Role Model Adlershof: Technologietransfer von Südafrika bis Israel

26. Februar 2014

Role Model Adlershof

Technologietransfer von Südafrika bis Israel

Technologieparkmanager Hardy Rudolf Schmitz ist auch als Beiratspräsident der International Association of Science Parks and Areas of Innovation (IASP) aktiv

Technologieparkmanager Hardy Rudolf Schmitz ist auch als Beiratspräsident der International Association of Science Parks and Areas of Innovation (IASP) aktiv

Zwei Delegationen pro Woche, 1.200 meist internationale Besucher im Jahr. Schon die Zahlen zeigen, dass Adlershof längst über Berlin und Deutschland hinaus ausstrahlt. Adlershofs Macher sind global vernetzt. Sie lernen im Austausch mit Technologieparks aus aller Welt und sind bereit, ihr Know-how zu teilen.

Im Hintergrund rauscht der Indische Ozean, als Konrad Hochhold sein Projekt erläutert. Was 2011 als Vision begann, nimmt nun langsam die Gestalt eines Technologieparks an. Bald werden Bautrupps anrücken und jene Strukturen in Stein fassen, die der Berliner seit Monaten mit Politikern, Hochschulen, Investoren und mit Unterstützern aus seiner Heimatstadt entwickelt hat. Die südafrikanische Region KwaZulu-Natal hofft auf Hochholds Planung des „Renewable Energy Development Hub KwaZulu-Natal“. Noch dieses Jahr sollen hier Forschung, Entwicklung und Produktion rund um erneuerbare Energien, Energieeffizienz, Smart Grid, Wasser und Biodiversität Einzug halten.

„Wir haben ein Jahr verloren, da sich der zuvor geplante Standort zerschlagen hat“, berichtet Hochhold. Er lies sich nicht entmutigen und fand den neuen 80-Hektar-Campus im Küstenstädtchen Ballito, das zwischen den Hafenstädten Durban und Richards Bay liegt. Die Unterstützung vor Ort ist groß. Was als Idee auf der Weltklimakonferenz in Durban begann, hat sich in den Köpfen der regionalen und lokalen Entscheider verfangen. Unter anderem baut die Durban University of Technology vor Ort neue Institute auf, die sich an den Schwerpunkten des Technologieparks orientieren.

Role Model ist der Technologiepark Adlershof. „Wir wollen in fünf Jahren etwa ein Viertel von dem entwickeln, was Adlershof heute kann“, sagt Hochhold. Firmen aus Adlershof bekamen hier künftig den Status bevorzugter Zulieferer. Seit 2012 bestehe eine enge Partnerschaft zur WISTA-MANAGEMENT GMBH, ohne die sein Projekt nicht stünde, wo es heute steht. Delegationsreisen und Workshops haben den Verantwortlichen aus Südafrika das Adlershofer Vorbild nahegebracht: erfolgreiche Cluster und Inkubatoren, kurze Wege von Grundlagenforschung zu industrieller Anwendung. Dass sein Konzept eines mittelständisch geprägten Technologieparks starke internationale Konkurrenz ausstach, führt Hochhold auf die Hilfe aus Berlin zurück.

Ein Ziel ist es, Know-how und Erfahrungen des „Berlin Energy Network“ auf KwaZulu-Natal zu übertragen. Hochhold hat obendrein Partner aus China, Südkorea, Frankreich, Spanien, den Niederlanden und Belgien ins Boot geholt. Schon 39 Unternehmen haben Letters of Intent zur Ansiedlung unterzeichnet. „Wie in Adlershof geht es darum, Synergien zwischen Wissenschaft, Technik, Produktion und Projektentwicklung zu schaffen“, sagt Hochhold. Die lokale Wortschöpfung im Bereich Erneuerbare Energien soll von 20 auf 80 Prozent steigen. Damit das keine Luftschlösser bleiben, haben sich Durban und die Provinzregierung verpflichtet, die Stromproduktion von kommerziellen und Pilotprojekten aus Photovoltaik, Wind- und Bioenergie mit insgesamt 300 Megawatt Leistung abzunehmen.

WISTA-Geschäftsführer Hardy Rudolf Schmitz kennt Hochholds Projekt und ist vom Fortschritt beeindruckt. Er selbst richtet den Blick inzwischen regelmäßig auf die Technologieparks der Welt: Seit Oktober 2013 ist er Beiratspräsident der International Association of Science Parks and Areas of Innovation (IASP). Schmitz empfindet das Amt als echte Bereicherung. „Die Auseinandersetzung mit unterschiedlich reifen Technologieparks in aller Welt schärft die Sinne für unsere Stärken und Schwächen – und für das weitere Entwicklungspotenzial nach mittlerweile 20 Jahren Adlershof“, sagt er.

Reifere Technologieparks spüren laut Schmitz zunehmend, dass Infrastruktur, funktionierende Cluster und Lösungskompetenz nicht reichen. „Um wirklich attraktiv zu sein, braucht ein Standort Seele“, sagt er. In Adlershof sollen sich wissenschaftliche Exzellenz, architektonische Klasse und das quicklebendige Wachstumsbiotop mit über 1.000 Firmen stärker als bisher zu einer Identität verbinden: „Science at Work“.

Adlershof als Ort, wo Wissenschaft gearbeitet wird, Wissen zu Arbeitsplatzen wird und in Kooperationen auflebt. Urbanes Leben soll Einzug halten und den Kiez beleben. Es wäre das Tüpfelchen auf dem i. Denn die Kompetenzen, die erfolgreiche Technologieparks weltweit von weniger erfolgreichen abheben, hat Adlershof ohnehin: Firmen finden hier fußläufig Netzwerke, in denen sich auch härteste Nüsse knacken lassen. Und das weltweit knappste Gut gibt es fast im Überfluss: junge, motivierte, hervorragend ausgebildete Köpfe.

Diese Botschaft kommt an. Das zeigt auch ein Projekt, das ein kleiner Kreis von Adlershofern mit israelischen Partnern plant: ein israelisches Zentrum in Adlershof. Die Pläne sind konkret, aber noch nicht spruchreif. Nur eines verraten die Initiatoren: „Wir wollen das Anlaufzentrum für israelische Technologieunternehmen und Start-ups werden, die im deutschen Markt Fuß fassen wollen.“

Von Peter Trechow für Adlershof Journal

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