Vom E-Mobil zum Energieversender: DBM-Energy arbeitet am größten Akkukraftwerk Europas

03.05.2012

Vom E-Mobil zum Energieversender

DBM-Energy arbeitet am größten Akkukraftwerk Europas

Weil Automobilbauer mit dem Einsatz eines von DBM-Energy entwickelten Superakkus noch zögerlich sind, arbeitet das Unternehmen derweil am Bau des größten Akkukraftwerks Europas.

„An der Batterie liegt es nicht“, sagt Mirko Hannemann, gefragt nach einer Erklärung für die mickrigen Zulassungszahlen von Elektroautos. Und als wollte er ein Ausrufezeichen hinter diesen Satz machen, drückt er aufs „Gas“ seines elektrischen Audi A2. Surrt mit Tempo 100 auf der Stadtautobahn Richtung Adlershof. Seit letztem Sommer sind drei dieser Fahrzeuge mit Hannemanns Kolibri-Akkus beim Oldenburger Energieforschungszentrum Next Energy im Dauereinsatz. „Keinerlei Fehlverhalten“, attestieren voll des Lobes die Oldenburger seinen Speichern. „Auch bei der Kälte im Februar nicht“, ergänzt der Chef von DBM-Energy beim Abbiegen an der Rudower Chaussee.

„Aber das ...“ – den Satzverlauf müssen wir uns selber ausmalen, während der 29-Jährige abbricht – „... ist seinen Kritikern an der 600-Kilometer-Weltrekordfahrt von München nach Berlin keine Zeile wert? „Ich hab verstanden, dass es den Autobauern viel zu schnell geht“, sagt Hannemann beschwichtigend und schiebt das Thema beiseite. Längst hat er seinen Fokus verlagert. Über Ostern musste sein erstes Akkukraftwerk einsatz- und versandfertig werden. Mitten in der neuen bolzplatzgroßen Produktionshalle an der Stadtautobahn Richtung Flughafen steht ein blauer Industriecontainer. Davor wartet eine Palette schwarzer Kolibri-Akkus auf ihre Montage. Mehrere Mitarbeiter verbauen sie in Schaltschränken im Innern der Stahlhülle. „Wir können darin eine Kapazität von bis zu fünf Megawattstunden installieren“, erklärt Hannemann. „Mit anderen Speichern fasst so ein Container derzeit etwa eine Megawattstunde.“ Das Kolibri-Kraftwerk wird in einem Umspannwerk in Rheinlandpfalz nahe der französischen Grenze seinen Betrieb aufnehmen. Es soll als Notstromreserve dienen, ist aber auch mit dem Netz der umliegenden Gemeinden verbunden. So ein Akkucontainer könnte fast 500 Haushalte 24 Stunden unabhängig versorgen. Die Energieversorger zeigen wenige Berührungsängste. Mitte des Jahres will DBM-Energy über die Einzelheiten dieses und weiterer Projekte informieren. Mit der brandenburgischen Energiequelle GmbH bereitet man derzeit den Bau eines 10-Megawatt-Leistungsspeichers, dem dann größten Akku-Kraftwerk Europas, südlich von Treuenbrietzen als Puff er für Windstrom vor. Die Baugenehmigung wurde gerade erteilt. „Der Bau solcher Speicher war ein wichtiger Grund für uns, nach Adlershof zu kommen“, erklärt Mirko Hannemann. Neben Infrastruktur, Verkehrsanbindung und Wissenschaftsumfeld biete die neue Halle mit Solardach gute Voraussetzungen etwa für den Aufbau solcher Kolibri-Container.

Adlershof soll das neue Entwicklungszentrum der Holding von DBM-Energy werden. Im Laufe des Jahres will die Firma die Mitarbeiterzahl stetig erweitern. „Bei uns werden dann bis zu 60 Mitarbeiter beschäftigt sein“, sagt Mirko Hannemann. Die Personalsuche nach Verfahrenstechnikern, Produktionsleitern, Chemikern oder Anlagenbauern läuft gerade an. Die neue Holding wird Kolibri Power Systems AG heißen, für deren Aufsichtsrat Hannemann erfahrene Geschäftsleute ins Boot holen konnte. Neben dem ehemaligen BMW-Kommunikationsdirektor Richard Gaul zählt auch der einflussreiche Deutsche-Bank-Manager Thomas Rüschen, u. a. Gründungsmitglied des Wüstenstrom-Projektes Desertec, dazu.

Die Personalie ist auch ein Fingerzeig auf den künftigen Kurs. „Wir wollen uns zum Transporteur mobiler Energie entwickeln.“ Hannemann gibt sich überzeugt: Nicht nur stationäre Akkuspeicher können einen Beitrag zur Energiewende leisten. Auch der Netzausbau über Tausende Kilometer ließe sich kostengünstiger gestalten. „Warum sollen nicht Akkuschiffe die Öltanker ablösen?“, fragt er. Für entsprechend anwendungsreif hält er seine Lithiumtechnik. Sie sei wirtschaftlich, benötige keine seltenen Rohstoffe, besitze eine hohe Abgabeleistung.
Und sie funktioniere stabil. Tatsächlich zeigten sich die Messtechniker der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM), die seine Technik 2011 auf Herz und Nieren prüften, erstaunt über die kaum vorhandenen Messwertunterschiede diverser Kolibri-Akkus. „Wir liefern bei plus 100 Grad Celsius die gleichen Werte an der zehnten Stelle hinter dem Komma wie bei minus 40 Grad Celsius“, sagt Mirko Hannemann. Das sei gelungen, „weil der Speicher ohne Flüssigkeiten im Zellaufbau auskommt. Dadurch konnten wir Umgebungseinflüsse wie etwa Druck und Temperatur nahezu ausschalten.“ 

von Martin Woldt

Link: www.dbm-energy.com 


Kommentare

Kommentar 1 - 1 von 1.

Elektroauto von Hannemann

Bernd Erxleben Dienstag, 30-07-13 17:41

Warum ist das sogenannte Weltrekordauto so schnell von der Bildfläche verschwunden ? und am Ende glücklicherweise auch noch bei einem Brand zerstört worden bevor es ernsthaft untersucht werden konnte. Den Batteriespeicher mit 5 MWh in einem 20 " Container möchte ich sehen und testen

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