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30. Juni 2014

Die Spare-Rips-Idee

Das Start-up Chromicent in Adlershof findet neue Konzepte für Entwicklung und Qualitätskontrolle von Arzneimitteln

Das Chromicent-Gründer-Duo. Bild: © Adlershof Journal
Am Lagerfeuer kam die zündende Idee. Alexander H. Schmidt und Mijo Stanic erholten sich bei Spare Rips und Bier vom Kongressvortrag in USA und spielten mal wieder die Sache durch, mit der sie seit Monaten liebäugelten. Den Sprung ins kalte Wasser der Selbstständigkeit wagten sie damals noch nicht, doch die beiden Chemiker beschlossen, so zu tun „als ob“. Das bedeutete: Gründerkurse besuchen, Bedarf ermitteln, Finanzierung checken. Komplexe Aufgaben zu lösen, waren sie als Führungskräfte eines Berliner Arzneimittelherstellers gewohnt. Schmidt war für Qualitätskontrolle, Stanic für analytische Entwicklung zuständig.

Seit März im IGZ

Heute sind sie Geschäftsführer der Ende 2013 gegründeten Chromicent GmbH. Anfang März ist das Unternehmen ins Adlershofer Innovations- und GründerZentrum (IGZ) gezogen. In den Räumen riecht es nach frischer Farbe, Flüssigchromatografen werden startklar gemacht. Einige Lücken für neue Geräte gibt es noch, doch gemessen wird schon. Die Zahl von derzeit fünf Mitarbeitern soll sich bis Jahresende verdoppeln. Auch Schulungen werden bereits durchgeführt, wie der Blick in den bestens ausgestatteten Seminarraum beweist. Das Unternehmen erarbeitet kundenspezifische „Quality by Design“-Ansätze, die – von Anfang an in den Herstellungsprozess integriert – zu mehr Effizienz und Umweltfreundlichkeit führen sollen. Dabei werden auch der Gehalt und die Reinheit von Arzneimitteln untersucht. Wie schnell wird die Wirksubstanz freigesetzt? Das Dienstleistungsangebot umfasst zudem Consulting, Training und Auditierung.

Rückstandsnachweis im Femtogrammbereich

Qualitätskontrolle ist im Pharmabereich elementar, Analysemethoden und Ergebnisse müssen für die Zulassung dokumentiert werden. „Nicht selten werden Entwicklungen ins Ausland ausgelagert“, sagt Schmidt. Die Analysen etwa in Indien seien vielleicht billiger als hierzulande, aber nicht unbedingt erstklassig. Werde es nun nötig, mit feineren Methoden nach bestimmten Substanzen zu suchen, könne ein neuer Zulassungsprozess erforderlich werden. „Das ist aufwendig und teuer“, sagt Schmidt. Warum also nicht gleich die nagelneuen Analysegeräte in Adlershof benutzen, die schnelle und äußerst exakte Ergebnisse liefern? Wie genau, das erklärt Stanic (36): „Werfen Sie eine Tablette in den Bodensee und rühren um, dann können wir die Rückstände in jedem Tropfen Wasser nachweisen.“ Es handle sich um Mengen von Femtogramm, das sind 14 Nullen nach dem Komma oder ein Millionstel eines Milliardstel Gramm. Dass die Jungunternehmer sich das zutrauen, liegt nicht zuletzt daran, dass sie es gewohnt sind, dicke Bretter zu bohren. So war es schon im alten Job, wo sie sich als Troubleshooter bewährten. „Für uns gab es keine Probleme, nur Herausforderungen“, sagt Schmidt. „Wenn sich die anderen die Zähne ausgebissen haben, fing für uns der Spaß erst an“, ergänzt Stanic.

Motivierende Atmosphäre

Als Folge des nächtlichen Barbecue-Vorsatzes klapperten die beiden Start-up-Willigen damals die in Frage kommenden Standorte ab. „Wir stießen überall auf offene Ohren“, erzählt Stanic. In Adlershof saßen sie schon binnen einer Woche mit den maßgeblichen Leuten zusammen. Die Atmosphäre sei sehr motivierend gewesen, sagt Schmidt. „Wir gehen jetzt doch nicht den ganzen Leitzordner durch“, habe es geheißen, als die Gründer den detaillierten Businessplan präsentieren wollten. „Warum nicht gleich in Adlershof anfangen“, fragten sie sich und setzten den Vorsatz schnell um. Den Namen der Firma fanden sie auf einer Zugfahrt von Washington nach Philadelphia, als sie Fachwörter durcheinander würfelten, die die Idee treffen. Dabei kam Chromatographie Innovation Center heraus – kurz Chromicent. Von Paul Janositz für Adlershof Journal www.chromicent.de

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