Vom Jungunternehmer zum Hochschulprofessor: Greateyes-Gründer Regehly verkauft Unternehmen und wagt Neustart in Brandenburg

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31. August 2017

Vom Jungunternehmer zum Hochschulprofessor

Greateyes-Gründer Regehly verkauft Unternehmen und wagt Neustart in Brandenburg

Martin Regehly

Abschied von Adlershof: Martin Regehly ist jetzt Physikprofessor an der TH Brandenburg

Martin Regehly hat den Schnellzug seines Lebens  gestoppt. Als 20-Jähriger „Jugend forscht”-Preisträger, mit 29 Jahren Firmengründer, jetzt, mit 39, ein Neustart als Hochschulprofessor. Warum der Perspektivwechsel vom Unternehmer zum Dozenten? Er braucht mehr Zeit, um das Leben zu spüren und nicht nur an sich vorbeiziehen zu lassen.

Martin Regehly, promovierter Physiker, Jahrgang 1978, sagt, sein Traum ist in Erfüllung gegangen. Mit Forschungserfahrungen am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Berlin und am Laboratory for Atmospheric and Space Science (LASP) in Boulder (Colorado) im Gepäck gründete er zusammen mit dem Informatiker Michael Menz im Jahr 2007 die greateyes GmbH in Adlershof. Große Augen – der Firmenname ist Programm. Das Spin-off der Humboldt-Universität zu Berlin stellt hochauflösende digitale Spezialkameras her. Sie kommen als präzise Detektoren für vielfältige Anwendungen im Bereich der Bildgebung oder Spektroskopie in Industrie und Forschung zum Einsatz. Damit lassen sich etwa Fehler in Wafern, Solarzellen und -modulen aufspüren. Greateyes wurde so zum „Shooting Star“, heimste für das völlig neue Prüfverfahren für Solarzellen im Jahr 2010 den Innovationspreis Berlin-Brandenburg ein und machte sich auch international einen Namen.

Fortan jettete Martin Regehly um die Welt, um die Kameras zu verkaufen. Das Unternehmen wuchs von den zwei Gründern auf heute 15 Mitarbeiter an, der Umsatz stieg. Der Preis für den Unternehmenserfolg: Auch der Druck auf den Manager Regehly nahm stetig zu. Für seine Leidenschaft, selbst im Entwicklerlabor an neuen Ideen zu tüfteln, blieb immer weniger Zeit. Stattdessen bestimmten Kundenakquise, Geschäftsabschlüsse forcieren, für Liquidität sorgen, administrative Aufgaben sein Tagesgeschäft. Auch am Wochenende kreisten seine Gedanken um die Firma. Der Stress zerrte an seiner Gesundheit. Er brauchte mehr Freiraum, um sich um seine Familie zu kümmern.

Martin Regehly wagte darum einen Neustart. Weil er sein Wissen gerne weitergibt und Erfahrungen in der Lehre bereits seit sechs Jahren an der Fachhochschule Wildau gesammelt hatte, bewarb er sich an mehreren Hochschulen. Seit Mai dieses Jahres ist er nun Professor für den Studiengang Augenoptik/Optische Gerätetechnik an der Technischen Hochschule Brandenburg (THB). „Ich bin mutig genug zu sagen, ich kann alles wieder neu aufbauen“, so Regehly. Zunächst einmal ist er absorbiert, um den Studierenden eine interessante und lebendige Ausbildung zu bieten. Aber dann kommt auch Forschungstätigkeit hinzu. „Die Arbeitsbelastung ist ähnlich, aber der Druck projiziert sich nicht in die Freizeit“, so Regehly. Um die Arbeitswege kurz zu halten, zog er mit seiner Familie auch nach Brandenburg.

Und sein Baby greateyes? „Ich habe lange überlegt, was hinterlasse ich, wenn ich aufhöre“, sagt er rückblickend. Er entschied sich für den Verkauf von greateyes an ein mittelständisches Unternehmen aus Adlershof. Seine Bedingungen: Beschäftigungsgarantie für die Mitarbeiter und der Firmensitz sollte im Technologiepark bleiben. „Adlershof ist einfach ein fantastischer Standort“, ist er überzeugt und ergänzt: „Ich möchte mich bei  allen Partnern, Kollegen und Freunden aus Adlershof für die letzten zehn Jahre bedanken.“ Vor dem Interview hat er die ehemaligen Kollegen besucht. „Dem Unternehmen geht es gut.“ Stolz, greateyes ins Laufen gebracht zu haben, aber auch Wehmut wegen des Abschieds klingen in seiner Stimme mit. „Ich bin eher Physiker als Manager“, resümiert er.

Regehly sieht seine Stärken an der Grenzfläche zwischen Wissenschaft und Industrie. „Meine Triebfeder ist es, interessante Ideen zu verfolgen, technische Entwicklungen voraussehen zu können und in die Praxis zu überführen“, sagt er. Er hat schon wieder eine neue Idee. Nicht ausgeschlossen, dass er in Zukunft ein Start-up mit seinen Studierenden zusammen gründet. Die Verbindung zu Adlershof wird sicher nicht abreißen. In zwei, drei Jahren wieder als Juror beim „Jugend forscht“-Regionalwettbewerb Berlin Süd einzusteigen, kann er sich ebenfalls vorstellen.

Von Sylvia Nitschke für Adlershof Journal

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