Adlershofer Start-up baut Brücken nach Indien: Indische MINT-Spezialisten für deutschen Mittelstand

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30. August 2017

Adlershofer Start-up baut Brücken nach Indien

Indische MINT-Spezialisten für deutschen Mittelstand

Markus Wiencke

Indienkenner Markus Wiencke

Im Mai 2017 hat Markus Wiencke mit seinem Unternehmen Bluebilities ein Büro im Adlershofer Gründerzentrum (OWZ) bezogen. Sein Ziel: Indische Absolventen der MINT-Fächer – also aus Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik – mit deutschen Unternehmen zusammenzubringen und Kooperationen zwischen Indien und Deutschland aufzubauen.

Indien und Deutschland, da geht doch was, findet der studierte Ethnologe und promovierte Psychologe Markus Wiencke. Als Rucksacktourist war er das erste Mal 1999 dort, als Doktorand zuletzt 2010. „Mich interessiert die Brücke zwischen Deutschland und den Schwellenländern. Indien ist neben China ein Land, das die Welt zukünftig mitprägen wird“, erzählt Wiencke. „Indien fasziniert mich, weil es so vielfältig ist; die verschiedenen Sprachen, die Religionen. Anders als in Afrika ist Indien nicht so stark durch die Europäer geprägt. Einfach spannend.“

Indien zählt 1,3 Milliarden Einwohner, davon die Hälfte unter 25 Jahre. Wiencke fiel auf, dass Deutschland in Indien ziemlich präsent ist. So werden an der Hochschule deutsche Klassiker gelehrt: Kant, Habermas. „Es gibt dort ein positives Bild von Deutschland, und umgekehrt ist das auch so.“ Das sei nicht nur ein kultureller Aspekt.

Besonders wirbt Indien um den deutschen Mittelstand. Deutsche Ingenieurskunst wird dort sehr geschätzt. Deshalb studieren die meisten Inder, die nach Deutschland kommen, IT und Ingenieurswissenschaften. In den letzten Monaten gab es auch Kooperationsgespräche zwischen den Ländern, unter anderem zur Cyber-Politik. Denn Bangalore in Indien gilt als asiatisches Silicon Valley. Deutsche Unternehmen wie Bosch und Siemens gründen Filialen in Indien und benötigen Fachkräfte. „Ihr Problem“, so weiß Markus Wiencke: „Das Qualifikationsniveau im Land ist noch nicht so hoch, wie deutsche Unternehmen das verlangen.“ Hier kommt Bluebilities ins Spiel. Denn auf der anderen Seite werden es nach dem Brexit immer mehr Inder, die in Deutschland studieren. Bevorzugt MINT-Fächer. Fast 14.000 waren es im vergangenen Jahr.

Markus Wiencke wollte schon länger ein eigenes Unternehmen gründen. Die Idee einer Brücke zwischen Indien und Deutschland erschien ihm dafür spannend. Eine Jobbörse für chinesische Absolventen gibt es schon. Für Indien will der Mann mit Firmensitz in Adlershof der Erste sein. Seit wenigen Tagen ist die Website von Bluebilities fertig. Es ist möglich, sich in einer geschlossenen Datenbank zu registrieren. Absolventen auf der einen, Unternehmen und Hochschulen auf der anderen Seite, die dann mit Matching-Prozessen zueinander gebracht werden.

Rechnen soll sich das Ganze über die Vermittlungsprovision, die die Unternehmen bei Erfolg bezahlen sowie monatliche Servicegebühren. Die Firmen sparen im Gegenzug  teure Assessment-Center und die kostenaufwendige Vorauswahl. Bluebilities will sich auch um die sogenannte Blaue Karte EU kümmern, die Asiaten brauchen, um in Europa arbeiten zu können. Wiencke möchte Coaching- und Mentoringprogramme anbieten, Bewerbungsgespräche vorbereiten und die Leute im Unternehmen begleiten. Die Kontakte, die dabei zwischen Hochschulen und Unternehmen geknüpft werden, möchte er nachhaltig nutzen und denkt an langfristige Kooperationen zwischen Unternehmen und Hochschulen. Er freut sich auf seine neue Aufgabe und fühlt sich schon ein bisschen hier in Adlershof zu Hause.

Von Jördis Götz für Adlershof Journal

 

 

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