Hüterin der Karten und Pläne der Wissenschaftsstadt Adlershof: Im Gespräch mit Heike Böhme

02. März 2021

Hüterin der Karten und Pläne der Wissenschaftsstadt Adlershof

Im Gespräch mit Heike Böhme

Heike Böhme © WISTA Management GmbH

Der Kopf hinter den Adlershofer Plänen: Heike Böhme kennt jede Ecke in der Wissenschaftsstadt © WISTA Management GmbH

Ende der 1980er Jahre war sie auf dem besten Weg zur Erfinderin. Heute ist sie die Hüterin der Karten und Pläne der Wissenschaftsstadt Adlershof. Das 420 Hektar große Gebiet ging 1994 als letzter von insgesamt sechs Berliner Entwicklungsbereichen aus der Nachwendezeit an den Start. Über 4.000 Gelände-, Orientierungs-, Grundstücks-, Bebauungs-, Erschließungspläne hat Heike Böhme seitdem dafür erstellt und überarbeitet. Die Urberlinerin, geboren in Berlin-Niederschöneweide, gehört, so sagt sie selbst scherzhaft, zum „Inventar der Entwicklungsmaßnahme Berlin-Johannisthal/Adlershof“. Weiterentwickelt hat sie sich immer, ihre Erfahrung fließt inzwischen auch in viele andere Berliner Projekte ein.
 

Adlershof Journal: 4.000 Pläne für das Entwicklungsgebiet Johannisthal/Adlershof in 26 Jahren. Das sind durchschnittlich drei Pläne jede Woche. Verändert sich Adlershof immer noch so schnell?

Heike  Böhme: Adlershof wächst nach wie vor dynamisch, neue Forschungs-, Büro- und Gewerbekomplexe entstehen oder werden erweitert, viele Wohnungen werden gebaut. Es folgen Kitas, Schulen, Gastronomie, Handel, Kultur. Das heißt für mich, z. B. den Orientierungsplan immer wieder anzupassen, Straßen und Gebäude in Grundstückspläne einzuzeichnen, Vertriebspläne zu überarbeiten, das Leitungskataster zu aktualisieren.

Lohnt es sich, die ganzen Pläne aufzubewahren?

Definitiv. Und zwar nicht nur zu Dokumentationszwecken. Projekte, die fertig sind, müssen abgerechnet werden. Alte Pläne sind dann wichtig, um nachvollziehen zu können, wie es dort mal aussah.

Wie hat die Digitalisierung das Anfertigen technischer Zeichnungen verändert?

Wer technische Zeichnungen anfertigt, muss mit der Programmentwicklung mitgehen. Als Maschinenbauzeichnerin stand ich noch am Zeichenbrett mit Bleistift und Tinte. Genauigkeiten auf einen halben Millimeter sind da ein Muss. Während des Studiums habe ich erste Computerprogramme erlernt. Seit 1994 arbeite ich unter anderem mit der Geoinformationssystem-Software MapInfo.

Waren Sie von Anfang an in die Entwicklungsmaßnahme Johannisthal/Adlershof involviert?

Ja, zuerst in der JAAG (Johannisthal-Adlershof Aufbaugesellschaft), die in die BAAG (Berlin Adlershof Aufbaugesellschaft) mündete und 2003 in die Adlershof Projekt GmbH (heute WISTA.Plan) umgewandelt wurde. Inzwischen habe ich meinen Arbeitsplatz bei der WISTA.Service GmbH. Das Aufgabenspektrum ist im Wesentlichen gleich geblieben.

Was genau sind Ihre Aufgaben?

Ich betreue drei Bereiche. Da sind zum einen georeferenzierte Lagepläne aus Vermessungen. Nummer zwei sind Geoinformationssysteme für Pläne und Karten rund um die Grundstücksverwaltung. Der dritte Komplex umfasst die klassische Grafik, zum Beispiel Plakate, Flyer und andere Drucksachen.

In Ihrem Fundus liegen auch Luftbildaufnahmen vom Gelände?

Die sind super. So lässt sich die Entwicklung des Geländes dokumentieren. Gleichzeitig können Grundstücksinteressenten schauen, wie die Nachbarschaft aussieht. Erste Befliegungen wurden schon 1994 gemacht, seitdem bis heute regelmäßig. Flughöhe etwa 400 Meter.

Die WISTA und Ihre Tochtergesellschaften arbeiten berlinweit? Was heißt das für Ihren Aufgabenbereich?

Ich bin in verschiedene Projekte involviert. Ich erstelle Unterlagen etwa für das Gründungszentrum FUBIC in Dahlem, den CleanTech Business Park Marzahn, das Gelände des geschlossenen Flughafens Tegel und den ehemaligen Güterbahnhof Köpenick.

Wie fing Ihre berufliche Karriere an?

Im VEB Steremat Berlin in Alt-Treptow lernte ich Maschinenbauzeichnerin und kam nach dem Studium an der Universität Rostock als Konstrukteurin für allgemeinen Maschinenbau dorthin zurück. Ich konstruierte unter anderem Baugruppen für Erosions- und Kristallzüchtungsanlagen. Bis 1990 hatte ich gemeinsam mit Kollegen vier Patente angemeldet. Mit dem Mauerfall wurde ich arbeitslos und hatte kein Geld mehr für die Prüfungsgebühren, die Patente verfielen. Inzwischen zweifache Mutter, qualifizierte ich mich über eine ABM (Arbeitsbeschaffungsmaßnahme mit Fortbildung und Umschulung) für Aufgaben der Vermessung und Bewertung. Seitdem begleite ich grafisch Johannisthal/Adlershof.

Wer ist Ihr Vorbild?

Ein konkretes Vorbild habe ich nicht, aber MacGyver aus der gleichnamigen Fernsehserie fand ich cool. Wie er immer wieder mit Alltagsgegenständen eine einfache technische Umsetzung für ein Problem gefunden hat, hat mir imponiert.

Wie verbringen Sie Ihre Freizeit?

Ich fahre viel Fahrrad, rund 3.000 km pro Jahr. Zusammen mit meiner Schwester pflege ich unsere Mutti. Mein Steckenpferd ist Backen, aufwendige dekorierte Torten etwa. Das habe ich von meinem Vati gelernt, er war Konditor.
 

Das Interview führte Sylvia Nitschke für Adlershof Journal

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