WiNS Adlershof gibt Starthilfe für Nachwuchs­wissen­schaft­lerinnen: Im Gespräch mit Koordinatorin Petra Metz

28. Juni 2017

WiNS Adlershof gibt Starthilfe für Nachwuchs­wissen­schaft­lerinnen

Im Gespräch mit Koordinatorin Petra Metz

Petra Metz. Bild: © Adlershof Journal

Petra Metz in ihrer Lieblingsbuchhandlung in Berlin-Kreuzberg. Bild: © Adlershof Journal

Seit März 2017 ist sie Koordinatorin des neuen Programms WiNS Adlershof (Women in Natural Sciences Adlershof). Sie will Nachwuchs­wissen­schaft­lerinnen Starthilfe geben. Wie sie nach einem Lehramtsstudium für die Fächer Deutsch und Französisch darauf kam? Weil sie gern an interdisziplinären Schnittstellen und der Vernetzung von Menschen arbeitet. Erst hat sie mehrere Jahre in Paris in der Fondation Maison des Sciences de l‘Homme, einer französischen Stiftung zur Förderung der Forschung und der Zusammenarbeit in den Geistes- und Sozialwissenschaften, Gastwissenschaftler betreut. Dort hat sie gelernt, wie Wissenschaftsaustausch funktionieren kann. Anschließend ist sie im Verein LIFE e. V. mit Naturwissenschaft und Technik auf Tuchfühlung gegangen. Bei WiNS kann sie all ihre Erfahrungen gut kombinieren.

Wofür steht WiNS?

Das Programm unterstützt Wissenschaftlerinnen bei der individuellen Karriereplanung. Angesprochen sind vor allem Doktorandinnen und Postdoktorandinnen der HU-Institute für Mathematik, Physik, Chemie, Informatik, Geographie. Psychologinnen oder Nachwuchsforscherinnen der außeruniversitären Einrichtungen sind auch willkommen.

Gibt es nicht bereits ausreichend Frauenförderprogramme?

Nein, WiNS schließt an das Projekt FiNCA an. Wir haben uns die Zahlen zu den Adlershofer Nachwuchsforschern angeschaut, und der heutige Status quo ist nicht zufriedenstellend, denn der Frauenanteil auf den einzelnen Stufen von wissenschaftlichen Laufbahnen wird umso geringer, je höher die Stufe ist. Während im Bereich Chemie bei den Promovierenden das Verhältnis von Männern und Frauen noch fast ausgeglichen ist, nimmt es in der Postdoc-Phase rapide ab, so dass man nach dem Kaskadenmodell von einer „leaky pipeline“ sprechen kann. Bei den Promovierenden und Postdocs in der Mathematik, Physik und Informatik liegt der Frauenanteil laut Zahlen von 2015 insgesamt nur bei rund 20 Prozent und sinkt außer bei den Mathematikerinnen in der Postdoc-Phase ebenfalls. Mit WiNS wollen wir Forscherinnen ermuntern, sich Führungspositionen zuzutrauen, sowie sie auf ihrem Weg dahin begleiten. Gesamtziel sind 30 Prozent Wissenschaftlerinnen auf Leitungsebene in den MINT-Fächern.

Was bietet WiNS konkret?

Unsere Stichworte sind Qualifizierung, Orientierung und Vernetzung. Viele Nachwuchs­wissenschaft­lerinnen fühlen sich fachlich gut betreut, ihnen fehlt aber ein überfachlicher Austausch. Netzwerkveranstaltungen gehören daher zu unseren Basismodulen. Genau wie Workshops und Coachings zu Soft Skills wie Zeitmanagement, Vortrags- und Stimmtraining, zu Führungskompetenzen, Persönlichkeitsentwicklung und Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Eine wesentliche Rolle wird auch das Mentoring spielen. Und da nicht jede Wissenschaftlerin Professorin werden kann, zeigen wir alternative Wege auf, wie etwa eine Laufbahn in den außeruniversitären Instituten.

Wann startet das Programm?

Im Oktober dieses Jahres geht es los, Bewerbungsschluss für das Mentoringprogramm ist Ende November. Unser Ziel ist, pro Jahr 15 Mentoringteams aufzubauen.

Wann war Ihr erster Kontakt mit Adlershof?

Das war vor etwa fünf Jahren. Bei LIFE e. V., wo ich bis Anfang dieses Jahres tätig war, kooperierten wir regelmäßig beim Girls‘ Day und dem Mädchen-Technik-Kongress mit Adlershofer Firmen und Einrichtungen. Außerdem interessiere ich mich für Architektur. Daher ist mir der Standort mit seinem Mix aus Luftfahrtdenkmalen und modernen Technologiezentren schon länger ein Begriff.

Wann haben Sie zuletzt etwas Neues gemacht und was war das?

Dazu fällt mir spontan etwas ein, das demnächst in den Sommerferien ansteht. Da fahre ich mit meinem Mann und unseren zwei Kindern das erste Mal in die USA. Es geht nach New York und Kalifornien. Bisher war ich immer nur in Europa unterwegs.

Was treibt Sie an?

Das erkläre ich am liebsten mit dem Standbein-Spielbein-Prinzip. Ersteres ist die Ertüchtigung von Frauen im MINT-Bereich, um an einem gesellschaftlichen Wandel mitzuwirken. Mein Spielbein ist meine Mitgliedschaft in der Jury für einen deutsch-französischen Literaturpreis (Franz-Hessel-Preis).

Das heißt, Sie sind eine Leseratte?

Ich lese viel und verfolge die Neuerscheinungen. Am liebsten schmökere ich in Buchläden, spreche mit den Buchhändlern und schätze deren Empfehlungen.

Was machen Sie sonst noch in Ihrer Freizeit?

Ich koche sehr gern, gehe oft ins Kino und halte mich sportlich mit Pilates, Joggen und Schwimmen fit.

 

 

Das Interview führte Sylvia Nitschke für Adlershof Journal

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