Regierender Bürgermeister: Adlershof noch lange nicht fertig: Michael Müller im Journal-Interview zu großen Investitionen, der Dörpfeldstraße und besserer Verkehrsanbindung

28. April 2017

Regierender Bürgermeister: Adlershof noch lange nicht fertig

Michael Müller im Journal-Interview zu großen Investitionen, der Dörpfeldstraße und besserer Verkehrsanbindung

Regierender Bürgermeister Michael Müller. Bild: © Adlershof Journal

Bild: © Adlershof Journal

Adlershof Journal: Als Berliner kennen Sie Adlershof sicherlich vor Ihrer Zeit als Regierender Bürgermeister. Wann waren Sie das erste Mal in der Wissenschaftsstadt und was ist aus Ihrer Sicht die größte Überraschung der letzten Jahre in der Entwicklung des Standorts?

Michael Müller: Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, als ich Mitte der 1990er Jahre zum ersten Mal nach Adlershof kam, als frisch gewählter Abgeordneter.
Mich fasziniert die anhaltende Dynamik von Adlershof. Viele haben ja damals nicht an so eine großartige Entwicklung geglaubt. Heute gilt Adlershof zu Recht als Synonym für den erfolgreichen Berliner Wissenschafts- und Wirtschaftsstandort schlechthin. Manche mag daher überraschen, dass diese Entwicklung bei weitem noch nicht abgeschlossen ist, dass Adlershof weiterwächst. Die Konstanz in der Ansiedlung von Unternehmen, die neuen Bauprojekte für das Wohnen am Campus, und nicht zuletzt das Wachstum im wissenschaftlichen Bereich setzen weiterhin Standards, im Übrigen nicht nur in Berlin.

Welche Akzente möchten Sie für den Technologiepark Adlershof in den nächsten Jahren setzen?

Die Landesregierung will bewusst die Stärkung von Zukunftsorten und die Vernetzung von Wissenschaft und Wirtschaft vorantreiben. Auch Adlershof wollen wir in den nächsten Jahren gemeinsam konsequent weiterentwickeln. Neue Chancen bieten sich etwa am Ferdinand-Braun-Institut und durch den Ausbau des Zentrums für Mikrosysteme und Materialien mit den bundesweit modernsten Laboren in den Zukunftsfeldern Lasertechnik und Leistungselektronik. Impulse kommen ebenso vom Helmholtz-Zentrum Berlin oder dem IRIS-Forschungsbau. Die HU-Standorte profitieren insgesamt von den neuen Hochschulverträgen. Wir haben eine Erhöhung der investiven Mittel vereinbart und werden den Berliner Hochschulen dazu 100 Millionen Euro pro Jahr für Sanierungs- und Baumaßnahmen zur Verfügung stellen.

Die Hochschulen und wissenschaftlichen Institute werben immer mehr Drittmittel ein. Sehen Sie in dieser Entwicklung auch Risiken?

Wir sind stolz darauf, dass Berlin sich zu dem leistungsstärksten und dynamischsten Wissenschaftsstandort in Deutschland entwickelt hat und man zunehmend von der „Brain City“ spricht. Das spiegelt sich auch in der Einwerbung von kompetitiven Drittmitteln. Dies gilt sowohl für Forschungs- wie auch Bauvorhaben, wo es uns in den letzten Jahren immer wieder gelang, auch in Kooperation mit dem Bund wichtige Infrastrukturen umzusetzen. Wir sind uns bewusst, dass eine gute Balance zwischen solider Grundfinanzierung und zusätzlichen Drittmitteln wichtig ist. Deshalb sichern wir mit den neuen Hochschulverträgen jährliche Budgetsteigerungen von 3,5 Prozent zu. Der Unterschied zwischen dem Jahr 2017 und dem Jahr 2022 liegt bei 221 Mio. Euro zusätzlich. Ein klares Bekenntnis zu der herausragenden Rolle von Wissenschaft und Forschung für die Zukunft Berlins.

Manche Berliner sagen, Adlershof gebe es zweimal: einmal den historischen Stadtteil und zum anderen den Technologiepark. Wo sehen Sie die größten Schwierigkeiten und Chancen beim Zusammenwachsen?

Wichtig ist, dass wir dieses Zusammenwachsen als Prozess verstehen. Ich bin davon überzeugt, dass beide Teile jeweils Synergien füreinander bieten und wir diese durch gezielte Maßnahmen künftig noch besser nutzen können. Daran arbeitet die zuständige Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen zusammen mit der Adlershof Projekt GmbH, der WISTA-MANAGEMENT GMBH und der Bezirksverwaltung. Ein Beispiel ist die Umgestaltung der Dörpfeldstraße als Zentrum Alt-Adlershofs im Rahmen des Förderprogramms „Aktive Zentren“. Auch Infrastrukturvorhaben wie die geplante Fußgänger- und Radwegebrücke sind wichtige Bausteine. Nicht zuletzt wird der Bewohnerzuwachs in Neu-Adlershof auch positive Auswirkungen auf den älteren Stadtteil haben.

Adlershof wächst und wer zur Rushhour mit Auto, Bus oder Bahn aus der City oder dem Umland nach Adlershof pendelt, steht oft im Stau oder in vollen Bahnwagen. Gibt es weitreichende Zukunftspläne zur besseren Anbindung?

Treptow-Köpenick gehört zu einem der am dynamischsten wachsenden Bezirke Berlins. Wir begegnen den daraus erwachsenden Bedarfen mit gezielten Maßnahmen in Verkehr und Infrastruktur. Dazu gehören Investitionen in Straßen und Brücken, aber vor allem auch die Stärkung der ÖPNV-Angebote. So werden bereits zum nächsten Fahrplanwechsel Angebotsverbesserungen bei der S-Bahn-Linie S85 umgesetzt. Perspektivisch sollen auch die Zuglängen der S-Bahn-Linien S45 und S9 sowie S85 und S8 erhöht werden. Bei den Busangeboten werden Ausweitungen in Abstimmung mit der BVG geprüft. Die Weiterführung der Straßenbahn durch das Wohngebiet am Campus nach Norden bis zum S-Bahnhof Schöneweide ist in Vorbereitung. Die Linie M17 soll dann ganztägig nach Adlershof verlängert werden, tagsüber wird zudem auch die Linie 63 nach Schöneweide fahren. Die zuständige Senatsverwaltung verfolgt das Ziel einer sehr dichten und qualitativ hochwertigen Erschließung für Adlershof. Sie ist auch bei der Frage der Vernetzungen mit Brandenburg und künftigen Anforderungen aktiv.

Die Integration von Geflüchteten ist eine wichtige Aufgabe der Stadtgesellschaft. In Adlershof gibt es die Initiative des „Internationalen Abends“ zur Eingliederung Geflüchteter in den Arbeitsmarkt. Wie können die Erfahrungen einzelner städtischer Initiativen noch besser vernetzt werden?

Das anhaltende Engagement für geflüchtete Menschen in unserer Stadt ist beispielhaft und beeindruckend. Unsere Hochschulen, Forschungseinrichtungen und Unternehmen sowie viele Freiwillige spielen dabei eine wichtige Rolle für die Integration. Wir beobachten, dass bereits jetzt eine zunehmende Vernetzung der verschiedenen Initiativen stattfindet. Die Berliner Hochschulen etwa pflegen bereits einen engen Dialog im Kontext ihrer Programme für Geflüchtete. Und mit einem geplanten Gesamtkonzept für die Integration und Partizipation will auch der Senat die Vernetzung und den Erfahrungsaustausch weiter stärken.

Zum Schluss noch eine persönliche Frage: Sie sind ausgebildeter Drucker. Beobachten Sie den Bereich 3D-Druck, der von Medizin bis neue Materialien ungeahnte Möglichkeiten gestattet, mit besonderem Interesse?

Selbstverständlich beobachte ich solche Prozesse mit viel Interesse. Die Entwicklungen im Druckbereich sind ein besonders gutes Beispiel für den rasanten technologischen Fortschritt. Die zuletzt für ihre innovativen Bio-3D-Druck-Anwendungen in einem bundesweiten Wettbewerb ausgezeichneten TU-Ausgründungen CellCore3D und Bloodline sind zwei Beispiele, die das Potenzial von Digitalisierung auf beindruckende Weise veranschaulichen. Ob nun Erstellung von Leichtbaukomponenten, die sich an Vorbildern aus der Natur orientieren, oder der Druck von kleinen Organen und Geweben, die etwa für Medikamententests eingesetzt werden können: Diese Innovationen kommen aus Berlin und das wird international stark wahrgenommen. Es ist genau dieser Berliner Geist, der aus dem Zusammenwirken von Wissenschaft und Wirtschaft entsteht und der maßgeblich ist für die zukünftige Entwicklung unserer Stadt. Adlershof spielt dabei weiterhin eine zentrale Rolle.

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