Individueller Anschluss an wohlige Holz-Wärme: Projekt „Wohnen am Campus' bekommt innovatives Nahwärmenetz

07. Januar 2014

Individueller Anschluss an wohlige Holz-Wärme

Projekt „Wohnen am Campus“ bekommt innovatives Nahwärmenetz

Andreas Reinholz, BTB Berlin Adlershof. Bild: © Adlershof Special

Andreas Reinholz plant mit einer Baugruppe im Projekt „Wohnen am Campus“ ein innovatives Nahwärmenetz. Bild: © Adlershof Special

Im Projekt „Wohnen am Campus“ entsteht ein Wohnviertel mitten am Wissenschaftsstandort Adlershof. Passend zum Standort geht es dabei hoch innovativ zu. In einem Forschungsprojekt schaffen die BTB Blockheizkraftwerks- Träger- und Betreibergesellschaft, die Technische Universität Dresden und die Bauherren ein Nahwärmenetz, das es in sich hat.

Bei der Investition in die eigenen vier Wände machen Bauherren ungern Kompromisse. Andreas Reinholz kann das nachvollziehen, auch wenn es seine Arbeit nicht leichter macht. Der Ingenieur der BTB Blockheizkraftwerks-Träger und Betreibergesellschaft mbH Berlin plant mit einer Baugruppe im Projekt „Wohnen am Campus“ ein innovatives Nahwärmenetz. Nahwärmenetze sind beileibe keine Selbstläufer. Für Betreiber stehen sich eine vergleichsweise geringe Wärmeabnahme und hoher Aufwand für das kleinteilige Rohrnetz, die Hausanschlüsse und Regelungstechnik gegenüber. „Im Gegenzug sind private Bauherren skeptisch, wenn die Heizung nicht im eigenen Keller steht“, erklärt Reinholz.

Dass es in Adlershof dennoch klappt, hat viele Gründe. Einerseits fordert und fördert der Gesetzgeber regenerative Wärmeerzeugung. Bauherren können zwischen eigenen Solarthermieanlagen, Blockheizkraftwerken, Holzheizungen & Co. oder Fernwärme wählen, die zu mindestens 50 Prozent in Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) erzeugt wird. „Bei uns liegt der KWK-Anteil bei 90 Prozent. Zudem erzeugen wir die Grundlast mit Holz, ergänzt durch Erdgas und Erdöl bei strengem Frost“, sagt Reinholz.

Wegen der ökologischen Wärme aus Holz und Kraft-Wärme-Kopplung würden auch die Auflagen für die Wärmedämmung sinken. Die Bauherren sparen also doppelt. Sie brauchen keine grüne Heiztechnik und weniger Dämmung. Dem Adlershofer Projekt reichte das nicht. „Wir wollen den einzelnen Bauherren ihre persönliche Energiewende ermöglichen“, sagt Reinholz. Neben Fernwärme dürfen sie eigene Anlagen installieren und deren überschüssige Wärme über das Netz an ihre Nachbarn abgeben. Ihr Zähler läuft dann rückwärts und die BTB legt eine Vergütung obendrauf.

Regelungstechnisch ist das anspruchsvoll. Das Nahwärmenetz wird aus dem Rücklauf des großen BTB-Netzes gespeist. „Wasser, das wir mit 110 Grad Celsius in unser Fernwärmenetz einspeisen, läuft mit 55 Grad Celsius zurück“, so Reinholz. Das sind 15 Grad Celsius weniger, als im Nahwärmenetz benötigt. Darum wird gezielt 110 Grad Celsius heißes Wasser eingedüst, was auch der Legionellen-Prävention dient.

Damit die Bauherren Wärme einspeisen können, ist das Nahwärmenetz hydraulisch entkoppelt. „Die Technik ist beherrschbar“, sagt Reinholz. Schwieriger sei es, innerhalb der Baugruppe alle Interessen unter einen Hut zu bekommen und in praktikable Lösungen zu übersetzen. Auf Letztere ist auch die Bundesregierung gespannt. Sie schießt Forschungsmittel zu, um technische und soziologische Fragen rund um die Kombination von Fernwärme und individueller Heiztechnik zu klären. Forscher der TU Dresden haben für das Projekt unter anderem eine mit Messtechnik gespickte Übergabestation entwickelt, mit deren Daten der Betrieb optimiert werden soll. Lösungen von der Stange funktionieren hier nicht. Genau das reizt den Ingenieur. Auch wenn die Abstimmung mit der Baugruppe teils Zeit und Nerven kostet, bereitet ihm das Projekt viel Freude.

Von Peter Trechow für Adlershof Special

www.btb-berlin.de