Im Gespräch mit Carola Hilbert, die ein DLR-Besucherzentrum in Adlershof anstrebt: Die Standortleiterin für die DLR-Region Ost will die Forschung der Öffentlichkeit stärker zugänglich machen

26. Februar 2020

Im Gespräch mit Carola Hilbert, die ein DLR-Besucherzentrum in Adlershof anstrebt

Die Standortleiterin für die DLR-Region Ost will die Forschung der Öffentlichkeit stärker zugänglich machen

Carola Hilbert © WISTA Management GmbH

Carola Hilbert © WISTA Management GmbH

Ein Flug über den roten Planeten, eine Fahrt im Robotaxi oder im Zug der Zukunft. Für Carola Hilbert ist das faszinierend. Und auch ein bisschen Alltag. Sie ist seit Sommer letzten Jahres Standortleiterin der Region Ost des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR). Ihre Begeisterung für die DLR-Forschungen möchte Hilbert mit einer breiten Öffentlichkeit teilen. Ihre Vision ist ein DLR-Besucherzentrum in Adlershof. So soll es auch außerhalb von Veranstaltungen wie der Langen Nacht der Wissenschaften oder dem Besuch des Schülerlabors für Interessierte jederzeit möglich sein, auf Tuchfühlung mit fremden Planeten und Galaxien, neuen Mobilitätslösungen und alltagstauglich gemachten Weltraumlösungen zu gehen. Stillstand liegt Carola Hilbert gar nicht, erzählt sie im Interview. Wir sind gespannt, wohin die Reise des DLR mit ihr geht.

Adlershof Journal: In Adlershof ist das DLR eine Instanz. Wo liegen seine Wurzeln?

Carola Hilbert: Unsere Wurzeln reichen bis in das letzte Jahrhundert zurück. Am 20. April 1912 wurde in Adlershof die Deutsche Versuchsanstalt für Luftfahrt (DVL) gegründet. Seit 1967 findet hier Weltraumforschung statt, erst im Interkosmos-Programm und ab 1981 am Institut für Kosmosforschung der DDR-Akademie der Wissenschaften, das 1992 in das DLR integriert wurde.

Wann war Ihre erste Begegnung mit Adlershof?

1986 habe ich im Institut für Kosmosforschung in der Administration angefangen. Nach der Wende ging es für mich nahtlos im DLR weiter. Der Standort hat sein Gesicht seitdem komplett verändert. Ich staune immer wieder, wie viel Neues entstanden ist und weiterhin entsteht.

Seit vergangenem Sommer sind Sie die Standortleiterin für die DLR-Region Ost. Wie groß ist dieses Terrain?

Dazu zählen nicht nur Adlershof, mit seinen Instituten für Planetenforschung, Verkehrsforschung, Verkehrssystemtechnik und Optische Sensorsysteme, sondern auch die DLR-Standorte in Neustrelitz, Dresden, Jena, Cottbus und Zittau. Aktuell sind über 1.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter tätig. Und wir wachsen weiter.

Sind DLR-Neubauten in Adlershof geplant?

Es gibt schon seit längerer Zeit Überlegungen, die DLR-Turbolenzforschung, die ihren Sitz an der Technischen Universität Berlin hat, nach Adlershof zu holen. Doch der Adlershofer Standort platzt jetzt schon aus allen Nähten. Für das Institut für Verkehrsforschung haben wir bereits Räume in der Rudower Chaussee 7 angemietet. Ein weiteres Gebäude in Adlershof zu errichten, ist daher im Gespräch. Vielleicht ließe sich danach auch mein Traum von einem Besucherzentrum realisieren.

Gibt es dazu schon Einzelheiten?

Ich bin auch angetreten, das DLR der Öffentlichkeit stärker zugänglich zu machen. Einen Ort ähnlich wie das gläserne Labor in Buch kann ich mir dafür auch in Adlershof vorstellen. Momentan haben wir hier ein Schülerlabor und einen Showroom. Damit können wir jedoch nur einen Bruchteil der Forschungen am DLR sichtbar machen. Ein Besucherzentrum ist deshalb meine Vision.

Sind Sie ein Musterbeispiel für eine Karriere am DLR?

Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie wird beim DLR großgeschrieben. Ich bin da keine Ausnahme. In Adlershof werden von vier DLR-Instituten drei von Frauen geführt. Frauenförderung ist mir wichtig. In Mentoring- und Talent-Programmen gebe ich meine Erfahrungen gern an die jüngere Generation weiter.

Wie verbringen Sie Ihre Freizeit?

Ich bin am liebsten in der Natur. Waldspaziergänge, wandern und meinen Garten gestalten sind ein guter Ausgleich zur Verwaltungstätigkeit. Freizeit heißt auch, Zeit mit der Familie zu verbringen.

Haben Sie Vorbilder?

Michelle Obama, die vorherige First Lady der Vereinigten Staaten, schätze ich.

Wann haben Sie zuletzt etwas Neues gemacht?

Mein Vorsatz für 2020 ist: Das Handy öfter weglegen und dafür mehr persönliche Gespräche führen. Das gelingt noch nicht immer, aber das Bewusstsein dafür ist geschärft.

 

Das Interview führte Sylvia Nitschke für Adlershof Journal

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