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10. November 2022

Expo – Luftschiff – Tiny House

MOC Simulation geht neue Wege

Liebt die Herausforderung: Markus Lankes entwickelt Simulatoren © WISTA Management GmbH

Piloten lernen hier das Fliegen; Lokführerinnen verfeinern ihr Geschick, zig hundert Tonnen Stahl sicher über die Schienen zu steuern, und Besuchende eines Freizeitparks erleben die ungewöhnlichsten Situationen hautnah – die Rede ist von Simulatoren. Das sind gewiefte Konstruktionen, die Bewegungen täuschend echt nachahmen und auf Bildschirmen die Realität nachbilden. Sie zu entwickeln, hat sich Markus Lankes mit seiner Firma MOC Simulation Services zur Lebensaufgabe gemacht.

„Wir leben jeden einzelnen Tag Wagniskultur“, sagt der Gründer und Chef Innovation Officer. „Zu uns kommen große Unternehmen, die wegen ihrer Qualitätskultur nicht mehr so wagnisfreudig sein können, sondern Lösungen benötigen. Denn Prototypen lassen sich selten nach festgelegten Protokollen entwickeln.“ Auf welche Herausforderungen er dabei alles treffen kann, weiß der gelernte Handwerker nur zu genau. Denn Simulatoren begleiten ihn schon beinah sein halbes Leben. „Wenn man seit 30 Jahren nichts anderes tut, dann gibt es wenige Situationen, die einen aus der Bahn werfen. Deshalb entwickeln wir auch in sehr kurzer Zeit. Wenn andere zwei Jahre für Planung und Entwicklung ansetzen, machen wir das in einem halben.“

Seinen ersten geschäftlichen Kontakt mit Simulatoren hatte der gebürtige Bayer Anfang der 1990er Jahre. Damals entschloss er sich, vier davon als Besucherattraktion zu betreiben. Zum Beispiel für Audi Racing DTM oder für das Deutsche Museum in München.

„Irgendwann kam ein Architekt und fragte, ob ich ihm einen Simulator für den Deutschen Pavillon für die Weltausstellung Expo 98 in Lissabon vermieten kann“, erinnert sich Markus Lankes. „Ich habe mir dann das Ganze angesehen und gesagt: Das wird so nicht wirklich funktionieren. Wir müssten was ganz Besonderes, speziell für euch bauen.“ Wenig später stand sein Entwurf. Der damalige Einmann-Unternehmer trommelte ein Team zusammen und fand andere Firmen, die ihn unterstützten. „Wir haben wirklich innerhalb von acht Monaten den damals weltgrößten Simulator gebaut. Geräumig wie ein Kinosaal, für 80 Personen, mit einem Rollstuhlplatz und natürlich mit Bewegungssystem. Es gab eine neun Stunden lange Warteschlange. Der Deutsche Pavillon galt als die Besucherattraktion.“

Später schwenkte er von der Freizeitsimulation zur Industrieanwendung und kam nach Berlin. Sein erstes Werk hier war der Luftschiffsimulator in der Biosphäre Potsdam. Nun war es Zeit, die MOC Simulation Services in Adlershof zu gründen. „Wir arbeiten bisher vor allem für große, internationale Unternehmen, für die wir Erstmuster für Fahr- und Flugsimulatoren bauen“, sagt Markus Lankes. „Da kommt zum Beispiel die Anfrage, einen Simulator für medizinische Besatzungen von Rettungshubschraubern zu entwickeln.“ Sein Team baut dann den Prototypen, manchmal noch eine verbesserte Version und eventuell auch den Serie-0-Typ. Anschließend übernehmen die Auftraggebenden die Serienproduktion. „Unser Schwerpunkt liegt bisher in der Mechanik“, erzählt er. „Was wir bauen, nennen wir immer das Mutterschiff. Aber nicht zuletzt durch Corona fangen wir nun auch an, das Gesamtsystem anzubieten. Also auch die Softwarekomponenten zuzukaufen und zu integrieren.“ So entsteht in den Hallen in Adlershof gerade ein Flugtaxisimulator, den das Unternehmen bald eigenständig als Produkt vermarkten will.

„Wir gehen unheimlich viele neue Wege“, sagt Markus Lankes. „Für unsere Simulatoren sind wir viel auf Flugzeugschrottplätzen unterwegs, lassen zum Beispiel ein Cockpit abschneiden und bauen darauf einen Flugsimulator für die Ausbildung an Simulatoren auf. Bei einem der letzten Besuche sind wir auf die Idee gekommen, auch aus dem Rest des Flugzeuges noch etwas Sinnvolles zu machen.“ Nicht als Simulator, sondern als nachhaltiges Projekt, zum Wohnen oder Arbeiten. Als Tiny House oder Tiny Office sollen die alten Flugzeugrümpfe schon im kommenden Jahr erneut mit Leben gefüllt werden. Markus Lankes ist sich sicher: „Mit einer Idee, der richtigen Zeit dafür und ein wenig glücklichem Zufall ist sehr viel möglich.“  

Kai Dürfeld für Adlershof Journal

 

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