Aus Staunen wird meteorologische Intelligenz: Adlershofer Start-up MeteoIQ bereitet Wetterprognosen als Entscheidungsgrundlage für die Wirtschaft auf

27. April 2020

Aus Staunen wird meteorologische Intelligenz

Adlershofer Start-up MeteoIQ bereitet Wetterprognosen als Entscheidungsgrundlage für die Wirtschaft auf

MeteoIQ-Gründer © WISTA Management GmbH

Das Wetter im Blick haben die MeteoIQ-Gründer Jan Hoffmann, Evelyn Müller und Dennis Schulze (v. l. n. r.). Bild: © WISTA Management GmbH

Bei MeteoIQ ist der Name Programm: Das Gründertrio hat sich darauf spezialisiert, meteorologische Daten intelligent zu nutzen und für Kunden aus der Versicherungs-, Bau- oder Energiebranche sinnvoll aufzubereiten. Ziel der Adlershofer ist es, wetterbedingte Risiken berechenbarer zu machen.

Der Ursprung dieser Gründergeschichte liegt im Winter 1978/79. Vom Norden her zog ein Blizzard über Deutschland hinweg und ließ Dörfer in meterhohen Schneewehen versinken. Was die Presse als „Sechs-Tage-Krieg gegen den Schnee“ betitelte, löste in Dennis Schulze und Evelyn Müller große Faszination aus. Das Wetter – sonst kaum beachtet – hatte plötzlich das ganze Land im Griff. Beide machten ihre Faszination zu ihrem Beruf.

Ende 2019 machten Schulze und Müller sich selbstständig. Mit Jan Hoffmann, der als Schwarzwälder Bub oft Gewitter beobachtete und später in den USA Tornados jagte, bilden sie seither die Geschäftsführung der Adlershofer MeteoIQ GmbH. „Wir Menschen denken immer, wir hätten alles im Griff. Doch dem ist nicht so“, sagt Müller. Extreme Wetterphänomene und die schleichende Veränderung des Klimas bergen Risiken, für deren Management es meteorologischer Intelligenz und qualitätsgesicherter Wetterprognosen bedürfe. Genau hier setzt MeteoIQ an: Die Gründer wollen das Management von Wetterrisiken effizienter als bisher machen, dafür Wettervorhersagen staatlicher und privater Wetterdienste verifizieren – und Kunden durch Gutachten und Beratung zu genaueren Prognosesystemen, präziser berechneten Versicherungspolicen und nicht zuletzt zu reibungsloserer Schadensregulierung nach Extremwettern verhelfen.

Zwei Jahrzehnte hat das Gründertrio in verschiedenen Karrierestationen meteorologisches Know-how aufgebaut. Basis der Meteorologie sind komplexe physikalische und mathematische Modelle, die heutzutage mit Software visualisiert werden. Wetterdienste berechnen ihre Vorhersagen anhand von Daten eines engmaschigen Netzes von Wetterstationen. Die Gründer kennen sich in den Strukturen bestens aus. Schulze und Müller waren viele Jahre bei dem Unternehmen MeteoGroup tätig – er im Management, sie in der Forschung, der Entwicklung meteorologischer Dienstleistungen und in der Qualitätssicherung. Hoffmann spezialisierte sich im eigenen Unternehmen Geometix darauf, meteorologisches Wissen in Softwaresysteme zu übersetzen: „Die Schwerpunkte lagen auf Wetterradar, Datenvisualisierungen, statistischen Vorhersagen sowie Unwetterwarnsystemen“, berichtet er. Was alle Gründer eint: „Wir wollen die komplizierte Welt der Zahlen und der Physik in verständliche Produkte und Mehrwerte für unsere Kunden übersetzen“, so Müller. Das Spektrum reiche vom Gutachten bis zur „mundgerechten“ Datenaufbereitung für Wetter-Apps.

Zum Angebot des Start-ups zählt die unabhängige Analyse der Vorhersagegüte. Die Gründer liefern ihren Kunden Anhaltspunkte, welcher Wetterdienst mit welcher Kostenstruktur für ihren Bedarf passt. Wenn etwa Energieversorger anhand von Wetterprognosen ihre Produktion steuern, sind sie auf andere Datenumfänge und Prognosegüten angewiesen als Versicherer, die Policen auf Jahre hinaus kalkulieren und so viel wie möglich über Wetterrisiken und Schadenswahrscheinlichkeiten in Erfahrung bringen wollen. Die Gründer machen Qualität messbar und verschaffen ihren Kunden Zugriff auf historische Wetterdaten. Zudem sind sie in der Lage, beispielsweise nach Stürmen oder Hagel adressgenau zu klären, wo es tatsächlich Schäden gab. „In der Regel folgt Hagel einer sehr schmalen Zugbahn, deren Verlauf präzise nachvollziehbar ist“, erklärt Müller. Liegt Versicherern dazu ein exakter Befund vor, können sie Schadenmeldungen schneller – und in vielen Fällen sogar automatisiert verarbeiten.

„Verifikation ist in verschiedener Hinsicht wichtig und gefragt“, erklärt Schulze. MeteoIQ habe dafür das nötige Know-how und zudem den Vorteil, nicht bei null anzufangen. Weil der frühere Arbeitgeber MeteoGroup ihre Nische nicht bedient, konnten die Gründer einen festen Stamm aus deren Kunden übernehmen und haben Zugriff auf Software und auf Daten von dessen fast 900 professionellen Messstationen. „Wir starten bei 90 km/h und wollen schnell auf die Überholspur wechseln“, sagt er. Gerade mit Blick auf den Klimawandel und damit einhergehende Risiken im medizinischen und biologischen Bereich sei MeteoIQ offen für Partnerschaften, um Know-how verschiedener Disziplinen zu vereinen. Adlershof – da sind die Gründer zuversichtlich – sei auch unter dem Vernetzungsaspekt ein guter Standort.

Von Peter Trechow für Adlershof Journal

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