Im Gespräch mit Yessica Yeti, Kreativdirektor bei der PEIX Health Group
Wer an dieser Stelle die ultimative Anleitung zum Kreativsein erwartet, wird gleich enttäuscht: Yessica Yeti ist zwar Werbetexter, Autor, Musiker, Musikjournalist und Kreativdirektor bei der PEIX Health Group, benötigt dafür aber weder Techniken noch Rezepte. Das kreative Schaffen zieht sich durch Yetis Leben wie ein roter Faden.
Adlershof Journal: Sind Sie der kreativste Mensch in Adlershof?
Yessica Yeti: Ich hoffe nicht! Ich bin vor allem ein sehr breit aufgestellter Kreativer, der in sehr unterschiedlichen Disziplinen von dem unterwegs ist, was ich unter dem Dach ‚Kreativität‘ zusammenfassen würde. Ich bin Musiker, schreibe Bücher, schreibe Songs, denke strategisch/konzeptionell und bin Werbetexter. Das Schöne ist, dass ich mich nicht für eine Disziplin entscheiden muss. Jeder Tag ist eine Challenge und ich habe das Glück, allen Leidenschaften gleichzeitig nachgehen zu können. Ich mag das. Ich brauche Input.
Was machen Sie bei PEIX?
Ich arbeite seit 17 Jahren in der Werbung und seit drei Jahren hier als Creative Director Text und Konzept. In die Werbung zu gehen, war nicht meine Idee. Ich war damals Musikjournalist und Kolumnist. Da entdeckten mich Menschen, die der Meinung waren, dass ich Worte klug bewegen könne. Bei PEIX machen wir Werbung für die Healthcare-Branche. Das sind teilweise sehr komplexe Themen, die wir an die Menschen bringen müssen: Adipositas, Brustkrebsfrüherkennung, die Menopause oder Krebsvorsorge bei Männern. Mein Job ist es, diese komplexen Themen klein zu denken. Ich verdichte und vereinfache, das ist mein Job.
Wir sind aktuell etwa 80 Leute bei PEIX. Konzepte entstehen in den Kreationen – in Teams aus Text und Art und noch weiteren Disziplinen. Wenn ein Thema reinkommt, haben wir im Haus Medicals, also Spezialist:innen, die uns in einem Onboarding die Wirkweise eines Medikamentes oder einer Therapie erklären. Wenn die finalen Briefings aus der Beratung kommen, frage ich oft viel nach. Ich bin dann bestimmt anstrengend. Aber ich will nicht anfangen ohne alles verstanden zu haben und das ‚On Point‘ in Werbung zu übersetzen. Dann fange ich in einer leeren Präsentation an zu denken.
Was ist das Besondere an PEIX?
Die Menschen. Wir sind radically human. Das ist unser Grundsatz. Wir wollen mit unserer Arbeit Menschen helfen, besser zu leben. Wenn ich es schaffe, dass Menschen sich um ihre Gesundheit kümmern – ein gutes Beispiel ist das Thema Vorsorge –, dann verändere ich etwas. Außerdem unterstützen wir uns als Team, das unterscheidet uns sehr von anderen Unternehmen, insbesondere in der Werbebranche. Uns ist wichtig, wie wir uns verhalten und was wir hinterlassen. Wir spenden beispielsweise jährlich ein Prozent unseres Umsatzes an gemeinnützige und soziale Einrichtungen.
Thema KI: Fluch oder Segen für die Kreativbranche?
In der ersten Sekunde dachten wir, dass sie alles verändern wird. Wir haben gerade einen kompletten Werbespot mit KI erstellt. Aber KI bleibt in unserer Arbeit nur ein Werkzeug unter vielen. Sie ist ein wesentlicher Teil im Arbeitsalltag von Agenturen, insbesondere bei der Recherche. Ich betrachte sie mittlerweile sehr nüchtern als ‚toten Sparringspartner‘. Penicillin hat in meinen Augen die Welt gravierender verändert.
Wenn jemand in einem kreativen Prozess feststeckt, was empfehlen Sie?
Ich habe keine technischen Tipps. Ich weiß selbst nicht, wie ich es mache. Aber es gibt diesen Menschen in jedem Freundeskreis, der immer um Rat gefragt wird – völlig egal, worum es geht. Diese Person gibt es auch in Unternehmen oder Forschungsgruppen. Finden Sie diese Person!
Peggy Mory für Adlershof Journal
