Theoretische Mathematik in Berlin: Konferenz „Two Centuries of Moduli“ an der HU
Mathematiker:innen aus der ganzen Welt treffen sich zu Ehren des „Crelle Journals“ in Berlin
Mehr als 200 Mathematiker:innen aus aller Welt treffen sich anlässlich des 200-jährigen Bestehens des „Crelle Journals,“ der ersten modernen mathematischen Fachzeitschrift. Ihre Gründung 1826 und ihre Genese ist eng mit der Geschichte der HU verbunden.
Mehr als 200 Mathematiker:innen aus der ganzen Welt kommen vom 7. bis 11. September an die Humboldt-Universität zu Berlin (HU), um sich mit Fragen der theoretischen Mathematik zu beschäftigen, insbesondere auf dem Gebiet der Geometrie sowie mit dem Konzept der algebraischen Kurve. Unter den Vortragenden sind einige der herausragendsten Mathematiker*innen auf dem Gebiet, unter anderem die vielfach ausgezeichnete französische Mathematikerin Prof. Dr. Claire Voisin sowie der ungarisch-amerikanische Mathematiker Prof. Dr. János Kollár und der britische Mathematiker Prof. Dr. Nigel Hitchin.
1826 hatte der Mathematiker und Autodidakt August Leopold Crelle (1780 – 1855) in Berlin das „Journal für Reine und Angewandte Mathematik“ gegründet. Im 19. Jahrhundert war sie die mit Abstand wichtigste Fachzeitschrift für Mathematik, und auch heute zählt sie zu den besten der Welt. Das 200-jährige Bestehen dieses Journals, das nach seinem Gründer „Crelle-Journal“ genannt wird, ist Anlass für die Konferenz „Two Centuries of Moduli“ an der HU. Mit Moduli als Hauptthema erinnert die Konferenz außerdem an den 200. Geburtstag von Bernhard Riemann - einen der bedeutendsten Mathematiker überhaupt -, der den mathematischen Begriff des Modulraums geprägt hat. Seine grundlegende Abhandlung dazu, die „Theorie der Abelschen Functionen“, veröffentlichte er 1857 im Crelle-Journal.
Vorträge zur Person und zum Werk Crelles an der BBAW
Im Rahmen der Konferenz findet am 10. September 2026 eine zweite Veranstaltung an der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften (BBAW) statt. Hier stehen die Persönlichkeit und das Werk von August Leopold Crelle in Berlin in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts im Mittelpunkt.
Medienvertreter:innen, die an der Konferenz an der HU oder dem Programm an der BBAW teilnehmen möchten, melden sich bitte unter folgender E-Mail-Adresse an: farkas(at)math.hu-berlin.de
Entwicklung des Crelle-Journals ist eng mit der Geschichte der HU verwoben
Berlin und die Berliner Universität – seit 1828 Friedrich-Wilhelms-Universität, heute Humboldt-Universität zu Berlin – entwickelte sich besonders in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zum weltweit führenden Zentrum der Mathematik. Dazu hatte August Leopold Crelle wesentlich beigetragen. Einerseits durch die Gründung des Journals, andererseits weil er junge, talentierte Mathematiker nach Berlin holte und die Stadt damit zum Anziehungspunkt für mathematische Forschung machte.
„In Crelles Journal wurden zu Beginn des 19. Jahrhunderts die besten wissenschaftlichen Ergebnisse der Mathematik gebündelt“, sagt Prof. Gavril Farkas, Organisator der Konferenz und Einstein Professor für Algebraische Geometrie an der HU. Das Crelle-Journal unterschied sich dabei grundlegend von allen anderen mathematischen Fachzeitschriften. Denn während andere zu der Zeit lediglich die an den Akademien gehaltenen Vorträge veröffentlichten, war Crelles Journal die erste mathematische Fachzeitschrift, bei der die Beiträge vor ihrer Veröffentlichung von anderen Mathematikern begutachtet wurden. „Ohne Zweifel kann das Crelle-Journal als die erste moderne mathematische Fachzeitschrift der Welt bezeichnet werden“, so Farkas.
August Crelle erkannte damals das Talent zahlreicher noch unbekannter junger Mathematiker und veröffentlichte nicht nur deren bahnbrechende Arbeiten, sondern bemühte sich auch darum, sie als Professoren an die Berliner Universität zu holen. Dazu zählt unter anderem Niels Hendrik Abel (1802 – 1829). Nach Crelles Tod wurde das Journal im Laufe des gesamten 19. Jahrhunderts von Professoren der Berliner Universität herausgegeben, darunter Karl Weierstraß (1815 – 1897), zu dessen Vorlesungen Mathematiker aus ganz Europa pilgerten. Nach Weierstraß ist auch der Hörsaal an der HU benannt, in dem die Mathematiker*innen vom 7. bis 11. September 2026 tagen werden.
Weitere Informationen
Link zum Programm der Konferenz „Two Centuries of Moduli“ an der Humboldt-Universität zu Berlin
Link zum Sonderprogramm „From Crelle's Berlin to Modern Moduli“ an der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften (BBAW)
Link zum aktuellen Beitrag von Gavril Farkas im Jahresmagazin der BBAW: „Das Crelle-Journal für Mathematik und zwei Jahrhunderte Modulräume“ (S. 65 – 69)
Kontakt
Prof. Dr. Gavril Farkas
Institut für Mathematik der Humboldt-Universität zu Berlin
E-Mail: farkas(at)math.hu-berlin.de
Pressemitteilung der Humboldt-Universität zu Berlin vom 24. August 2026.
