Tram- und U-Bahn-Gestalter IFS Design: Wie sieht die nächste Generation der Fahrzeuge aus?

10. September 2021

Tram- und U-Bahn-Gestalter IFS Design

Wie sieht die nächste Generation der Fahrzeuge aus?

IFS-Ingenieur Maxim Matros © WISTA Management GmbH

Hat Platz genommen im U-Bahn-Ausstellungsmodell: IFS-Ingenieur Maxim Matros © WISTA Management GmbH

Wenn in Berlin neue Tram- und U-Bahnfahrzeuge aufs Gleis gesetzt werden, war die IFS Design UG aus Adlershof in aller Regel an der Entstehung beteiligt. So ist es auch bei der neuen U-Bahnmodellreihe J/JK, die ab 2023 im STADLER-Werk Pankow in Serie gehen soll. Schon jetzt ist im Deutschen Technikmuseum Berlin ein 1:1-Modell aus der IFS-Modellbauwerkstatt zu bestaunen.

Mal designen sie 1.-Klasse-Sitze für einen chinesischen Hochgeschwindigkeitszug. Mal obliegt ihnen, wie kürzlich in einem Projekt in Leipzig, das Komplettdesign einer Straßenbahn, das danach der Ausschreibung zugrunde lag. Ob in Darmstadt, Göteborg, Helsinki, Manila, Moskau, Peking, Utrecht oder Taiwan: Zug-, Tram- und U-Bahn-Passagiere weltweit kommen tagtäglich mit Arbeiten der Adlershofer IFS Design in Berührung.

Ob Interieur, Außendesign oder Fahrerstand samt Cockpit: Entwürfe und Modelle von IFS sind fast immer gefragt, wenn neue Schienenfahrzeuge Gestalt annehmen. Denn von den drei führenden Designbüros im Lande sind die Berliner das einzige mit angeschlossener Modellbauwerkstatt. Hier entstehen neue Züge zunächst als Anschauungsmodelle; mal im Maßstab von 1:43 oder als naturgetreues 1:1-Mock-up.

Aktuell mischen die Adlershofer bei zwei Projekten in der Heimatstadt mit: Sie gestalten die neue Berliner Straßenbahn und liefern ihren Beitrag zum laufenden U-Bahn-Großprojekt der Berliner Verkehrs
betriebe. Ab 2023 soll das STADLER-Werk
 Pankow bis zu 1.500 Wagons der neuen Baureihe J sowie JK für die Kleinprofil-Streckenabschnitte im Berliner U-Bahnnetz produzieren.

Zwar stammt das Design in diesem Fall 
von einem anderen Büro. Doch IFS ist als Modellbauer mit an Bord. „Die Firma 
STADLER hat uns mit dem Bau eines Mock-ups im Maßstab 1:1 beauftragt, das derzeit im Deutschen Technikmuseum in Berlin ausgestellt ist“, berichtet Projektleiter Maxim Matros. Obwohl es in erster Linie aus Holz sowie aus geschäumten und 3D-gedruckten Kunststoffen besteht, ist das begehbare Modell auf den ersten Blick nicht von einem echten U-Bahn-Wagon zu unterscheiden. Gefleckte Sitzbänke, gelbe Haltestangen, die Fenster und funktionierende Beleuchtung oder die Displays an den Wänden – jedes Detail stimmt. Selbst die Helligkeit und Farbtemperatur der eingebauten Lampen lassen sich verändern.

Die Türen sind zu Erprobungszwecken mit jeweils rund 120 Kilogramm schweren Antrieben unterschiedlicher Hersteller ausgestattet. „Das hat großen Einfluss auf die Statik des Mock-ups. Es basiert deshalb auf einem Metallrohbau“, erklärt der Ingenieur. Zumal das schwere 1:1-Modell den Transport ins Museum und die Umladung per Kran überstehen musste. Der Fahrerstand samt ergonomischem Cockpit dient ebenfalls der realitätsnahen Erprobung und ist komplett elektrisch angeschlossen. „Im Anschluss an die einjährige Ausstellung ist die Nachnutzung des Fahrerstandmodells im BVG-Fahrsimulator geplant“, berichtet Matros.

Er ist bei IFS der einzige Ingenieur zwischen vielen Diplom-Designern. Während seines Maschinenbaustudiums war ihm aufgefallen, welches Konfliktpotenzial die Schnittstelle zwischen Design und Ingenieurwesen birgt. „Es ist ärgerlich, wenn sich ein Entwurf als technisch nicht umsetzbar erweist oder wenn Ingenieur/-innen beim Konstruieren die Gestaltung außer Acht lassen“, sagt er. Mit dieser Argumentation rannte er 2012 als Bewerber bei IFS offene Türen ein. Mittlerweile hat Matros als Projektleiter dutzende Schienenfahrzeugprojekte weltweit betreut.

Projektmanagement, Koordination, Kundenkontakte, Materialauswahl und die technische Absicherung der Entwürfe seiner Kolleg/-innen liegen in seinen Händen. Matros ist bis heute davon fasziniert, wie der Designprozess von ersten Analysen und Konzepten zur Entwicklung übergeht, dann visualisierte Schienenfahrzeuge, Modelle und schließlich reale Züge vor ihm stehen. Sobald die ersten Passagiere einsteigen, ist die Arbeit der Adlershofer getan. Sie brüten dann längst über Designs für neue Schienenfahrzeuge und denken darüber nach, wie sich der öffentliche Verkehr für Passagiere in einer anderen Stadt oder einem anderen Land dieser Erde noch komfortabler und lebensnäher gestalten lässt. 

Peter Trechow für Adlershof Journal

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