Im Gespräch mit Tobias Kirschnick: Seit Oktober leitet er das Innovations- und Gründerzentrum (IGZ) in Adlershof

27. Februar 2017

Im Gespräch mit Tobias Kirschnick

Seit Oktober leitet er das Innovations- und Gründerzentrum (IGZ) in Adlershof

Tobias Kirschnick. Bild: © Adlershof Journal

Bild: © Adlershof Journal

Im Interview skizziert Tobias Kirschnick seine Pläne für dessen Umgestaltung. Der Enddreißiger punktet nach dem BWL-Studium an der Freien Universität Berlin, Etappen als stellvertretender Geschäftsführer im Jugendaufbauwerk Nauen und eigenen Gründerfirmen mit Erfahrungen, wie man ein Unternehmen gründet, führt und manchmal auch – leider – liquidieren muss. 

Was qualifiziert Sie zum Chef des IGZ?

Meine Erfahrungen, die ich einbringen möchte. Ich habe selber schon gegründet, kenne die typischen Gründerprobleme und die Gründerszene in Berlin. Das Vertrauen zu den Jungunternehmern ist damit schnell aufgebaut. Ich schaue nicht nur auf die tollen Ideen, sondern lenke den Blick auch auf ihre Markttauglichkeit. Außerdem macht es mir unheimlich Spaß, so nah dran zu sein an den Gründern, die die Welt ein kleines bisschen verändern wollen.

Was ist aus Ihrer Gründung geworden?

Alles was man als Gründer tut, dauert länger als man erwartet hat. Zum Schluss hat es an Zeit und Geld gemangelt. Ich habe zusammen mit meinem Bruder, der Informatiker ist, die DecidR Entscheidungsfindung UG gegründet. Die Idee: Wenn jemand zögert und sich bei den Dingen des Alltags nicht entscheiden kann, z. B. ob er Pasta oder Pizza zum Mittag essen soll, hat er die Möglichkeit, über die von uns entwickelte App das Votum der Community zu erfragen. DecidR ist nicht nur eine App für Unentschlossene. Es steckt auch ein Mehrwert für Unternehmen dahinter. Vor einer Produkteinführung könnten Unternehmen die Nutzer so mitentscheiden lassen, ob beispielsweise das neue Sportschuhmodell in blau-gelb oder rot-schwarz produziert werden soll. Wir hatten für unsere App 20.000 Nutzer angepeilt. Diese Zahl konnten wir nicht erreichen und haben daher einen Schlussstrich gezogen.

Gibt es mit Ihnen auch einen Tapetenwechsel im IGZ?

Das Haus war der erste Neubau im Technologiepark nach dessen Gründung. Jetzt, nach über 25 Jahren, bedarf es einer Frischekur. Dazu gehören bauliche Sanierungen, ein umzugestaltender Eingangsbereich, die Schaffung neuer Laborkapazitäten und auch strukturelle Veränderungen. Ich plane z.  B. einen ‚Open Space‘. Das ist quasi ein großer Arbeits-, Sozial-, Kontakt-, Informations-, Spiel- und Entwicklungsraum für Gründungswillige, ideal für Gründerteams, die noch keinen Businessplan ausgearbeitet haben, sondern erst im Ideenstadium stecken.

Wie sieht das IGZ-Veranstaltungsangebot aus?

Alles rund ums Netzwerken wird hier großgeschrieben. Regelmäßige Treffen, wie etwa ein Gründerfrühstück, sind in Vorbereitung. Neben dem zwanglosen Informationsaustausch laden wir dazu Referenten etwa zu Fragen des Patentrechts, der Unternehmensfinanzierung, der Fördermitteleinrichtungen oder des Vertriebs ein, die Start-ups Tipps und Kniffe aus ihren Arbeitsgebieten verraten. Zusammen mit Berlin Partner und den Kollegen aus dem Wista-Team organisieren wir Pitches für Gründer vor Industrieunternehmen und Venture-Kapitalgebern. Eine stärkere Verzahnung habe ich auch mit der Humboldt-Innovation GmbH, dem Gründerservice der Humboldt-Universität, in Angriff genommen.

Was ist für Sie die beste Erfindung der Welt?

Der Buchdruck. Wissen haltbar und leicht zugänglich machen, ist eine großartige Sache…

...das heißt, Sie lesen viel?

Ja. Aber nicht auf dem E-Reader, ich nehme lieber ein schön gestaltetes Buch in die Hand. „Die 13½ Leben des Käpt‘n Blaubär“ von Walter Moers habe ich jetzt erst wieder gelesen. Ich mag auch Robert van Guliks Krimireihe über den chinesischen Richter Di. Diese Krimis haben mich u.  a. dazu inspiriert, Sinologie zu studieren. Allerdings nur für ein Jahr, dann bin ich auf Betriebswirtschaftslehre umgeschwenkt.

Was wollten Sie als Kind werden?

Naturforscher. Tiere fand ich spannend.

Ist Ihr Tierinteresse erloschen?

Tiere interessieren mich immer noch. In Büchern. Vor Hunden habe ich Angst und auch die Katze meiner Eltern mochte mich nicht. Meine beeindruckendste Erfahrung mit Tieren machte ich im Ngorongoro-Krater in Tansania. Dort ist es wie im Paradies: Zebras, Büffel, Gnus, Antilopen, Löwen, Hyänen, Elefanten, …

Lieben Sie Fernreisen?

Ich finde, in Deutschland gibt es wunderbare Reiseziele. Ich muss nicht weit weg fahren, um etwas zu erleben. In Tansania war ich zwei Mal, immer über Jugendprojekte der evangelischen Kirchengemeinde, der ich angehöre. In der Partnergemeinde in Tanga haben wir ein Internetcafé aufgebaut, Flächen für einen Schulbau gerodet, aber auch Ausflüge in die Nationalparks gemacht.

Was machen Sie in Ihrer Freizeit?

Ich habe seit meiner Kinderzeit Judo, dann Kung Fu und schließlich Wing Tsun trainiert. Zurzeit pausiere ich, will aber wieder anfangen. Auch als Ausgleich zu meinem zweiten Steckenpferd: Kochen.

Was können Sie gar nicht?

Ich kann weder singen noch habe ich ein musikalisches Gehör. Aber ich brenne seit ein paar Jahren für die Oper.

Das Gespräch führte Sylvia Nitschke für Adlershof Journal

www.adlershof.de/gruenden/ 

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