Im Gespräch mit Bernd Haase: Gebäudestratege und Partner bei der Vollack Gruppe

27. April 2017

Im Gespräch mit Bernd Haase

Gebäudestratege und Partner bei der Vollack Gruppe

Bernd Haase. Bild: Adlershof Journal

Bild: Adlershof Journal

Er ist Partner bei der Vollack Gruppe. Er nennt sich Gebäudestratege. Was das ist und warum ein Iglu für ihn das schönste Gebäude der Welt ist, erklärt er im Interview. Der natur- und sportbegeisterte Familienvater liebt die Veränderung, experimentiert mit Holzkunst, veredelt alte Apfelbaumsorten in seinem Garten in der Uckermark und zeigt sich auch der bei der internationalen Küche probierfreudig.

Was macht ein Gebäudestratege?

Wir haben einen ganzheitlichen Ansatz, sind nicht nur Architektur- und Planungsbüro, sondern auch Bauausführender. Das schließt die Grundstückssuche und das Ausloten von Fördermöglichkeiten ein.

Wie viele Bauvorhaben betreut Vollack derzeit in Adlershof?

Drei Büro- und Produktionsgebäude – die Neubauten für Fortis Consulting mit dem Ankermieter Holoeye AG, DanTech Energy und das Firmengebäude für den Glasfaserspezialisten Loptek haben wir zu Jahresbeginn fertiggestellt.

Welche Rolle spielt energieeffizientes Bauen für Sie?

Was im Wohnungsbau längst Pflicht ist, daran kommt heute auch im Industrie- und Gewerbebau kaum noch einer vorbei. Deshalb steht der Anspruch an nachhaltiges Bauen im Einklang mit den Kundenwünschen auf unserer Agenda ganz oben. Bestes Beispiel ist der Neubau von DanTech Energy. Dieses Gebäude wird mit der Fertigstellung das größte Produktions- und Bürogebäude in Berlin im Passivhausstandard sein. Besonderheit ist die Ausstattung des Gebäudes mit einer innovativen Lüftung durch Induktionsgeräte. Die Installation von Photovoltaik und eine spätere Gebäudeerweiterung sind bereits jetzt vorgesehen.

Welche Baumaterialien empfehlen Sie?

Unser Fokus liegt auf regionalen Produkten, das heißt Produkte, die aus einem Umkreis von 250 km kommen.

Wie sieht die optimale Arbeitswelt heute aus?

Es ist ein Mix von Arbeitswelten: Offene, kommunikative Orte zum Ideen entwickeln und austauschen, Plätze, wo man interaktiv tätig sein kann, wie etwa ein Videokonferenzraum, und Rückzugsorte gehören dazu. Die Arbeitswelt verändert sich sehr schnell. Ich bin sicher, ein Büroarbeitsplatz wird zukünftig vor allem Konzentrationsarbeitsplatz sein, der Raum lässt für unsere menschlichen Stärken wie Empathie, Werte und die Entfaltung unserer emotionalen Intelligenz. Extrem leistungsfähige Maschinen und Computer werden uns zunehmend Alltagsaufgaben abnehmen. Das wird spannend, weil Technik und Maschinen schon heute große ergonomische Entlastungen in der Produktionsarbeit ermöglichen. Wir sollten uns auf den permanenten Wandel einstellen, aktiv gestalten und auch mal etwas Neues wagen, so können wir jede neue Arbeitswelt für unseren Vorteil nutzen.

Wann waren Sie das erste Mal in Adlershof?

Das war Anfang der 1990er Jahre. Ich arbeitete in einem Ingenieurbüro und habe am Bürogebäude des Elektronenspeicherrings BESSY II mitgeplant. Danach war ich einige Jahre in Eisenach und Hannover tätig, wollte als Urberliner aber immer wieder zurück. 2012 gab es dann die Gelegenheit, als ich für Vollack den Technologiepark Adlershof als Berliner Dependance empfohlen habe.

Ist eine eigene Vollack-Immobilie am Standort geplant?

Für den Immobilienentwickler immexa haben wir das Gebäude an der Rudower Chaussee 46 gebaut, welches mit dem LEED-Zertifikat in Gold ausgezeichnet wurde. Dort sind wir derzeit auch Mieter. 2020 endet unser Mietvertrag, daher sind wir schon über den Erwerb eines eigenen Grundstücks in Adlershof im Gespräch.

Was ist für Sie das interessanteste Adlershofer Gebäude?

Da fallen mir gleich zwei ein: der Trudelwindkanal und die thermokonstanten Kugeln. Adlershof ist ein Standort mit Geschichte und viel Innovationskraft. Das lässt sich an den beiden luftfahrttechnischen Denkmalen gut ablesen.

Und das schönste Gebäude weltweit?

Ein Iglu. Es ist mit einfachsten Mitteln gebaut, vergänglich und dennoch dauerhaft. Es schafft Raum, geschützt zu leben. Ein gutes Gebäude zwingt sich nicht auf, ist unaufgeregt, unauffällig, aber trotzdem in der Lage, Heimstatt für Menschen zu geben.

Was machen Sie in Ihrer Freizeit?

Als Jugendlicher habe ich Leichtathletik und Zehnkampf trainiert sowie Volleyball gespielt. Letzteres spiele ich immer noch. Im Winter fahre ich am liebsten im Tiefschnee Ski, im Herbst wandere ich mit der Familie in Südtirol und genieße dort das Törggelen. Das ist ein alter Brauch, der bedeutet, dass nach dem Weinpressen ordentlich geschmaust wird. In den Berghütten, Schänken und Restaurants kann man dann den neuen Wein verkosten und lecker essen. Mit meiner Familie zusammen koche ich gern. Neue Energie tanke ich in unserem Garten in der Uckermark, der eine große Obstwiese ist. Es gibt nichts Schöneres für mich als ein Frühstück unter blühenden Apfelbäumen. Im Garten sammle ich Altholz und Äste und arrangiere daraus in Kombination mit anderen Materialien experimentelle Skulpturen.

Das Interview führte Sylvia Nitschke für Adlershof Journal

www.vollack.de

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