Studienabbruch als Karrierestart: Zwei Adlershofer Azubis erzählen über ihren Berufsweg

26. Oktober 2018

Studienabbruch als Karrierestart

Zwei Adlershofer Azubis erzählen über ihren Berufsweg

Dominik Sudau im Reinraum

Dominik Sudau (vorn) im Reinraum – hier arbeitet er am Mask Aligner. Die Belichtung ist einer der ersten Arbeitsschritte auf dem Weg zum fertigen Mikrochip.

Maximilian Kosche

Maximilian Kosche überprüft die Lötstellen an einem Bauteil (Platine)

Hunderttausende junge Menschen in Deutschland studieren heute. Naturwissenschaften stehen hoch im Kurs. Doch jeder Dritte bricht sein Studium ab. Die Gründe dafür sind vielfältig. Aber ein Studienabbruch bedeutet nicht gleich das Ende aller Aussichten auf eine Karriere. Er kann manchmal sogar erst ihr Anfang sein, wie zwei Adlershofer Beispiele zeigen.

Dominik Sudau studierte Biotechnologie an der Technischen Universität Berlin. Nach dem 6. Semester brach er ab. Warum? „Einerseits war mir das ganze Konzept des Studiengangs zu theoretisch. Aber auch finanzielle Gründe spielten eine Rolle.“ Trotz BAföG (finanzielle Unterstützung nach dem Bundesausbildungsförderungsgesetz) musste er nebenher arbeiten. Als Freiberufler gab er Mathekurse für Abiturienten.

„Mit 30 hatte ich das Gefühl, nicht wirklich voranzukommen“, sagt Dominik. Er recherchierte daraufhin im Internet und informierte sich über Ausbildungen für Laborberufe. Fest stand, er wollte im naturwissenschaftlich-technischen Bereich bleiben und die Ausbildung sollte in Berlin sein. Er bewarb sich bei mehreren Firmen, dem Ferdinand-Braun-Institut, Leibniz-Institut für Höchstfrequenztechnik (FBH) sowie proMano, einem Adlershofer Verein, der Aus- und Weiterbildungsaktivitäten in der Mikrosystemtechnik fördert. „Vom FBH bekam ich als erstes eine Zusage“, erinnert sich Dominik. proMano hatte seine Bewerbung auch an das Institut weitergeleitet, wie er später erfuhr. Im September 2016 begann er eine dreijährige Ausbildung zum Mikrotechnologen, im Wechsel von drei Tagen Praxis mit zwei Tagen in der Berufsschule.

In seiner Berufsschulklasse sei er zwar der Älteste, aber bei weitem nicht der einzige Studienabbrecher. Außerdem helfen die Studienkenntnisse beim Verkürzen der Ausbildung. Bereits im kommenden Januar wird Dominik ausgelernt haben, ein halbes Jahr früher als üblich, freut sich der angehende Mikrotechnologe. Was ihn besonders an seinem Beruf reizt? „Mitzuarbeiten an der Technik von morgen“, sagt er. Pläne hat der 32-Jährige auch schon in Bezug auf Weiterbildungen. Der nächsthöhere Abschluss bei den Mikrotechnologen sei der Techniker. Vier mal vier Wochen im Jahr eine Fortbildung in Itzehoe bei Hamburg. Dominik kann sich das gut vorstellen.

Hedda Zechner ist Studienberaterin in der Projektleitung „Dropout“ an der Humboldt-Universität zu Berlin (HU). Sie berät Studierende, die nicht mehr weiterwissen. Häufig käme die Frage: „SOLL ich mein Studium abbrechen?“ Zechner sagt: „Das gebe ich gern zurück und frage: WILLST du dein Studium abbrechen?“ Als Studienberaterin unterstütze ich die Ratsuchenden bei der Entscheidung, nehme ihnen diese aber nicht ab. In der Beratung werden anschließend das Für und Wider besprochen sowie Alternativen und Lösungsstrategien entwickelt.

Die Gründe für einen Abbruch seien komplex. Leistungsprobleme, geringe Motivation, Krankheit, fehlende Berufsperspektiven gehören dazu. Am häufigsten würden ein mangelndes Interesse an Inhalten und falsche Erwartungen an das Fach geäußert. Die Hälfte aller Ratsuchenden befindet sich noch am Anfang des Studiums im 1. bis 3. Semester, rund jeder Fünfte ist jedoch schon über der Regelstudienzeit. Diese hadern meistens schon sehr lange oder mussten im Studium viele Hürden nehmen.

Wie Maximilian Kosche. Sein Informatikstudium in Mannheim brach er nach zwei Jahren ab, jobbte dann anderthalb Jahre in der Altenpflege und als Hausmeister. Anschließend begann er noch einmal in Wildau zu studieren – physikalische Technik. „Ich war am Ende des 5. Semesters fast fertig“, erzählt der 26-Jährige, „aber dann habe ich es nicht mehr geschafft. Die Prüfungen, der Stress alles in zwei Wochen abzurufen, was man über Jahre gelernt hat.“

Manchmal ist es sinnvoll, einen Schlussstrich unters Studium zu ziehen. Doch Zechner weiß: „Erste Zweifel werden oft aus Scham und dem Gefühl des Scheiterns unterdrückt.“ Umso wichtiger sei es zu wissen, dass man nicht der Einzige ist, der abbrechen möchte.

Maximilian Kosche macht nun eine Ausbildung zum Elektroniker. In der Adlershofer Firma Laser Electronics wird er dringend gebraucht. Das fühlt sich gut an. In der Berufsschule konnte er durch sein Wissen sofort ins 2. Lehrjahr einsteigen. Wenn alles klappt, wird er später direkt übernommen.

Geografie, Chemie, Informatik, Mathematik, Physik und Psychologie kann man an der HU in Adlershof studieren. In der Beratung zum Studienabbruch sind alle Fächer vertreten. Die Abbruchsgründe sind sehr unterschiedlich. In Chemie können schwierige Prüfungen ausschlaggebend sein. In Informatik wünschen sich manche Studierende oft mehr Praxis.

Doch gerade auf dem Campus Adlershof erlangen Studierende ein sehr gutes Fachwissen. Hedda Zechner: „Meine Erfahrung zeigt, dass diese Studienabbrecher am Arbeitsmarkt stark gefragt sind.“

Von Kathrin Reisinger und Sylvia Nitschke für Adlershof Journal

 

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