Der Nachwuchsförderer: Chemiker Guido Heinrich beurteilt Medikamente und Jungforscher

28. April 2020

Der Nachwuchsförderer

Chemiker Guido Heinrich beurteilt Medikamente und Jungforscher

Guido Heinrich, Berlin-Chemie AG © WISTA Management GmbH

Chemiker Guido Heinrich in der Berlin-Chemie AG. Bild: © WISTA Management GmbH

Manches prägt sich ein. Das Test-Kit zum Nachweis von Blut in Lebensmitteln etwa. Wie können Vegetarier sicher sein, dass sie tatsächlich kein Fleisch auf dem Teller haben? So lautete die Ausgangsfrage. Eine Gruppe junger Mädchen fand die Lösung. „Das war patentwürdig“, sagt Guido Heinrich: „Ich bin oft begeistert über den Einfallsreichtum junger Forscher.“

Seit 2003 widmet der heute 57-jährige promovierte Chemiker einen Teil seiner Freizeit dem wissenschaftlichen Nachwuchs, als einer von drei Juroren aus seinem Fachbereich für „Jugend forscht“, was ihm alljährlich einen festen Termin im Technologiepark Adlershof beschert. Immer im Februar, wenn im Bunsen-Saal an der Volmerstraße die Jugendlichen beim Regionalwettbewerb Berlin Süd ihre Projekte dem kritischen Auge präsentieren.

Sein Berufsleben verbringt Heinrich jenseits des Adlergestells. In einem Unternehmen der Pharmabranche, das in Adlershof bereits bestand, als der heutige Technologiepark in unabsehbarer Zukunft lag. Die Berlin-Chemie AG am Glienicker Weg geht auf die 1890 am selben Standort gegründete Firma Kahlbaum Laborpräparate zurück, die seither fünf politische Systeme sowie etliche Namens- und Eigentümerwechsel überdauerte.

Von 1927 an gehörte sie zum Schering-Konzern, hieß seit 1949 „VEB Schering“ und seit 1956 „VEB Berlin-Chemie“. Wichtigster Umsatzbringer war und ist Insulin, die lebensrettende Substanz für Diabetiker. „Wir waren das einzige Unternehmen in der DDR, das immer schwarze Zahlen schrieb“, sagt Heinrich: „Wir haben den gesamten Ostblock mit Insulin beliefert.“

Guido Heinrich stammt aus Berlin-Friedrichshain. Nach dem Chemiestudium in Merseburg ging er als Kontrollingenieur für Schweißelektroden zum Kabelwerk Oberspree in Schöneweide. Zwei Jahre später wechselte er zum damaligen VEB Berlin-Chemie, erlebte dort die Wende und die Privatisierung des Unternehmens, das 1992 vom größten Pharmahersteller Italiens, der Menarini Group, übernommen wurde. Die Produktpalette umfasst mittlerweile auch Herz-Kreislauf-Medikamente; an Krebstherapien wird geforscht.

Seit 1998 verantwortet Heinrich als Teamleiter die Stabilitätstestung an innovativen Medikamenten: „Man prüft, wie lange ein Präparat lagern kann, welche Darreichungsformen, Tabletten, Infusionslösungen, wie lange verträglich sind.“ Die Corona-Krise hat seinen Berufsalltag zunächst nicht aus dem Rhythmus gebracht: „Ich sitze noch im Büro. Wie gehabt.“ Als Pharmabetrieb sei Berlin-Chemie schließlich Teil der „kritischen Infrastruktur“. Geriete auch noch die Versorgung mit Diabetes- oder Herz-Kreislauf-Medikamenten ins Stocken, würde das doch „die Bevölkerung doppelt treffen“, meint Heinrich.

Zur Arbeit fährt er aus Überzeugung mit dem Rad, jeden Morgen siebeneinhalb Kilometer von Mahlsdorf nach Adlershof, abends dieselbe Strecke zurück.

Was seine ehrenamtlichen Aktivitäten betrifft: Die sind mit dem Stichwort „Jugend forscht“ noch nicht erschöpfend beschrieben. Heinrich ist Landesgruppenchef im Verband Angestellter Akademiker (VAA), zuständig für 2.500 Mitglieder in den Bundesländern, und Mitorganisator eines kirchlichen Obdachlosencafés. Privat hantiert er auch gern mit Hammer und Hobel. Einen Esstisch für seine Tochter hat er unter anderem gefertigt.

Von Winfried Dolderer für Adlershof Journal

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