„Parship für Pharma': Im Gespräch mit Katrin Sirach, Anbieterin der Berufspartnervermittlung optinoo

26. Juni 2019

„Parship für Pharma“

Im Gespräch mit Katrin Sirach, Anbieterin der Berufspartnervermittlung optinoo

Bild: optinoo

Bild: optinoo

Freiheit ist für Katrin Sirach ein hohes Gut. Wohl auch deshalb hat sie nach über 20 Berufsjahren ihren gut dotierten Job in einem Pharmakonzern nebst Unternehmensakademie aufgegeben und ist ins Gründerwasser gesprungen. 2017 war der Startpunkt für die optinoo GmbH. Ihre Idee dahinter beschreibt sie als „Parship für Pharma“. Diese digitale Berufspartnervermittlung ist eine Plattform, auf der Jobsuchende und Unternehmen herausfinden können, wer zu wem passt. Als ehemalige Personalmanagerin weiß Sirach, dass der Bedarf von Mitarbeitenden und Unternehmen oft aneinander vorbeigeht. Mit ihrem Arbeitsmarktnavigator nimmt sie darum Kurs auf eine Veränderung der Art und Weise, wie Arbeitsbeziehungen entstehen. Das Risiko scheut die Gründerin nicht. Schwierig sei es nur, den eigenen Ansprüchen gerecht zu werden: Die Jungunternehmerin und alleinerziehende Mutter von zwei Söhnen möchte sowohl in der Familie als auch im Beruf immer 100 Prozent geben.

 

Adlershof Journal: Wofür steht optinoo?

Katrin Sirach: optinoo ist ein digitaler Marktplatz für Berufseinsteiger, Experten und Professionals aus den Life Sciences, die sich auf die Suche nach ihrem Wunscharbeitgeber begeben wollen.

Jobbörsen gibt es wie Sand am Meer. Was unterscheidet optinoo von bisherigen Angeboten?

Auf unserer Matchmaking-Plattform werden mir nur die Unternehmen und Organisationen vorgeschlagen, die zu mir passen. Das Angebot ist kandidatenzentriert. Wir erfassen anhand unseres speziell für die Branche zugeschnittenen Fragebogens die Vorstellungen und Bedürfnisse der Kandidaten bezüglich ihres idealen Arbeitsumfelds und gleichen diese mit der Kultur und den Arbeitsbedingungen der Unternehmen ab. Eine große Übereinstimmung der Antworten, abgebildet als hoher Matching Score, ist das Eingangstor für eine vielversprechende berufliche Partnerschaft. Jobsuchende erhalten entsprechende Arbeitgebervorschläge mit aufbereiteten Unternehmensinformationen und können dann ihre Kontaktdaten freigeben oder sich auf freie Stellen bewerben.

Was sind die Vorteile für die Kandidaten und für die Unternehmen?

Zeitersparnis, keine mühsame Suche für beide Parteien und langfristig eine Stärkung der Arbeitgebermarke.

Gehaltsvorstellungen spielen beim Matching keine Rolle?

In Deutschland steht das Gehalt immer noch ganz oben bei der Entscheidung für einen Arbeitsplatz. Aber danach spielen zunehmend weiche Faktoren eine Rolle. Fragen nach der Internationalität des Teams, Großraum- oder Einzelbüro, flache Hierarchien, flexible Arbeitszeiten, Vereinbarkeit von Familie und Beruf bekommen mehr und mehr Gewicht. Wir treffen diesen Zeitgeist.

Wie viele Nutzer hat optinoo?

Momentan sind 25 Unternehmen auf unserer Plattform gelistet, dazu kommen 14 Partner wie Akademien und Coaches. Etwa 70 bis 100 Kandidaten lassen sich pro Monat matchen. Unser jetziger Markt in der Life-Science-Branche umfasst etwa 1.000 Unternehmen in Deutschland – hinzukommen noch Österreich und die Schweiz – und ca. 148.000 Beschäftigte. Die Fluktuationsquote liegt um die zwölf Prozent. Da ist bei unseren Nutzerzahlen noch Luft nach oben.

Was kostet das Angebot?

Für die Kandidaten ist das kostenfrei. Unternehmen bieten wir die Möglichkeit, die ersten 30 Tage unverbindlich auszuprobieren. Danach zahlen Arbeitgeber, je nach Laufdauer, für die Präsenz auf der Plattform zwischen 90 und knapp 600 Euro und für den Abruf der Kandidaten durchschnittlich ca. 300 Euro.

Gibt es einen besonders präferierten Unternehmenskulturtyp?

Nein, Diversität ist gegeben. Natürlich laufen manche Profile besser als andere. Die Analyse, woran das liegt, werden wir aber erst mit einer kritischen Masse an Datensätzen liefern können.

Soll das Angebot auch auf andere Branchen ausgerollt werden?

Ja, das Konzept ist skalier- und übertragbar.

Wann waren Sie das erste Mal in Adlershof?

Vor vielen Jahren habe ich die Lange Nacht der Wissenschaften besucht. Das war bislang mein einziger Berührungspunkt mit Adlershof. Weil das Charlottenburger Innovations-Centrum (CHIC), in dem ich letztes Jahr Büroräume für optinoo anmieten wollte, ausgebucht war, entstand der Kontakt nach Adlershof. Mein Geschäftspartner Robert Heim und ich haben gleich für die Gründerwerkstatt Adlershof gepitcht. Jetzt sind wir hier Gründerstipendiaten.

Wann haben Sie zuletzt etwas Neues gemacht?

Jeden Tag mache ich jetzt Dinge, die neu sind. Zur Abwechslung finde ich es ganz schön, ein paar geliebte Routinen zu haben.

Wie verbringen Sie Ihre Freizeit?

Freie Zeit habe ich wenig, meine Söhne sind erst 11 und 15 Jahre. Sonntags jogge ich, ab und zu gönne ich mir ein Yoga-Retreat. Früher galt meine Begeisterung dem Tanz, besonders Salsa und Tango. Und vor meiner Selbständigkeit bin ich mit meinem großen Jungen den portugiesischen Jakobsweg von Porto nach Santiago de Compostela gewandert. Das war eine tolle Erfahrung. Wieder „On the Road“ zu sein hat mich an meine Zeit erinnert, in der ich mit dem Rucksack für 18 Monate auf Weltreise war.

 

Das Interview führte Sylvia Nitschke für Adlershof Journal

 

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