Verleihung des Ulrich-Grasnick-Lyrikpreises 2020

Verleihung des Ulrich-Grasnick-Lyrikpreises 2020

Samstag, 20. Februar 2021 // 19.00

Amt für Weiterbildung und Kultur des BA Treptow-Köpenick

Freiheit 15, 12557 Berlin
Aula der Musikschule Köpenick

Thema 2020: Saatkorn sein. Zwischen Mühlsteinen

Das Thema des diesjährigen Wettbewerbs „Saatkorn sein. Zwischen Mühlsteinen“ zielte auf Selbstwahrnehmung, Wahrnehmung der Zeit, in der wir heute leben. 220 Autorinnen und Autoren beteiligten sich an der Ausschreibung mit jeweils zwei Gedichten. Darunter sind Zuschriften aus Österreich und der Schweiz. Der 250. Geburtstag von Friedrich Hölderlin war ein schöner Anlass, die Bedeutung einer Gedichtzeile des Preisgebers Ulrich Grasnick für die Gegenwart auszuloten und zugleich Beweggrund, den Dichter Hölderlin literarisch neu zu entdecken.

Preisträger des Jahres 2020 sind Dorothee Krämer (1. Preis) aus Bad Essen und Andreas Lehmann (2. Preis) aus Leipzig. Die Entscheidung der Jury begründete York Freitag u. a. mit den Worten: Die Überschrift „baden“ des prämierten Gedichts von Dorothee Krämer schreibt nichts fest: „baden“ eröffnet ein breites Assoziationsspektrum. Einsteigend mit „am ufer“, gibt die Autorin eine klare Leserichtung an. Mit dem Bild „ufer“ als Scheide zwischen „wasser“, „wässrig“ auf der einen, „handtuch“, „sand“ auf der anderen Seite tastet es sich vor zu dem, wovon Hölderlins Hymne „Patmos“ gleich zu Anfang kündet: „Wo aber Gefahr ist, wächst / Das Rettende auch.“ Der Ausgang ist offen. Den Badenden kann Unheil oder eben Rettung ereilen: der (suizidale) Gang ins Wasser – vulgo: „baden“ gehen – respektive das Bad in der Dünung des (ewigen) Lebens. Beides vereint in Hölderlin: diesem unrettbar Geretteten.

Die Stärke des Gedichts „kein manifest“ von Andreas Lehman ist seine Ambivalenz. Hinzu kommt die mit ihr zugleich herausgearbeitete, ihr immanente Annäherung an Motto und Thema der Ausschreibung im Hölderlin-Jahr: Derjenige, der nicht mehr existent war, weil nicht mehr existent sein sollte, unermüdlich in seinem Schöpferzwang.

Zur unabhängigen Jury gehörten: York Freitag (Vorsitz), Kathrin B. Külow (Preisträgerin 2019), Katharina Körting, Michael Manzek, Dr. Martin A. Völker und Jörg Wiedemann.

Wie geplant werden im Herbst 2020 die beiden Anthologien „Abwerfen der Last, die uns hindert am Gehen“ und „Saatkorn sein. Zwischen Mühlsteinen“ im Quintus-Verlag/ Verlag für Berlin-Brandenburg veröffentlicht. Diese Gedichtbände dokumentieren sowohl den Ulrich-Grasnick-Lyrikpreis 2019 wie auch den Ulrich-Grasnick-Lyrikpreis 2020.

Infolge der aktuellen Corona-Pandemie findet die Verleihung des Ulrich-Grasnick-Lyrikpreises am 20. Februar 2021, 19 Uhr in der Aula der Musikschule Köpenick, Freiheit 15 statt.

Zum Preisstifter

Ulrich Grasnick, geb. 1938 in Pirna, Lyriker, Mitglied im Verband Deutscher Schriftstellerinnen und Schriftsteller (ver.di VS Berlin). Er leitet seit vielen Jahren das Köpenicker Lyrikseminar und die Lesebühne der Kulturen Adlershof mit Sitz im Kulturzentrum Adlershof Alte Schule. Zu seinen aktuellen Veröffentlichungen gehören „Fermate der Hoffnung. Hommage an Marc Chagall. Gedichte Deutsch/Russisch“ 2018 und „Auf der Suche nach deinem Gesicht. Gedichte zu Johannes Bobrowski“ (2018). Grasnick ist Herausgeber der Anthologien zum seit 2017 jährlich ausgeschriebenen Ulrich-Grasnick-Lyrikpreis: „Wenn wir den Atem anhalten“ (2017), „Im Auge des Dichters“ (2018) und „Schritte“ (2019).