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"Und weil der Mensch ein Mensch ist" - Festival des neuen politischen Liedes

Freitag, 26. August 2022 // 16.30

Theater Ost

Moriz-Seeler-Str.1, 12489 Berlin

Musikalische Podiumsdiskussion Christiane Reymann im Gespräch mit: Gina Pietsch, Tino Eisbrenner, Betty Rossa & Max Prosa. Bild: Theater Adlershof
Betty Rossa. Bild: Theater Ost
Jürgen Kuttner. Bild: Theater Ost
Eisbrenner & Tatanka Yotanka. Bild: Theater Ost

OPEN AIR - FESTIVALTAG 1


16:30 Uhr - „Ist das Politik oder kann das weg?“

Eine Musikalische Podiumsdiskussion. Christiane Reymann im Gespräch mit: Gina Pietsch, Tino Eisbrenner, Betty Rossa & Max Prosa.
Musikalische Beiträge: Gina Pietsch & Max Prosa

Christiane Reymann, Publizistin, hat viele Jahre als Journalistin für Hörfunk, TV und Printmedien gearbeitet. Nicht nur als interessierte Zuhörerin hat sie Bezüge zur Musikszene – und vor allem ist sie jemand, für den Politik immer und grundlegend mit Kunst und Kultur verbunden war und ist.
Reportage-Reisen führten sie in die Sowjetunion, nach Syrien oder Südafrika. Ihr stetes Interesse gilt der deutsch-sowjetischen und deutsch-russischen Verständigung und dem Frieden.
Gina Pietsch gehört zu den ganz großen Brecht-Interpretinnen. Mit ihrer markanten Stimme, die ihrem Publikum Lieder von Mikis Theodorakis bis Víctor Jara näher bringt, begeistert sie seit Jahrzehnten ihre Zuhörer. Dabei ist nicht nur ihr Repertoire international und an den sozialen Kämpfen ausgerichtet. Pietsch selbst traf Musiker von Kuba bis Vietnam, arbeitete mit namhaften Künstlern zusammen und engagiert sich nach wie vor für eine gerechtere Welt.
Und dazu hat Gina Pietsch viel zu bieten. Dieser engagierte Leistungsweg der Professionalität ist zu bewundern. Es sind die vielen Begegnungen mit wichtigen internationalen Zeitzeugen, Auftritte in Ländern, mit deren Völkern wir Menschen in der DDR uns solidarisierten. Gina Pietsch hat wahrlich viel zu erzählen. Wichtiges. Das ist Friedenskampf mit den Mitteln der Kultur auf hohem Niveau, in dem Bewusstsein, dass der Frieden das Fest des Alltags sein muss.
Tino Eisbrenner zählt zu jenen Künstlern Deutschlands, für die Worte wie Bildungsauftrag, künstlerische Verantwortung, oder die Rolle der Kunst durch Teilnahme am gesellschaftlichen Diskurs noch eine Relevanz haben. Er zeigt politische Haltung und ist gleichsam Verteidiger von (Lebens)poesie, wann und wo auch immer diese missachtet und unterdrückt wird. Und so gilt der Songschreiber und Friedensaktivist dieser Tage als einer der konsequentesten Regierungs- und Gesellschaftskritiker seiner Zunft.
Der Berliner Singer-Songwriter Max Prosa zählt zur Speerspitze einer neuen und jungen Generation von Liedermachern, hat mittlerweile fünf Alben und eine Buchveröffentlichung im Gepäck, ist Musiker, Lyriker und Theaterautor. Prosa schreibt stimmungsgeladen und intensiv Lieder über die Sehnsüchte, Geschichten und Widersprüche dieser Welt.

 

18:00 Uhr - Betty Rossa (Österreich) "Rote Lieder gegen den grauen Alltag"

Rote Lieder gegen den grauen Alltag – gegen Rassismus, für Streikbewegungen und eine gerechte Gesellschaft

Wir spielen und machen Lieder.
Also sind wir Liederspieler/innen und Liedermacher/innen, und das im Gender-Duo. Gesang und Gitarre. Wir wollen in Konzert- und Clubräumen ebenso spielen wie auf Demonstrationen und Aktionsständen.
Unsere Geschichte ist Teil des gesellschaftlichen Widerstands gegen Ausbeutung und Unterdrückung, hier im Land, in den Nachbarländern und weltweit. Deswegen sind unsere Lieder auch international – vom österreichischen (Sigi Maron-)Dialektrock über hochdeutsche ArbeiterInnen- und Protestlieder bis hin zu englisch-, italienisch- und spanischsprachigen Widerstandsliedern.
Das soll auch unsere Message sein: nur gemeinsam sind wir stark genug, den Herrschenden in die Arme und der Geschichte erfolgreich in die Speichen greifen zu können.


18:45 Uhr - Kollateralschlager - politisch by accident.

Ein Videoschnipselvortrag von und mit Jürgen Kuttner

Jürgen Kuttner, geboren in Ost-Berlin, ist Moderator, Theatermacher und Videoschnipselvorführer.

 

ca. 19:45 Uhr - Eisbrenner & Tatanka Yotanka

In kraftvoller Rock-Quintett-Besetzung folgt Tino Eisbrenner (voc, blues-harp, git) seiner Intention des musikalischen Grenzgängers und Brückenbauers. So setzt er mit EISBRENNER & TATANKA YOTANKA sein eigenes Songmaterial aus vier Jahrzehnten in Szene. Dabei arbeitet das Quintett mit Olli Becker (dr), Oli Siegmann (b), Alejandro Soto Lacoste (keyb/git./akk.) und Mr. Chessman (e-git./mandol.) ausgesprochen selektiv. Es sind emotionale Wucht und meditative Kraft, die das Publikum in ihren Bann ziehen. Elektrosound, der aber auch immer wieder Akustikrock-passagen einwebt. Abgestimmt auf die Inhalte und die Stimmfarben des Rockpoeten Eisbrenner selbst, dem man seine Botschaft abnimmt, weil er sie lebt. Das Publikum ehrt ihn für seine humanistische Haltung und die Kraft seiner Lebenspoesie, die er offenherzig teilt. Seine Bücher und Songtexte sind analytisch und gesellschaftskritisch, ohne dabei den Sinn für das Lyrische und auch Komische unserer Zeit zu entbehren.
Dreißig Jahre Live- und Studioarbeit haben das Trio Eisbrenner/Becker/Siegmann zusammengeschmiedet aber noch nie haben die drei Musiker so reduziert und fundamental miteinander gespielt. Mit Soto Lacoste arbeitet Eisbrenner zusammen, seit er ihn vor 18 Jahren in Chile kennenlernte und nach Deutschland einlud, in diversen musikalischen Projekten. Mr. Chessman, ebenfalls ein alter Hase aber neu im Team, liefert die gitarristische Würze zu diesem Rock-Menü.
„Rockmusik ist Aufbegehren, ist Rebellion“, sagt der sozial engagierte und politisch aktive Friedensaktivist Eisbrenner. Und so borgt er sich für seine Band den Namen Tatanka Yotanka (engl.: Sitting Bull) von dem legendären Häuptling und heiligen Mann der Dakota, der für seinen Freiheitskampf und das Aufbegehren gegen die Macht und Gesetze des weißen Amerika berühmt und zum Märtyrer wurde. Eisbrenner selbst zog es nach der „Wende“ zu seinen Kindheitsidolen und für ein paar Jahre fand er eine zweite Heimat bei den Maya-Indianern Mexicos. Dass Tatanka Yotanka das wissende Publikum an Neil Young & Crazy Horse (Dakotahäuptling und Kampfgefährte von TY) erinnern könnte, ist kein Versehen, sondern Hommage.
„Mit diesem Programm wecken wir die Geister unserer Ursprünge“, erklärt Eisbrenner, „die Geister unserer eigenen musikalischen Kraft, die wir gemeinsam seit vierzig Jahren entfalten und entwickeln. Wir rufen sie und sie vereinen sich, wenn wir zusammen spielen. So entstehen die spirituellen Momente unserer Konzerte, die uns alle tiefer atmen lassen…“ Eisbrenner, Mitbegründer der Initiative „Kultur ins Grundgesetz“, mischt sich auch 2022 künstlerisch in den politischen Diskurs ein. Er tut es mit seinem zweiundzwanzigsten Album „Kalumet“ und dem Buch „Hinterland“, wie auch seinem offenen Brief nebst Petition an die Bundesregierung „Kultur ist Frieden – Frieden braucht Kultur. Kein Zurück zur Barbarei“, in dem er sich gegen die staatlich konditionierte Russophobie in Deutschland ausspricht.


Einlass: 16.00 Uhr