Geheimrezept für Silberleiter: Start-up Nano-Join entwickelt maßgeschneiderte Silbersinterpasten zur Leistungs­steigerung von Lasern und Leistungselektroniken

07. Januar 2020

Geheimrezept für Silberleiter

Start-up Nano-Join entwickelt maßgeschneiderte Silbersinterpasten zur Leistungs­steigerung von Lasern und Leistungselektroniken

Nano-Join Gründer in Adlershof © WISTA Management GmbH

Nano-Join-Gründer Battist Rábay (l.) und Adrian Stelzer entwickeln Silbersinterpasten in Adlershof © WISTA Management GmbH

Leistungssteigerungen von Lasern, Leistungselektroniken und vielen weiteren (opto-)elektronischen Systemen dürfen in der Regel keinen zusätzlichen Bauraum beanspruchen. Doch je höher die Leistungsdichte, desto eher drohen die Systeme zu überhitzen. Effiziente Wärmeabfuhr ist gefragt. Die Gründer der Adlershofer Nano-Join GmbH haben dafür eine Lösung gefunden: maßgeschneiderte Silbersinterpasten.

Adrian Stelzer und Battist Rábay sind Adlershof-Rückkehrer. Beide haben hier vor 20 Jahren Chemie studiert und später promoviert. „Damals gab es mehr Baulücken als Gebäude“, erinnern sie sich. Im Studium freundeten sie sich an, sprachen über ihre Zukunft und stellten fest, lieber ein eigenes Unternehmen zu führen, als angestellt zu arbeiten.

Seit Anfang 2019 arbeiten sie wieder in Adlershof. In den einstigen Baulücken ist ein modernes und quirliges Wissenschaftsquartier herangewachsen, in dem auch ihr Traum vom eigenen Unternehmen eine Heimat gefunden hat. Rábay und Stelzer sind Geschäftsführer des 2015 gegründeten Start-ups Nano-Join. „Wir entwickeln neuartige Silbersinterpasten. Dank ihres Silbergehalts von bis zu 95 Prozent sind sie bisher verfügbaren Lotpasten in ihrer Wärmeleitfähigkeit, in ihrem elektrischen Widerstand und ihrer Scherfestigkeit um ein Zehn- bis Zwanzigfaches überlegen“, berichtet Stelzer.

Damit bietet Nano-Join ein Produkt, das viele Branchen händeringend suchen. Denn ob Laser oder andere photonische Systeme, ob Leistungselektronik für die Elektromobilität und erneuerbare Energien oder mobile Computer und Consumer-Elektronik: Hersteller stehen vor einem Problem: Sie müssen ihre Produkte im Sinne hoher Lebensdauer und Gerätesicherheit vor Überhitzung schützen, aber zugleich immer mehr Leistung in immer engerem Bauraum realisieren. Wärmeabfuhr wird zur zentralen Herausforderung. Keinesfalls dürfen die µm-dünnen Verbindungsschichten zwischen den Hochleistungsbauteilen isolierend wirken.

Chemiker der Technischen Universität Berlin (TU) hatten den steigenden Bedarf an leitfähigen Elektronikverbindungen früh erkannt. Seit über einem Jahrzehnt treiben sie die Entwicklung von Silbersinterpasten voran, u. a. in Förderprojekten mit der Industrie. Zugleich suchten sie Mitstreiter für eine Ausgründung. Rábay war interessiert, holte Stelzer mit ins Boot und nahm die Gründung in Angriff. Eine EXIST-Förderung sicherte sie anfangs finanziell ab. Für ihre Forschungen bezogen sie Laborcontainer des INKULAB-Programms von TU und der WISTA Management GmbH (WISTA) mit finanzieller Unterstützung der Berliner Wirtschaft durch die IHK.

Mittlerweile haben die Gründer eine besonders stabile Rezeptur entwickelt, in der Silbersalze dafür sorgen, dass sich die Silberpartikel und Lösungsmittel ihrer Sinterpasten nicht mehr entmischen; ein Manko, das in der Verarbeitung bisheriger Lote Probleme verursachte. Rábay hebt einen weiteren Erfolgsfaktor hervor: „Wir legen großes Gewicht auf den Support und stehen unseren Kunden beim Troubleshooting in ihren Projekten mit unserem Wissen zur Seite.“ Die Gründer lernen dabei, worauf es in konkreten Industrieanwendungen ankommt, und können ihr Produktangebot auf dieser Basis gezielt erweitern und optimieren.

Im Innovations- und Gründunsgszentrum (IGZ) in der Rudower Chaussee bauen sie Nano-Join derzeit auf. Noch reichen die dortigen Laborräume für die Produktion. Von ihrem kleinen Büro aus halten sie Kontakt zu Kunden aus vielen europäischen und asiatischen Ländern, darunter namhafte Hersteller von Leistungselektroniken. Nur einer von mehreren Zukunftsmärkten, in denen Nano-Join künftig wachsen möchte. „Wir sind in der Lage, unsere Produktion bei Bedarf jederzeit zu skalieren“, erklärt Stelzer. Geldgeber suchen sie dafür vorerst nicht. „Wir waren anfangs sehr darauf fokussiert, einen Investor zu finden“, berichten die Gründer. Doch statt viel Kraft auf das Überzeugen von Geldgebern zu verwenden, beschlossen sie, erst einmal Kunden von ihren Produkten zu überzeugen.

Die Strategie geht auf; auch weil ein Business Angel sie mit Rat und Kontakten unterstützt. „Sollte die Nachfrage demnächst abheben, dann können wir auf unseren Kundenstamm und Auftragszuwachs verweisen. Das sind mit Sicherheit gute Argumente, um bei Bedarf Wachstumskapital einzuwerben“, sind die Alt- und Neuadlershofer überzeugt. Bis dahin soll ihre Nano-Join GmbH so lange wie möglich organisch wachsen.

Von Peter Trechow für Adlershof Journal

 

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