Termine / Veranstaltungen

"Und weil der Mensch ein Mensch ist" - Festival des neuen politischen Liedes

Sonntag, 28. August 2022 // 15.30

Theater Ost

Moriz-Seeler-Str.1, 12489 Berlin

Bateria Brincadeira. Bild: Theater Ost
Nadine Maria Schmidt. Bild: Theater Ost
Jo Ambros & Martin Kaluza - „Wie die Message in den Song kam“. Bild: Theater Ost
Gina Pietsch & Frauke Pietsch - „Von Brecht bis Broadway“. Bild: arbeiter@fotografie.com

OPEN AIR - FESTIVALTAG 3



15:30 Uhr - Bateria Brincadeira (Berliner Sambaband)

Die „Bateria Brincadeira“ ist eine erfahrene Berliner Sambaband aus Berlin-Lichtenberg. Hier trommeln unter der Leitung von Paul Galonska die Schüler*innen des Herder-Gymnasiums gleichberechtigt mit Ehemaligen und Lehrkräften im feurigen Groove brasilianischer Musik. Neben den traditionellen Karnevalsstilen Rio de Janeiros und Bahias werden dabei auch die Grenzen zu Swing, modernen Funk- und Hiphopelementen ausgelotet. Aus dieser Mischung entsteht eine spannende Bühnenshow mit energiegeladener Musik, abwechslungsreichen Choreographien und animierender Spielfreude, die Groß und Klein gleichermaßen mitreißt.


16:30 Uhr - Nadine Maria Schmidt (Leipzig, Liedermacherin)

Nadine wird am 23.10.1980 in Greiz in Thüringen geboren. Sie wächst in der Kleinstadt Elsterberg im Vogtland auf. Zur Musik findet sie erst mit 23 Jahren. Sie geht den autodidaktischen Weg ohne jegliche musi¬kalische Vorbildung und mit der ärztlichen Diagnose, anatomisch nicht für den Gesang ausgelegt zu sein. Sie gesundet. Ende 2007 dann das erste Konzert. Damals noch englischsprachig.
Inzwischen spielte sie bisher an die 500 Live-Konzerte deutschlandweit (und in Polen), darunter auch Konzerte für Alin Coen (Tour 2012), Sarah Lesch, Kari Rueslåtten (Die Stimme Norwegens), Manfred Maurenbrecher, Tino Eisbrenner oder Maike Rosa Vogel.
Zudem wurde die Songschreiberin mit dem renommier¬ten Förderpreis der Liederbestenliste 2016 ausgezeichnet, den u.a. schon Dota oder auch Felix Meyer erhielten. Liedtexte von ihr wurden in verschiedensten Gedichtanthologien veröffentlicht. Ihre Gedichtvertonung und Verfilmung von „Der Panther“ von Rilke fanden an Universitäten in Deutschland und der USA Eingang in die Lehre.
Ihre Lieder zur Flüchtlingsdebatte erhielten besondere Aufmerksamkeit. So wurde „Aluna – Meine Mutter war ein Flüchtling“ auf dem Dossiertitelblatt der „ZEIT“ als „unverbesserlich guter Song“ bezeichnet oder „Aleyna – Kinder von Idomeni“ als Video in Konstantin Weckers Onlinemagazin „Hinter den Schlagzeilen“ veröffentlicht.


17:45 Uhr - Jo Ambros & Martin Kaluza - „Wie die Message in den Song kam“

Musikalische Lesung

Was ist von der Ära der großen Protestsongs geblieben? Haben heutige politische Bewegungen ihre eigenen Songs? Kann man sich 2022 ein neues „Blowin’ in the Wind“ vorstellen? Martin Kaluza und Jo Ambros haben unabhängig voneinander und auf ihre Weise Antworten gesucht. Kaluza begann, in seinem Blog „Das politische Lied“ die Geschichten hinter engagierten Songs zu sammeln - und hört seitdem überall politische Anliegen heraus. Ambros nahm zwei Alben mit Protestsongs auf, ließ den Gesang weg und zeigte so nebenbei, dass die wirklich großen Protestsongs nicht nur einen guten Text haben, sondern auch unschlagbare Melodien. Am heutigen Nachmittag liest Kaluza Texte aus seinem Blog, und Ambros spielt Gitarre.

Martin Kaluza ist Autor und Musiker. Er hat in politischer Philosophie promoviert und liebt Songs, in denen viel „I love you“ und „Yeah yeah yeah!“ vorkommt. Für seinen Blog daspolitischelied.de hört er sich rund um den Globus nach Songs mit Anliegen um.

Jo Ambros ist Gitarrist. Er veröffentlichte zuletzt zwei Alben mit Instrumentalversionen von Revolutionsliedern und Protestsongs. Er spielte unter anderem mit Helen Schneider, Freundeskreis und Cat Stevens.

 

ca. 19:30 Uhr - Gina Pietsch & Frauke Pietsch - „Von Brecht bis Broadway“

Ein Kurt-Weill-Abend

Pietsch Mutter und Tochter singen und plaudern über Weill in Berlin, Paris, am Broadway und in Hollywood, über seine Kämpfe beim Sich-Einrichten in Leben und Kunst, und über Spaß und Mühen beim Produzieren von Kunst und Leben.
1927 fing das mit Brecht an. Ein Dichter, ein wirklicher Dichter, mit kühnem Griff und wundervoller Einfühlungskraft hatte Weill nach der Lektüre von Brechts außerordentlich atheistischer „Hauspostille“ ausgerufen, was etwas heißen wollte für den streng im jüdischen Glauben erzogenen Kantors- und Religionslehrersohn. Man kam zusammen, in Berlin, Paris und Amerika, meist mit unterschiedlichen Intentionen und Erfolgen, letzteres am krassesten unterschieden am Broadway, den Brecht als kältesten Verkauf von Abendunterhaltung und einen von Spielern unterhaltenen Zweig des Rauschgifthandels ansah. Man verstand einander so wenig, dass David Drews, der größte Weill-Kenner gerade dieses Unverständnis zum Grund dafür erklärte, dass in vier Jahren sechs gemeinsame Werke entstanden, die beiden Weltruhm verschafften.
Der schwarze Dichter Langston Hughes, der die Songtexte in Weills Oper “Street Scene” schrieb, sieht einen anderen Erfolgsgrund: „Er hatte etwas zu sagen, und er sagte es auf die einfachste und geradlinigste Weise, in der allgemein verständlichsten Sprache eines jeden Landes. Darum kann Deutschland Weill als Deutschen, Frankreich ihn als Franzosen, Amerika ihn als Amerikaner und ich ihn als Schwarzen ausgeben.“

Gina Pietsch gehört zu den ganz großen Brecht-Interpretinnen. Mit ihrer markanten Stimme, die ihrem Publikum Lieder von Mikis Theodorakis bis Víctor Jara näher bringt, begeistert sie seit Jahrzehnten ihre Zuhörer. Dabei ist nicht nur ihr Repertoire international und an den sozialen Kämpfen ausgerichtet. Pietsch selbst traf Musiker von Kuba bis Vietnam, arbeitete mit namhaften Künstlern zusammen und engagiert sich nach wie vor für eine gerechtere Welt.
Und dazu hat Gina Pietsch viel zu bieten. Dieser engagierte Leistungsweg der Professionalität ist zu bewundern. Es sind die vielen Begegnungen mit wichtigen internationalen Zeitzeugen, Auftritte in Ländern, mit deren Völkern wir Menschen in der DDR uns solidarisierten. Gina Pietsch hat wahrlich viel zu erzählen. Wichtiges. Das ist Friedenskampf mit den Mitteln der Kultur auf hohem Niveau, in dem Bewusstsein, dass der Frieden das Fest des Alltags sein muss.

Frauke Pietsch ist Pianistin und Sängerin

  • Studium der Musik- und Kommunikationswissenschaft TU Berlin, Abschluss M.A. mit einer Feldforschungsarbeit über die Musik der Lakota
  • Übersetzerin deutsch/englisch Berlin/Dublin seit 1997
  • zeitweise Mitorganisatorin des Festivals Musik und Politik
  • Stadtführungen Berlin & Potsdam
  • Volontariat Musikredaktion Jugendradio DT64
  • Oberstufenabschluss Klavier 1992; Gesang seit 1992; erste Engagements 1990
  • seither in unterschiedlichen Besetzungen – auch mit eigenen Arrangements und Kompositionen – aktiv (u. a. mit Gina Pietsch, Stefan Litsche, Scarlett O’, Tina Powileit, Jürgen Ehle, Julia Schwebke & Friederike Ziegler)
  • Marx-CD mit Gina Pietsch 2019


Einlass: 15:00 Uhr