Das FUBIC schließt eine Lücke: Im Gespräch mit Jörg Israel, Manager des neuen Gründerzentrums im Südwesten Berlins

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06. September 2016

Das FUBIC schließt eine Lücke

Im Gespräch mit Jörg Israel, Manager des neuen Gründerzentrums im Südwesten Berlins

Jörg Israel, Manager des neuen Gründerzentrums FUBIC

Pioniergeist ist in der Technologie- und Gründerszene im Südwesten Berlins gefragt. Jörg Israel managt dort das FUBIC (Business and Innovation Center next to Freie Universität Berlin Campus), das bis Ende 2020 in Berlin-Dahlem entstehen soll. Das Know-how dafür hat er als Leiter des Zentrums für Mikrosysteme und Materialien (ZMM) im Technologiepark Adlershof gesammelt. Der Standortentwickler aus dem Team der WISTA-MANAGEMENT GMBH verrät im Interview auch seinen Hang zur Nostalgie und warum er wegen seiner vielen Aktivitäten Schlaf für überbewertet hält.

Es gibt sie in Adlershof, Buch, Charlottenburg und an weiteren Standorten. Hat Berlin nicht genug Gründungszentren?

Geschützte Räume und günstige Konditionen bei Arbeits- und Laborflächen sind in der Anfangsphase eines neuen Unternehmens immens wichtig. Die Freie Universität Berlin gehört bundesweit zu den Hochschulen mit den meisten Ausgründungen. Aber sie hat als einzige Berliner Universität bisher kein Gründungszentrum. Das FUBIC schließt diese Lücke.

Wer wird ins FUBIC einziehen?

Start-ups und Unternehmen aus den Bereichen Life Sciences, Gesundheitswirtschaft und IT. Wir rechnen mit 60 bis 80 Unternehmen mit ca. 700 Mitarbeitern. Weitere 300 Mitarbeiter sehen wir in Highttechunternehmen, die eines der sechs geplanten Gebäude angrenzend an das FUBIC bespielen.

Skizzieren Sie die nächsten Schritte?

Wir sind in der Schlussphase zur Erstellung des Bebauungsplans. Ende 2016 soll die Planreife vorliegen. Anschließend werden wir über das Programm ‚Gemeinschaftsaufgabe‚ Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur‘, GRW, Fördergelder für das Gebäude beantragen. Den Baubeginn planen wir für Mitte 2018. Fertiggestellt soll das FUBIC Ende 2020 sein.

Welche Besonderheiten zeichnet das FUBIC aus?

Das Zentrum hat einen sehr hohen Laboranteil, knapp 8.000 Quadratmeter, die Hälfte der Nutzfläche. Außerdem wollen wir das Gelände als energetisches Modellprojekt konzipieren und langfristig nur mit regenerativer Energie versorgen.

Wo sehen Sie das FUBIC in 25 Jahren?

Wir gehen davon aus, dass Medizintechnik und Life Sciences zunehmend IT-lastig sein werden. Ein Beispiel: Wo heute noch Tierversuche notwendig sind, werden die Versuche künftig am Rechner simuliert. Das erfordert, eine gute IT-Infrastruktur vorzudenken und so flexibel zu bauen, dass das Zentrum auch 2041 noch den Anforderungen entspricht.

Sie betreuen auch das ZMM in Adlershof. Wie geht es da weiter?

Die Flächen im ZMM sind mit knapp 90 Prozent gut ausgelastet, die Netzwerkarbeit geht weiter. Der Schulterschluss zwischen Adlershof und Dahlem ist auch gut für zwei Unternehmen, die bereits in dem Gebäude des ehemaligen US-Militärhospitals, das nun zum FUBIC umgebaut werden soll, angesiedelt sind. Im Zuge der Sanierung des FUBIC benötigen diese Firmen Ersatzflächen, aber Labormietflächen sind in Berlin Mangelware. Im ZMM schaffen wir für diese Unternehmen eine Lösung.

Seit wann arbeiten Sie in Adlershof?

Ich fing 1992 in der Betreibergesellschaft für den Technologiepark Adlershof als wissenschaftlicher Mitarbeiter an. In diesem frühen Stadium der Technologieparkentwicklung wurde ein Fabrikplaner, was meine Studienspezialisierung war, gesucht.

Was wollten Sie als Kind werden?

Ich habe schon immer gebastelt und ganz früh war klar, dass ich etwas in Richtung Elektroniker, Mechatroniker, Maschinenbauer machen wollte.

Ehrenamtlich engagieren Sie sich in der Ausbildung. Wo genau?

Im Verein proMANO, der Aus- und Weiterbildungsaktivitäten in der Mikrosystemtechnik fördert. Wir setzen auf Verbundausbildung. Das bietet viele Vorteile: die Azubis durchlaufen verschiedene Firmen und lernen ganz verschiedene Geräte und Techniken kennen, die Firmen müssen nicht alle Ausbildungsbereiche abdecken.

Haben Sie ein Steckenpferd?

Mindestens zwei. Da ist mein VW-Bus T3, Baujahr 1987. Nächstes Jahr zählt er als Oldtimer. Er ist noch im Originalzustand, man hat viel Platz darin. Inzwischen hat er 320.000 km runter. Wenn wir damit in den Urlaub fahren – wir waren schon in Norwegen, Irland, Schottland –, muss ich schon öfter mal etwas reparieren. Das ist das Schöne an so einem älteren Modell, dass man noch vieles selbst machen kann. Außerdem begeistere ich mich für Schallplatten. Ein paar hundert habe ich inzwischen gesammelt, hauptsächlich Rockmusik. Ich habe auch eine große CD-Sammlung, aber Schallplatten anhören ist ein bewussteres, intensiveres Hören, finde ich.

Wie verbringen Sie Ihre Freizeit?

Mit Sport, Musik, kaputte Sachen reparieren, aber auch Kunst und Neues ausprobieren – es gibt einfach so viel zu tun und zu erleben, da bleibt nur ein Minimum für Schlaf übrig. Ich spiele Volleyball und Beachvolleyball im Verein und beim Hochschulsport der Berliner Humboldt-Universität. Daneben gehe ich regelmäßig laufen und nehme an der Adlershofer Firmenstaffel teil. Wenn ich nicht auf Plattenbörsen nach Schnäppchen suche, gehe ich gern mal ins Konzert. Mein letzter Konzertbesuch war bei der englischen Heavy-Metal-Band Black Sabbath mit Leadsänger Ozzy Osbourne. Und wenn ich nicht an meinem T3 schraube, repariere ich eben Röhrenradios, Plattenspieler und dergleichen, die ich auf dem Trödelmarkt oder bei eBay ersteigere.

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