Webinare statt Präsenzveranstaltungen: BAM beweist Kreativität in der Corona-Krise

27. August 2020

Webinare statt Präsenzveranstaltungen

BAM beweist Kreativität in der Corona-Krise

BAM-Team © WISTA

Das Organisationsteam der BAM-Webinarreihe in den Materialwissenschaften: Claire Murray, Brian Pauw, Glen Smales, Jenni Haberland (v. l. n. r.) © WISTA Management GmbH

Not macht erfinderisch. Oft liegt die Lösung ganz nah. Motivation durch Sprichwörter brauchte das kreative Team der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) nicht, als die Corona-Krise viele Planungen über den Haufen warf. „Ab März fielen einige Konferenzen und Workshops schlagartig weg“, sagt Jenni Haberland vom Kommunikationsreferat. Kontakt- und Hygienevorschriften ließen nur wenige Teilnehmende zu. Auch die Vortragsreihe für Nachwuchsforschende in den Materialwissenschaften war bedroht. Thematisch geht es dabei um Untersuchungstechniken durch Streuung oder Beugung von Licht, etwa mit Synchrotron- oder Röntgenstrahlen.

Als Lösung bot sich an, die Vorträge online zu präsentieren. So machte sich ein Viererteam an die Arbeit, nach dem Motto „Learning by Doing“, wie es Brian Pauw ausdrückt. Der niederländische Chemiker und Spezialist für Röntgenkleinwinkelstreuung (SAXS) an der BAM hat zwar schon einige Erfahrung mit Online-Konferenzen per Zoom. Doch die angestrebte internationale Reichweite des Webinars war für ihn ebenso eine Herausforderung wie für den britischen Chemiker Glen Smales, der seit zwei Jahren an der BAM forscht.

Gut vertraut mit der Online-Vortragstechnik ist Claire Murray, die für ein halbes Jahr, bis August 2020, als Gastwissenschaftlerin an der BAM forschte. Murray ist Expertin an der Synchrotronstrahlungsquelle Diamond Light Source (diamond) in Oxfordshire, England. Dort werden intern wie extern orientierte Webinare vielfältig praktiziert, so dass das BAM-Team auch in diesem Bereich die Kooperation suchte. Mit Christine Beavers war es auch eine Diamond-Light-Source-Referentin, die am 27. März 2020 die BAM-Webinar-Reihe „TheLightStuff“ mit einem Vortrag über das „Quetschen von Kristallen zum Spaß und für die Wissenschaft“ eröffnete.

Insgesamt 19 Lectures waren dann bis Anfang August wöchentlich freitags über Zoom kostenfrei zu hören und zu sehen. Beeindruckend auch die internationale Bandbreite der Vortragenden, die – so Haberland – „von Australien bis Adlershof“ reichte. So konnte das Webinar zudem die internationale Vernetzung der BAM insgesamt stärken.

Zu den Videoübertragungen waren jeweils bis zu 100 Teilnehmende zugelassen. Hauptsächlich waren es Promovierende und Postdocs aus Fachgebieten der Materialwissenschaften. Bei den Online-Bewertungen gaben mehr als 90 Prozent an, von den Webinar-Vorträgen fachlich profitiert zu haben. Schriftlich gestellte Fragen wurden nach der Lecture beantwortet.

Wer nicht dabei sein konnte, findet die Vorträge heute auf YouTube (#TheLightStuff), so beispielsweise den von Helen Brand vom ANSTO (Australische Organisation für Nuklearwissenschaft und -technologie). Die Weltraumgeologin bietet einen spannenden Blick auf den Mars. Mit Röntgenkleinwinkelstreuung und Lichtbeugung erforscht die gebürtige Londonerin Jarosit-Kristalle, die neben Kalium, Eisen und Sulfat auch Hydroxidionen enthalten. Deren Existenz beweist, dass es früher auf dem Mars Wasser gegeben haben muss.

Das Fazit für „TheLightStuff“ ist überwiegend positiv. Brand bezeichnet die BAM-Organisatoren als „Zoom-Experten“, von denen man noch einiges lernen könne. Sie findet den Fragen-Chat am Ende sehr gut, da der Vortrag nicht unterbrochen werde und die Argumente besser überlegt seien. „Ich war mehr als glücklich, vor so einem breit gefächerten Publikum sprechen zu können“, resümiert die Forscherin aus Melbourne.

Brian Pauw begrüßt die Teilnahme insbesondere von jungen Forschenden. „Es entstehen weltweite Kontakte, die man auf normalen Konferenzen nicht bekommen würde, und dabei muss man nicht einmal fliegen, man spart Kosten und verhält sich umweltfreundlich.“

Doch es gibt sie auch noch, die Veranstaltungen mit Präsenz: Am Freitag, den 2. Oktober 2020, müssen die Teilnehmenden am Falling Walls Lab Adlershof in der BAM anwesend sein. (Bewerbungen bis 6. September 2020 unter falling-walls.com/lab). Nur drei Minuten haben die Nachwuchsforschenden dann Zeit, ihre bahnbrechenden Projekte vorzustellen.

Von Paul Janositz für Adlershof Journal