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02. November 2026

Der Proteinmacher

Bernd Haases Firma liefert hochreine Enzyme für die molekulare Diagnostik

Bernd Haase in einem Labor
Feierte kürzlich 15-Jähriges seiner biotechrabbit: Geschäftsführer Bernd Haase © WISTA Management GmbH

Was unter Wertschöpfung zu verstehen ist, dafür weiß Bernd Haase die denkbar einfachste Formel: „Etwas Neues schaffen.“ Das treibt ihn an. Am Anfang Wasser, Zucker, Salz, Hefeextrakt, am Ende hochreine Proteine, in Haases Adlershofer Unternehmen ist das Produktionsalltag: „Die Ausgangsstoffe sind einfach, die Technologie dahinter ist äußerst komplex.“

In einem sorgfältig zusammengestellten Nährmedium wachsen speziell ausgewählte E.-coli-Laborstämme. Durch kontrollierte Fermentation bringen diese Bakterien komplexe Proteine hervor, die in aufwendigen Verfahren isoliert und gereinigt werden. Jede Bakterienzelle enthält Tausende Proteine. Das gewünschte Enzym gezielt herauszulösen, von anderen Zellbestandteilen zu trennen und in gleichbleibender Qualität herzustellen: „Das können nicht so viele weltweit“, sagt Haase.

Seit fünfzehn Jahren beliefert seine biotechrabbit GmbH Pharmafirmen und medizinische Labore mit Spezialproteinen, wie sie für molekular­diagnostische und genetische Tests gebraucht werden. Das Portfolio umfasst mittlerweile 350 Produkte. Vor fünfzehn Jahren lag der Anteil molekular­biologischer Tests am weltweiten Diagnostikmarkt bei nur sechs Prozent, obwohl gerade diese Methode die genauesten Ergebnisse liefert. Aus dieser Beobachtung entstand die Ausgangsidee. Haase sah brachliegende Wachstumschancen.

Als er 2011 mit biotechrabbit an den Start ging, war der gebürtige Niedersachse 47 Jahre alt und blickte bereits auf eine Managerkarriere zurück. Nach dem Studium der Biochemie und Promotion war er Anfang 1996 aus der Wissenschaft in die Industrie gewechselt. Fünf Jahre später, längst in verantwortlicher Position, absolvierte er an einer Privatuniversität im US-Bundesstaat Indiana ein betriebswirtschaftliches Aufbaustudium (Executive MBA).

Das hieß: Sechsmal in 20 Monaten über den Atlantik für ein zweiwöchiges Seminar mit anschließender Klausur. Dazwischen reichlich Hausaufgaben, bis zu 300 Lektüreseiten in der Woche: „Das war kein Zuckerschlecken.“ Haases Unternehmungsgeist war durch die jahrelange Tätigkeit in Spitzenpositionen international führender Unternehmen der Biotechbranche auf die Dauer nicht zufriedenzustellen: „Ich wollte mich selbstständig machen. Ich bin völlig ins kalte Wasser gesprungen.“

Der Anfang mit dreiköpfigem Team, einem Labor und kleinem Büroraum in Hennigsdorf war bescheiden. Vier Jahre nach der Gründung zog die Firma nach Adlershof, wo sie nach Haases Worten „bessere Wachstumsmöglichkeiten“ fand.

Im Biotechnologiezentrum belegt sie mit Laboren, Büros und mittlerweile 45 Mitarbeitenden auf zwei Etagen rund 2.000 Quadratmeter. Seit 2022 ist sie mit einer Niederlassung in Schanghai vertreten. Eine Filiale in den USA zählt zu den Möglichkeiten – von Donald Trumps Gebaren im Umgang mit Europa lässt sich Haase nicht schrecken.

Der Berliner Südosten ist mittlerweile auch sein privater Lebensmittelpunkt. Er wohnt in Köpenick, schätzt als Wassersportler die seen- und waldreiche Gegend. Er ist hier gerne mit dem Fahrrad unterwegs: Müggelsee, Dahme, die Fähre, das Strandbad – „eine tolle Strecke“.

Bleibt die Frage: Wieso biotechrabbit? Was hat das Kaninchen im Firmennamen verloren? Nun ja, Kaninchen und Hasen sehen einander zum Verwechseln ähnlich. Der Gründer heißt Haase. Im Firmenlogo springt das langohrige Wappentier graziös über einen Schriftzug. Der Kundschaft gefällt’s: „Auf Messen sprechen uns die Leute darauf an.“ Abgesehen davon: „Eine Firma kann schließlich auch Apple heißen …“

Dr. Winfried Dolderer für Adlershof Journal

 

biotechrabbit | leap and lead

Adlershof Journal Biotechnologie / Umwelt Portrait

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