Gewitterstürme und der tote Schall: EVE-Lautsprecher für Klangästheten

30. Juni 2014

Gewitterstürme und der tote Schall

EVE-Lautsprecher für Klangästheten

Lautsprecherprofi Roland Stenz. Bild: © Adlershof Journal

Lautsprecherprofi Roland Stenz. Bild: © Adlershof Journal

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Für klaustrophobische Menschen ist dieser Raum in der Adlershofer Medienstadt ein Albtraum, eine Kammer des Schreckens aus einer Edgar-Allen-Poe-Novelle. Kein Ton dringt hinein, keiner heraus. „Das ist der Sinn dieses Raumes“, sagt Roland Stenz. In diesem Raum gibt es nahezu keinen Hall. Perfekte Bedingungen für Stenz, um seine Lautsprecherboxen zu testen. Deren Klang begeistert Musikliebhaber auch an den exotischsten Enden der Welt.

Freifeldbedingungen im reflektionsarmen Raum

Neun mal neun mal neun Meter. Versteckt hinter einer Stahltür, die auf Schienen eine Öffnung in ein dunkles Loch freigibt. Ihre Innenseite ist verkleidet mit mehr als einem Meter schallschluckender Materialien. Im Inneren des Raumes, an allen Wänden, hängen vom Boden bis zur Decke dicke Stofflamellen. Von oben ragen 150 Zentimeter lange Schaumstoffzapfen in ihn hinab. Dieselben Zapfen stacheln unter einem Drahtgeflecht, das als Boden dient, in derselben Länge empor. In diesem Raum stirbt der Schall. Es ist der sogenannte „reflektionsarme Raum“ und einer der wichtigsten Arbeitsorte für Roland Stenz.

„Hier herrschen quasi Freifeldbedingungen“, sagt Stenz, eine idealtypische Situation für den Test hochwertiger Lautsprecher und Studiomonitore. Eine Raum-in-Raum-Konstruktion, die dem Trommelfell zu schaffen machen kann, da es ohne Schallanregung „schlaff“ herumhängt, was das Gehirn manchmal als Überdruck interpretiert. Stenz und seine Kollegen messen hier unter anderem den Frequenzgang und den Klirrfaktor der Lautsprecher.

Lautsprecher-Schmiede

Neu ist der Raum nicht. Er wurde schon zu DDR-Zeiten genutzt. Und auch Stenz ist nicht neu in Adlershof. Er ist zurückgekehrt. Am in bürokratischer Schönheit benannten Rundfunk- und Fernsehtechnischen Zentralamt RFZ war Stenz Mitte der 1980er-Jahre Laborassistent. Dort wurden die Geräte und Anlagen der Studiotechnik für Rundfunk und Fernsehen der DDR entwickelt. Heute sitzt der Elektroingenieur mit seiner 2011 gegründeten Firma EVE Audio in den Räumen, in denen früher unter anderem die Tischlerei für den Kulissenbau ihren Platz hatte. Hier in Adlershof entstehen Lautsprecher, die Presse und Händler bei ihrer Vorstellung fast „euphorisch“ gefeiert haben.

Beliebt bei Klangästheten

„Lautsprecher entwickeln kann ich“, behauptet Stenz selbstbewusst von sich. Schon 1999 bis 2010 war er Mitgründer und Geschäftsführer einer international geschätzten Firma, deren Monitore – wie die Lautsprecher auch genannt werden – bei Klangästheten lange als die besten der Welt galten. Stenz hatte diese in Zusammenarbeit mit einem Physiker mitentwickelt.

Auch der Name der neuen Firma ist eine kleine Reminiszenz an diese Jahre. Stenz, der lange die Geschäfte des alten Unternehmens prägte, wollte irgendwann eigene, neue Ideen und Konzepte weiterentwickeln und entschied sich zum Neustart. Der eigene Erfolg kam überraschend – und sehr schnell. „Wir mussten nicht baggern“, sagt Stenz. Schon die erste Musikmesse – die Firma war noch gar nicht lieferfähig – erzeugte hervorragende Resonanz und beste Berichterstattung in den Branchenmedien.

EVE baut heute eine komplette Serie von Monitoren, von der Zwei-, Drei- und Vierwegebox in diversen Varianten bis zu „richtig großen Kisten“. Auch die Subwoofer versprechen einiges. Ihr Name: Thunderstorm – „Gewittersturm“. Mehr als 10.000 sind inzwischen über den Ladentisch gegangen.

Optimierte Kompromisse

„Lautsprecher interagieren immer mit ihrer Gehäusegröße und dem Raum, in dem sie stehen“, erklärt Stenz. Hinzu kommt: Klangerlebnisse sind subjektiv, einen perfekten Lautsprecher gibt es nicht. „Es geht immer darum, die durch die Physik gesetzten Grenzen in optimierte Kompromisse umzusetzen“, sagt Stenz. Es sei die Abstimmung der einzelnen Parameter, die am Ende den Klang ausmachen. Wie in einem Chor gehen bei schlechter Abstimmung einzelne Stimmen verloren. „Meine klangliche Abstimmung gefällt offenbar“, freut sich der Musiker Stenz, der selbst Violine spielt.

Ihren Weg haben die Lautsprecher auch in die Tonstudios bekannter Musiker gefunden. Voice-of-Germany-Juror Samu Haber, Frontmann der Band „Sunrise Avenue“, ist vor Kurzem während einer Drehpause vorbeigekommen, um zu fachsimpeln. Sein Studio in Helsinki steht voll mit EVE-Boxen.

Von Rico Bigelmann für Adlershof Journal

www.eve-audio.com

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