wollte das erste Semester abbrechen und habe mich dann an meinen Mentor gewendet.“ Der hat ihm geholfen, ins physikalische Grundpraktikum reinzukommen. Jetzt läuft das Studium von Philipp. „Ich krieg das schon irgendwie hin, man muss eben sehr gut planen können.“ Im neuen Jahr 2016 stehen für den Kunstturner zunächst die vorolympischen Spiele im März in Rio an, um „dort die Tickets für Olympia klarzumachen. Unter die ersten vier von acht Mannschaften zu kommen, das sollten wir schaffen.“ Ob er selbst dabei sein wird, weiß er noch nicht. Aber ein Traum wäre es schon für ihn.

Von Jördis Götz für Adlershof Journal

bolognalab.hu-berlin.de

Kommentare

Kommentare (2)

Reinhard Tietz Freitag, 08.01.16 12:12

Die Frage lautet doch eigentlich: "In wieviel Branchen kann man gleichzeitig 100 % einbringen, um in jeder Branche gleichzeitig Spitzenleistungen zu erbringen?" Oder auf wievielen Hochzeiten kann man gleichzeitig tanzen?
Dann entsteht die nächste Frage: "Wieviele Weltmeister und Oympiasieger haben gleichzeitig in ihrer Turnausbildung ohne Abstriche trainiert und studiert?" Und wenn ja, unter welchem Bedingungsgefüge?
Dann könnte man sich fragen: "Warum wird der Leistungssport in Deutschland unter Leitung des DOSB so organisiert?" Sind damit Medaillenzielstellungen zu realisieren? Oder reicht die Teilnahme an Internationalen Meisterschaften als Zielstellung aus?
In jedem Fall bleibt der täglich im Training auf hohem Niveau arbeitende und aufmerksam studierende Sportler auf der Strecke.
Das Weltspitzenniveau und die damit verbundenen Trainingsumfänge und Inhalte, um dieses zu erreichen, nehmen doch auf ein Studium keine Rücksicht und umgekehrt auch nicht die Anforderungen an ein zum Abschluß zu bringendes erfolgreiches Studium auf den Leistungssport. Für was Bitteschön darf sich der Sportler denn nun entscheiden? Doch in jedem Fall letztendlich für seine Zukunft, die hier sicher im späteren Beruf liegt zu dem eben ein Studium und nicht der Leistungssport die Grundlage ist. Na schönen Dank! Wer soll sich denn unter diesen Bedingungen seinen Enthusiasmus für Beides erhalten? Diese Frage stellt sich sicher auch mancher Trainer, der mit solchen Konflikten seiner Sportler konfrontiert ist. Aber man muß ja sein täglich Brot verdienen!

Werner Hassepaß Dienstag, 12.01.16 11:11

Eine gute Fragestellung von Reinhard Tietz. Allerdings sollte nicht nur der DOSB in die Pflicht genommen werden, sondern auch die Politik. Rings um Deutschland bekommt der Sport insgesamt mehr Förderung als in Deutschland, auch ideell. Man denke nur an das Desaster in Hamburg.

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