Diagnose: Erschöpfung: Adlershofer JPT Peptide Technologies und Charité entwickeln Biomarker-Test

15. April 2013

Diagnose: Erschöpfung

Adlershofer JPT Peptide Technologies und Charité entwickeln Biomarker-Test

Bild: © Adlershof Special

Wie eine nie enden wollende Grippe beschreiben betroffene Patienten ihre rätselhafte Krankheit. Bild: © Adlershof Special

Rund 300.000 Menschen leiden in Deutschland am Chronischen Erschöpfungssyndrom. Vermutlich. Bislang ist die Diagnose schwierig. Das kann sich möglicherweise ändern, denn jetzt wird ein Biomarker-Test entwickelt.

Es beginnt oft mit lähmender Müdigkeit, dann kommen Fieber, Muskel- und Gelenkschmerzen dazu. Wie eine nie enden wollende Grippe beschreiben betroffenen Patienten ihre rätselhafte Krankheit, die von Medizinern als Chronisches Erschöpfungssyndrom (Chronic Fatigue Syndrome, CFS) bezeichnet wird. Doch mit harmloser Erschöpfung wie nach der morgendlichen Joggingrunde hat diese ernste Krankheit nichts zu tun. Für Ärzte ist es schwierig, CFS von Krankheitsbildern wie Depression oder Burn-Out zu unterscheiden, und die Patienten werden oft nicht ernst genommen. Denn bislang ist weder die Ursache bekannt, noch gibt es einen Test, der CFS zweifelsfrei diagnostizieren könne. Das soll sich jetzt ändern: In Zusammenarbeit mit CFS-Experten der Berliner Universitätsklinik Charité sucht die Adlershofer JPT Peptide Technologies GmbH im Blut von CFS-Patienten nach Biomarkern, die charakteristisch für die Erkrankung sind.

Ein solcher Test ist dringend nötig. Denn ohne sichere Diagnose werden viele Patienten falsch behandelt. Auch die Suche nach der Ursache der CFS bleibt ohne Test schwierig. Als möglicher Auslöser gelten Infektionen. Doch die Erreger sind unbekannt.

Die CFS-Expertin Carmen Scheibenbogen vom Institut für Medizinische Immunologie der Charité erforscht unter anderem das Epstein-Barr-Virus als möglichen Auslöser. „Die Charité hat Anhaltspunkte, dass bestimmte Bakterien oder Viren für CFS verantwortlich oder zumindest charakteristisch für das fehlgeleitete Immunsystem sein könnten“, sagt Ulf Reimer, Forschungs- und Entwicklungschef bei JPT. Deshalb sucht JPT im Blut von CFS-Patienten vor allem nach Proteinstücken (Peptiden), die von infektiösen Mikroorganismen stammen.

In einer Pilotstudie mit 31 CFS-Patienten fand das JPT-Charité-Team bereits Hinweise darauf, dass sich im Blut von CFS-Patienten charakteristische Peptide finden lassen, die eine sichere Diagnose ermöglichen können. Mit Unterstützung von ProFIT, dem Förderprogramm der Investitionsbank Berlin, und dem Fonds für regionale Entwicklung der Europäischen Union (EFRE), soll nun das Blut einer größeren Kohorte von Patienten auf Biomarker durchforstet werden. „Wir müssen ausreichend viele Patienten untersuchen, damit man Gruppen von Patienten mit ähnlichen physiologischen Ursachen und Biomarkern identifizieren kann“, sagt Reimer.

Dazu fixiert JPT unzählige Peptide auf einer Art Objektträger, einem Microarray. Die Peptide stammen unter anderem von Bakterien und Viren, die im Verdacht stehen, Einfluss auf den Krankheitsverlauf von CFS zu haben. „Der Array wird dann mit dem verdünnten Blutserum der Patienten inkubiert“, sagt Reimer. Der Computer ermittelt am Ende, welche Peptide typisch für alle CFS-Patienten sind. Die Chancen für einen Erfolg, einen CFS-Bluttest, stehen nicht schlecht – Biomarker für HIV-Infektion, Autoimmunerkrankungen und Krebs hat JPT so bereits identifiziert.

Von Sascha Karberg für Adlershof Special

www.jpt.com

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