Einstein Stiftung fördert fünf Forschende der Humboldt-Universität
Damit stärkt die Stiftung den Wissenschaftsstandort Berlin und unterstützt zugleich seine internationale Vernetzung
Einstein-Professur
Algebraische Kurven im Fokus
Gavril Farkas, seit 2007 Professor für Algebraische Geometrie an der Humboldt-Universität, wird Einstein-Professor. Er gilt als einer der weltweit führenden Experten auf dem Gebiet der Theorie algebraischer Kurven und der Modulräume in der algebraischen Geometrie. Algebraische Kurven, die vor fast zwei Jahrhunderten eingeführt wurden, sind zentrale Objekte in zahlreichen Bereichen der Mathematik und der theoretischen Physik. In seiner Forschung befasst er sich mit grundlegenden mathematischen Fragen zur Struktur und Klassifikation solcher Kurven sowie zu den Räumen, in denen sie sich systematisch beschreiben lassen. Ein weiterer Schwerpunkt seiner Arbeit liegt auf dem Zusammenhang zwischen Kurvengleichungen und ihren geometrischen Eigenschaften; damit verbindet er unterschiedliche Teilgebiete der Mathematik auf neuartige Weise und trug damit entscheidend zur Lösung wichtiger Vermutungen bezüglich Syzygien algebraischer Kurven bei. Dank der zusätzlichen Mittel durch die Einstein-Professur kann mit Farkas ein Mathematiker an der HU gehalten werden, der die Berliner Mathematik durch seine international sichtbare Forschung und sein Engagement für den wissenschaftlichen Nachwuchs maßgeblich prägt.
Einstein Postdoctoral Grants
Die Rolle von Melanin als Kohlenstoffspeicher
Ruben Gerrits wird als Einstein Independent Researcher bei Professor Dietrich Volmer im Bereich Bioanalytische Chemie der HU untersuchen, ob Melanin als langfristige Kohlenstoffsenke in Böden zum Klimaschutz beitragen kann. Dieses dunkle Polymer, das nicht nur in der Haut von Menschen und Tieren, sondern auch von vielen Pilzen und Bakterien gebildet wird, erfüllt mehrere umweltrelevante Funktionen und gilt als besonders zersetzungsbeständig. Mithilfe eines biomarkerbasierten Ansatzes wird Ruben Gerrits untersuchen, in welchen Mengen Melanin in natürlichen Böden vorkommt. Das Projekt ist besonders innovativ, weil es sich auf eine spezifische persistente organische Kohlenstoffverbindung im Boden konzentriert, während viele bestehende Klimaschutzansätze entweder anorganische Sequestrierungsformen wie Karbonate oder den organischen Bodenkohlenstoff insgesamt in den Blick nehmen. Darüber hinaus soll geklärt werden, welche Umweltfaktoren die Bildung und Anreicherung von Melanin fördern und ob Huminstoffe, die wichtige organische Kohlenstoffspeicher im Boden darstellen, möglicherweise tatsächlich aus Melanin hervorgehen.
Mehr Gerechtigkeit in Naturschutzgebieten
Dr. Mahmood Soofi wird als Einstein Independent Researcher am Geographischen Institut eine unabhängige Forschungsgruppe aufbauen und leiten, die sich mit einer zentralen Frage des Naturschutzes befasst: wie unterschiedliche Prioritäten, Abhängigkeiten und Wahrnehmungen die Beziehungen in und um Schutzgebiete prägen. Während der Erhalt der biologischen Vielfalt für viele im Vordergrund steht, sind lokale Gemeinschaften oft auf natürliche Ressourcen angewiesen, um ihre Ernährung zu sichern und ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. In Kamerun untersucht Dr. Soofi mit seinem Team, wie diese Faktoren zu Spannungen zwischen Schutzgebietsverwaltungen und lokalen Gemeinschaften führen. Indem sie sozialpsychologische und ökologische Ansätze zusammenführen, entwickeln die Forschenden einen neuartigen interdisziplinären Rahmen zur Analyse dieser Dynamiken und prüfen, ob evidenzbasierte Schulungen Kommunikation, Vertrauen und Zusammenarbeit fördern können. Die gewonnenen Erkenntnisse sollen dazu beitragen, Entscheidungen im Naturschutz wirksamer, gerechter und sozial ausgewogener zu gestalten.
Torelli-Lokus und abelsche Varietäten
Als dritte Geförderte im Programm Einstein Independent Researcher an der Humboldt-Universität zu Berlin forscht Irene Spelta,PhD, im Bereich der Mathematik mit einem besonderen Schwerpunkt auf komplexer algebraischer Geometrie. Im Zentrum ihrer Arbeit steht der Torelli-Lokus, ein zentrales Objekt der algebraischen Geometrie, das die Beziehung zwischen algebraischen Kurven und den ihnen zugeordneten abelschen Varietäten beschreibt. Ziel ihres Projekts ist es, das Verständnis des Torelli-Lokus durch die Untersuchung seiner geometrischen und arithmetischen Eigenschaften zu vertiefen. Die Forschung soll neue Erkenntnisse zu grundlegenden Fragen der Geometrie und Zahlentheorie sowie zu Moduli-Räumen liefern - mit möglichen Auswirkungen auf die algebraische Geometrie, die Zahlentheorie und angrenzende Bereiche der Mathematik.
Harnacks Wirkung in Großbritannien und den USA
Der zuletzt an der Harvard University tätige Jonathan Teubner, PhD, befasst sich an der Theologischen Fakultät im Team von Prof. Dr. Judith Becker mit der Frage, wie der deutsche Gelehrte Adolf von Harnack (1851 bis 1930) die Erforschung des frühen Christentums in den Vereinigten Staaten und in Großbritannien im 20. Jahrhundert geprägt hat und welche Bedeutung dieses Erbe heute für das Fach besitzt. Im Mittelpunkt steht, wie seine Ideen an maßgeblichen Institutionen aufgenommen, weiterentwickelt oder zurückgewiesen wurden. Dabei berücksichtigt das Vorhaben auch die anhaltende Kritik an Harnacks Deutungen, insbesondere an seiner These einer „Hellenisierung“ des Christentums und an seiner scharfen Trennung von Christentum und Judentum. Ziel ist eine umfassende Darstellung seiner anglophonen Rezeption sowie die Entwicklung neuer Perspektiven für die Erforschung des frühen Christentums.
Einstein Stiftung Berlin
Die Einstein Stiftung Berlin ist eine gemeinnützige, unabhängige und wissenschaftsgeleitete Einrichtung, die 2009 als Stiftung bürgerlichen Rechts gegründet wurde. Sie fördert Wissenschaft und Forschung fächer- und institutionenübergreifend in und für Berlin auf internationalem Spitzenniveau. Rund 250 Wissenschaftler*innen – unter ihnen drei Nobelpreisträger –, über 70 Projekte und zehn Einstein-Zentren wurden bislang gefördert.
Pressemitteilung der Einstein Stiftung
Kontakt:
Humboldt-Universität zu Berlin
Referat Kommunikation und Medien
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HU-Pressemitteilung vom 14.07.2026
