„Lego für Erwachsene': Im Gespräch mit Constantin Wernick, Betriebsleiter des Adlershofer Technologieunternehmens MiniTec Berlin GmbH

05. Januar 2021

„Lego für Erwachsene“

Im Gespräch mit Constantin Wernick, Betriebsleiter des Adlershofer Technologieunternehmens MiniTec Berlin GmbH

Constantin Wernick © WISTA Management GmbH

Vertrauter Ort: Constantin Wernick vor der Staatlichen Technikerschule Berlin © WISTA Management GmbH

„Lego für Erwachsene“ – so umschreibt Constantin Wernick die Produktpalette der MiniTec Berlin GmbH. Wernick ist dort seit 2019 Betriebsleiter und keinesfalls verspielt. Vielmehr geht es um ein Baukastensystem aus Profilen und Verbindern, aus denen vom Reinraum über Sondermaschinen bis hin zum in Corona-Zeiten stark nachgefragten Spuckschutz alles Mögliche hergestellt werden kann. Neben seinem anspruchsvollen Volltagsjob bei MiniTec scheint der 38-Jährige über immense Energiereserven zu verfügen: Der dreifache Familienvater – sein jüngster Spross ist erst im November 2020 geboren – studiert berufsbegleitend an der Staatlichen Technikerschule Berlin. Drei Abende die Woche plus jeden zweiten Samstag arbeitet er sich seit Sommer vergangenen Jahres durch die Betriebswirtschaftslehre. Erst Anfang 2020 hatte er parallel zum Beruf ein vierjähriges Maschinentechnikstudium erfolgreich abgeschlossen. Wir sind gespannt, wie es bei ihm weitergeht. Die Maxime „Im Leben lernt man nie aus“ hat Constantin Wernick jedenfalls verinnerlicht.

Adlershof Journal: Wie geht es der Firma MiniTec Berlin?

Constantin Wernick: Die Corona-Pandemie hinterlässt natürlich Spuren, Aufträge verschieben sich oder bleiben ganz aus etwa von Kunden aus der Eventbranche und dem Automobilbau. Dafür waren wir in anderen Bereichen aktiv und machen auch Einzelteilfertigung. Insgesamt kommen wir bisher gut durch die Krise.

Wer sind Ihre Kunden?

Von großen Forschungseinrichtungen bis zum Start-up reicht unser Kundenkreis. Das Helmholtz-Zentrum Berlin, die Physikalisch Technische Bundesanstalt, die Unternehmen Siemens Mobility, Jenoptik Diode Lab und Sigmar Mothes Hochdrucktechnik gehören zu den 50 Auftraggebenden im Technologiepark Adlershof. Aber auch über Berlin hinaus sind wir tätig.

Was war der ungewöhnlichste, was der größte Auftrag?

Einer unserer größten Aufträge war eine Induktionslötmaschine, Auftragsvolumen: eine dreiviertel Million Euro. Da waren wir ein dreiviertel Jahr mit beschäftigt. Skurril war der Auftrag eines Berliner Kunststudenten. Für ihn entwickelten wir eine Maschine mit einem sich drehenden Arm, der unablässig auf ein Bild einpeitschen sollte.

Wie viele Beschäftigte hat MiniTec?

Wir gehören zur rheinland-pfälzischen MiniTec-Gruppe mit weltweit 400 Beschäftigten. Bereits 2016 wurden die W&P GEAT GmbH, wo ich seit 2011 tätig war, und die W&P Wolf & Partner GmbH von MiniTec übernommen. In Adlershof sind wir zu acht, ein reines Männerteam. Wir bieten Praktikumsplätze und es gibt auch Überlegungen, zukünftig hier selbst auszubilden.

Wie kommen Sie zur Arbeit?

Mit der S-Bahn. Ich brauche rund eine Stunde für den Arbeitsweg. Ein Auto habe ich nicht.

Sie sind gelernter Kfz-Mechaniker und haben kein eigenes Auto?

Das ist eine bewusste Entscheidung. Meine Familie fährt Rad oder mit Bus und Bahn. Wir haben auch ein Lastenfahrrad, mit dem wir die Kinder transportieren. Im Frühjahr letzten Jahres, im ersten Lockdown, bin ich mit dem Firmenwagen nach Adlershof gefahren und habe einen Kollegen mitgenommen. Für den Heimweg habe ich manchmal eineinhalb Stunden – und damit dreimal so lange wie auf dem Hinweg – benötigt. Das ist Pendlerstress, auf den ich gern verzichte.

Wer ist Ihr Vorbild?

Vorbild ist zu viel gesagt, aber Bud Spencer (bekannt als italienischer Film- und Fernsehschauspieler/Anm. d. Red.) finde ich gut. Er ist mit so einer Leichtigkeit durchs Leben gegangen.

Was ist Ihnen wichtig?

Respekt, Verantwortungsbewusstsein und Ehrlichkeit.

Wie verbringen Sie Ihre Freizeit?

Freie Zeit gibt es praktisch nicht. Zu Hause sein heißt, für die Familie da zu sein. Wir sind zu fünft: meine Frau und unsere drei Kinder, sieben Jahre, drei Jahre und zwei Monate jung. Auch wenn meine Frau den Großteil der Kinderbetreuung schultert, bleibt genug zu tun. Doch ob strahlende Kinderaugen, eine stürmische Begrüßung oder ein selbst gemaltes Bildchen – es sind die kleinen Gesten, die unbezahlbar sind und mich glücklich machen. Früher waren Videospiele meine Leidenschaft. Heute setze ich mich an die Spielkonsole nur noch selten ran.

Erinnern Sie sich an eine Mutprobe in Ihrem Leben?

Eine bleibende Grenzerfahrung war für mich ein Tandemfallschirmsprung. Das ist schon zwölf Jahre her, das war Adrenalin pur.

Was ist Ihr Zukunftswunsch?

Ich freue mich jetzt schon darauf, irgendwann Opa zu werden und die Zeit mit den Kindern und Enkeln zu genießen.

 

Das Interview führte Sylvia Nitschke für Adlershof Journal

Meldungen dazu

Verknüpfte Einrichtungen