Verstärkung von Schallwellen bei extremen Frequenzen: MBI-Forscher ermöglichen Schallwellen bis 400 GHz / Neue Perspektiven für extrem hochaufgelöste Ultraschalldiagnostik

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22. Februar 2016

Verstärkung von Schallwellen bei extremen Frequenzen

MBI-Forscher ermöglichen Schallwellen bis 400 GHz / Neue Perspektiven für extrem hochaufgelöste Ultraschalldiagnostik

Änderungen der Reflexion als Funktion der Verzögerungszeit nach dem Pump-Puls

Änderungen der Reflexion als Funktion der Verzögerungszeit nach dem Pump-Puls. Die beobachteten Oszillationen sind proportional zur momentanen Amplitude der Schallwelle. Die blaue Kurve zeigt die Ergebnisse ohne Strom durch das Übergitter, die rote Kurve mit einem Strom von 1 A. Die Amplitude mit Strom ist immer größer als die ohne Strom. Die Verstärkung (das Verhältnis zwischen den roten und blauen Kurven) ist am deutlichsten bei Verzögerungszeiten über 300 ps (1 ps ist eine Pikosekunde, ein Millionstel einer Millionstel Sekunde), da die Verstärkung Zeit braucht.

Ein elektrischer Strom durch eine Halbleiter-Nanostruktur verstärkt Schallwellen bei extrem hohen Frequenzen. Diese Methode ermöglicht neuartige, sehr kompakte Quellen von Ultraschall, die als Diagnosewerkzeug für das Abbilden von Werkstoffen und biologischen Strukturen mit sehr hoher räumlicher Auflösung dienen können.

Ultraschall besteht aus akustischen Wellen mit einer Frequenz weit über der Grenze, die von Menschen gehört werden kann. Ultraschall im Megahertz-Bereich (1 MHz = 106 Hz = 1 Million Schwingungen pro Sekunde) findet breite Anwendung in der Sonographie, z. B. für die medizinische Bildgebung der Organe im Körper und für die zerstörungsfreie Prüfung von Materialien. Die räumliche Auflösung des Bildes ist begrenzt durch die Wellenlänge des Ultraschalls. Um Objekte im Nanobereich (1 Nanometer = 10-9 m = 1 milliardster Teil eines Meters) abbilden zu können, sind Schallwellen mit einer Frequenz von mehreren hundert Gigahertz (1 Gigahertz (GHz) = 1000 MHz) erforderlich. Um solche Wellen als Diagnosewerkzeug verwenden zu können, müssen neue Quellen entwickelt werden, die eine ausreichende Schallintensität liefern.

In einer kürzlich erschienenen Veröffentlichung (K. Shinokita et al., Phys. Rev. Lett. 116, 075504 (2016)), haben Forscher aus dem Max-Born-Institut in Berlin zusammen mit Kollegen aus dem Paul-Drude-Institut, Berlin, und der École Normale Supérieure, Paris, eine neue Methode für die Verstärkung solch hochfrequenter Schallwellen gezeigt. In einer speziell entwickelten Halbleiter-Struktur, die aus einer Folge von Nanoschichten besteht, werden Schallwellen mit einer Frequenz von 400 GHz mit kurzen optischen Impulsen aus einem Laser erzeugt und nachgewiesen. Der Schall wird durch Wechselwirkung mit einem elektrischen Strom verstärkt, der durch den Halbleiter in der gleichen Richtung wie die Schallwellen fließt. Diese Verstärkung basiert auf einen Prozess namens "SASER" (Sound Amplification by Stimulated Emission of Radiation), vollkommen analog zur Verstärkung des Lichtes in einem Laser (Light Amplification by Stimulated Emission of Radiation). Die Schallwelle regt Elektronen, die sich mit einer Geschwindigkeit höher als die Schallgeschwindigkeit bewegen, dazu an, von einem Zustand hoher Energie in einen Zustand niedrigerer Energie zu gehen und dadurch die Schallwelle stärker zu machen. Um eine Netto-Verstärkung zu erzielen, ist es notwendig, dass es mehr Elektronen in dem Zustand hoher Energie als in dem niedriger Energie gibt. Auf diese Weise wird eine Schallwelle mit einer Frequenz von 400 GHz um den Faktor zwei verstärkt.

Die bisherige Arbeit demonstriert erstmals dieses Prinzip der Schallverstärkung. Um hiermit eine nutzbare Quelle für Hochfrequenz-Schallwellen zu bauen, ist es notwendig, die Verstärkung weiter zu steigern, was durch Verbesserung der Struktur und vor allem durch eine bessere Kühlung des Halbleiters möglich sein dürfte. Sobald solche Quellen verfügbar sind, kann Sonographie mit einer Ortsauflösung im Bereich der Größe von Viren betrieben werden, also auf einer Längenskala viel kürzer als die Wellenlänge des sichtbaren Lichts.

Animation (13,1 MB)
Die untersuchte Halbleiterstruktur besteht aus abwechselnden Schichten von Galliumarsenid und Aluminium-Gallium-Arsenid (hier in gelb und rot dargestellt). Ein kurzer Laserpuls (Pfeil von links) erzeugt eine akustische Welle, hier zu sehen als periodische Änderung der Schichtdicken. Während die Amplitude der akustischen Welle mit der Zeit zunimmt, wenn ein elektrischer Strom (bewegenden Elektronen, dargestellt als blaue Punkte) fließt, bleibt sie ohne Strom konstant (oberer Teil).

Originalpublikation: Strong Amplification of Coherent Acoustic Phonons by Intraminiband Currents in a Semiconductor Superlattice
Keisuke Shinokita, Klaus Reimann, Michael Woerner, Thomas Elsaesser, Rudolf Hey, Christos Flytzanis
Physical Review Letters 116, 075504

Dieser Artikel wurde ausgewählt als Vorschlag des Herausgebers, siehe: Pumping up the sound

Kontakt

Max-Born-Institut für Nichtlineare Optik und Kurzzeitspektroskopie im Forschungsverbund Berlin e.V. (MBI)
Max-Born-Straße 2a, 12489 Berlin

Prof. Klaus Reimann
Tel. 030 6392 1476
E-Mail: reimann@mbi-berlin.de

Dr. Michael Wörner
Tel. 030 6392 1470
E-Mail: woerner@mbi-berlin.de

Prof. Dr. Thomas Elsässer
Tel. 030 6392 1400
E-Mail: elsaesser@mbi-berlin.de

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