Die Kluft der Beschwörer: League of Legends 2015 im Studio Berlin

02. März 2015

Die Kluft der Beschwörer

League of Legends 2015 im Studio Berlin

E-Sport im Studio K in Adlershof: Die europäische League of Legends Championship Series. Bild: © Adlershof Journal

E-Sport im Studio K in Adlershof: Die europäische League of Legends Championship Series. Bild: © Adlershof Journal

Baron Nasher ist ein ekliger Wurm, der beträchtlichen Schaden anrichten kann. Düsterwölfe, Kruggs, Gromps und natürlich Drachen leben im Dschungel. Ein Carry ist ein Champion, der im Early schwach ist und durch Feed und/oder Farm im Mid dann im Late sehr stark wird und das Game drehen kann. Nichts verstanden? Dann herzlich willkommen in der „League of Legends”. Es ist kein ganz einfaches Spiel. Dennoch sind Hunderte an diesem kalten, dunklen Februarabend in das Studio K in Adlershof gekommen, um die Elite des Online-Spiels bei ihren Duellen zu sehen und anzufeuern. Hunderttausende schauen über das Internet zu.

Das Studio ist bonbonfarben. Vier Pulte in Rot, vier in Blau. Gleich kommt wohl Kai Pflaume und begrüßt die Gäste seiner Quizshow oder die neue Voice of Germany singt sich in unsere Herzen. Aber dagegen sprechen der riesige Bildschirm in der Mitte des Sets und die martialischen Symbole über den Spielpulten, wie die Raubkatze oder scharfkantige Sterne. Und natürlich das Publikum. Denn während Quizshows das gesetztere Publikum anziehen, Castingshows vorwiegend junge Mädchen begeistern, sitzen hier  – wie kann es anders sein – zu 95 Prozent Jungs und junge Männer, kaum älter als 25 Jahre, die meisten deutlich darunter. Sie sind gekommen, um ihren Idolen der „League of Legends”-Elite zu huldigen. Und sie kommen von weit her.

An den Pulten sitzen „Freddy122”, der eigentlich Simon Payne heißt, aus Großbritannien kommt, und der Deutsche „Nrated“, mit bürgerlichem Namen Christoph Seitz. Und dann ist da noch der Grieche Konstantinos Tzortziou mit dem unaussprechlichen Kampfnamen „Forg1venGRE”, was wohl übersetzt „griechische Vergebung“ heißen soll. Vergebung, die er an diesem Abend in seinen Spielen gegenüber dem Gegner nicht aufbringt. So international wie die Teams, zum Beispiel das von SK Gaming, zu dem die genannten Spieler gehören, ist auch die Besucherschar. Die vorwiegend vernehmbare Sprache ist Englisch, in der auch das Geschehen auf dem Spielfeld – „der Kluft der Beschwörer“ – kommentiert wird.

Täglich sechs bis acht Stunden Training

Morten ist Student und extra aus Kopenhagen angereist. Fünf Stunden am Tag zu spielen, schaffe er auch, aber nur am Wochenende. Unter der Woche sind es ein bis zwei Stunden. Ganz im Gegensatz zu den Profis, die täglich sechs bis acht Stunden trainieren. Inzwischen, sagt Morten, verdienen die Besten damit eine Menge Geld. Denn SK Gaming, die heute gegen die Kämpfer von H2K antreten, ist ein Spitzenteam. Das liegt auch an dem enormen Aufwand, den die Spitzenteams heute betreiben. Sie beschäftigen Trainer und Co-Trainer, Sportpsychologen, Physiotherapeuten und sogar Ernährungsberater. Der Aufwand hat sich gelohnt, denn das SK-Team ist nominiert als wertvollstes E-Sports-Team bei den im Frühjahr stattfindenden South by Southwest Gaming Awards, einer Veranstaltung, die Festivals, Konferenzen und Fachausstellungen in den Bereichen Music, Film and Interactive vereint.

Strategisches Denken, blitzschnelle Reflexe und koordiniertes Teamspiel

„League of Legends” ist ein Multiplayer-Online-Battle-Arena-Spiel (Moba), bei dem zwei Teams mit je fünf Spielern in einer virtuellen Arena – dem Dschungel – kämpfen. Ziel ist es, die gegnerische Basis – den Nexus – zu zerstören. Wie schon gesagt, es nicht das einfachste Spiel. Erfahrene Spieler dulden ungeübte Neulinge nur widerwillig oder gar nicht. Und es gibt eine Menge zu lernen. Mehr als 120 Charaktere – sogenannte Champions, alle mit diversen unterschiedlichen Stärken und Schwächen und eine Unmenge an Spielstrategien, die wohl keiner je vollständig durchschaut. Strategisches Denken, blitzschnelle Reflexe und koordiniertes Teamspiel sind gefragt, um den Gegner sowohl in kleinen Gefechten als auch in erbitterten 5-gegen-5-Kämpfen zu besiegen. Die Kluft der Beschwörer ist das Spielfeld, die typische Standardkarte des Schlachtfeldes, auf dem die Kämpfe ausgetragen werden.

Monatlich fast 30 Millionen Spieler

Anfang des Jahres veranstaltete Riot Games, die das Spiel entwickelt hat, in den Studios in Berlin Adlershof die europäische Ausgabe ihrer beliebten E-Sport-Liga, der League of Legends Championship Series (LCS). Die LCS besteht aus zwei voneinander getrennten Ligen, eine in Europa und eine in Nordamerika. In der europäischen Ausgabe der League müssen zehn Mannschaften zeigen, dass sie ihren Platz unter den besten europäischen Teams verdient haben, und taktische Finesse und Fähigkeiten auf der Bühne in Adlershof beweisen. Und wie bei großen Meisterschaften anderer Sportarten sind auch hier Kommentatoren und Analystenteams vor Ort, denn das ganze wird im Internet gestreamt. Etwa 400.000 Fans schauen allein über eine englische Streaming-Plattform zu. Und selbst Kommentatoren und Analysten haben seltsame Namen: Trevor „Quickshot” Henry oder  Maurice „Amazing” Stückenschneider. Die Popularität der „League of Legends” als ein professioneller E-Sport ist in den vergangenen Jahren enorm gewachsen. Während der Weltmeisterschaften  2014 haben Millionen Fans die Übertragungen per Livestream im Internet verfolgt. Monatlich spielen fast 30 Millionen Menschen. Im Verhältnis dazu wirken die zwölf Millionen Kombattanten, die das langjährige Aushängeschild der PC-Spielewelt – „World of Warcraft“ – zu seinen besten Zeiten verzeichnete, bescheiden. Alle sogenannten „Call of Duty“-Spiele zusammen brachten 2011 etwa 40 Millionen Menschen monatlich vor die Monitore.

Von Rico Bigelmann für Adlershof Journal

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