Wissenschaft und Bier in der "Röhre": Erster Adlershofer Pint of Science am 12. Juli im Studentencafé MoPs

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03. Juli 2018

Wissenschaft und Bier in der "Röhre"

Erster Adlershofer Pint of Science am 12. Juli im Studentencafé MoPs

Wollen das soziale Leben am Adlershofer Campus beflügeln: Joshua Nelles (l.), Projektleiter MoPs, und Michael J. Bojdys, Initiator Pint of Science

Manchmal liest man Antworten auf wissenschaftliche Fragen, von denen man nicht wusste, dass sie gestellt werden müssten. Der Dialog zwischen Wissenschaft und Gesellschaft war lange gestört. Eine Beziehung zweier Nationen mit sehr unterschiedlichen Kulturen, aber unverzichtbaren Handelsabkommen: Man redet nur, wenn nötig. Das sollen Veranstaltungen wie „Brains and Beer”, „Science on Tap”, „Taste of Science” oder „Pint of Science” – im Juli erstmals auch in Adlershof – ändern. Mit Bier, Spaß und einer großen Portion Lust an der Kommunikation. Jeder ist willkommen.

Wie sieht ein Schmetterling? Wie sieht das Verteidigungsteam des menschlichen Gehirns aus? Kann man offene Wunden bald durch elektrische Stimulation heilen? Eine Studie des Pew Research Center aus dem Jahr 2015 zeigte, dass etwas mehr als ein Drittel der amerikanischen Erwachsenen nicht an die Evolution glauben. Nur etwa die Hälfte glaubt, dass menschliche Aktivitäten für den Klimawandel verantwortlich sind. Die Lösung für das Problem der Wissenschaftskommunikation bestand und besteht nicht darin, mehr Wissenschaft lauter zu predigen. Wissenschaftler brauchen ein Gefühl für die breite Öffentlichkeit und ihre Anliegen.

„Was heute an Innovationen vorgestellt wird, kommt oft aus einem für den Laien unsichtbaren Bereich. Hinter verschlossenen Labortüren wird an Dingen gearbeitet, die eigentlich wahnsinnig relevant sind“, zitiert die Süddeutsche Zeitung 2011 Geo-Chefredakteur Peter-Matthias Gaede und bringt damit das Problem der Entfremdung zwischen Wissenschaft und Gesellschaft auf den Punkt.

Geschichten aus der Wissenschaft „abseits klinischer Vorlesungen unters Volk bringen“, will auch Michael J. Bojdys, der seit Kurzem die Forschungsgruppe „Funktionale Nanomaterialien“ der Humboldt-Universität zu Berlin (HU) leitet. „Die Leute haben ein Recht darauf zu erfahren, was wir machen – und sie sollten das auch aktiv einfordern“, meint der Forscher, der bereits in Prag, Liverpool und Cambridge arbeitete. Aus England hat er auch die Idee für „Pint of Science“ mitgebracht. Bier und Wissenschaft, das funktioniert gut im angelsächsischen Raum. Dort gibt es kaum Berührungsängste, während hierzulande die Akademiker zurückhaltend bis ängstlich sind. „Diese Berührungsängste wollen wir abbauen, gerade für junge Akademiker“, erklärt Bojdys.

2012 starteten Michael Motskin und Praveen Paul, zwei Forscher am Imperial College London, eine Veranstaltung mit dem Titel „Meet the Researchers“. Sie brachten Menschen, die von Parkinson, Alzheimer oder multipler Sklerose betroffen waren, in ihre Labore und zeigten ihnen ihre Art der Forschung. Das positive Echo von Besuchern und Forschern gebar die Idee, die Leute nicht nur ins Labor kommen zu lassen, um Wissenschaftler zu treffen, sondern die Wissenschaftler zu den Menschen zu bringen. Im Mai 2013 fand das erste Pint of Science Festival in drei britischen Städten statt. Heute gibt es Pint of Science-Veranstaltungen in 21 Ländern, in fast 300 Städten, darunter acht in Deutschland – und am 12. Juli 2018 erstmals in Adlershof.

Veranstaltungsort ist die „Röhre“ – der in den Jahren 1933 bis 1935 erbaute schallgedämpfte Motorenprüfstand inmitten des Aerodynamischen Parks in Adlershof. Dort wurden Flugmotoren auf ihre Wirksamkeit, Belastbarkeit und Lebensdauer geprüft. Heute ist die „Röhre“ Teil des Studentencafés MoPs, das Platz für 100 Leute hat und Partys und Veranstaltungen wie zuletzt die Comedy-Reihe „Laughing Spree“ oder auch Ausstellungen bietet.

Hier erzählen „Leute, die aktive Forschung betreiben“ ihre Geschichten – kurzweilig, verständlich und nicht länger als 15  Minuten. Bojdys: „Hinter jedem wissenschaftlichen Paper steckt ein Problem, eine Herausforderung und eine Motivation, ein Problem zu lösen. Das ist es, was wir erzählen wollen.“

In der Auftaktveranstaltung geht es Wissenschaftlern vom Helmholtz-Zentrum Berlin, Technischer Universität Berlin, HU und Royal Society of Chemistry um neue Hochleistungssolarzellen, Materialien für die zukünftige Energiespeicherung und -umwandlung, um effiziente Biomasseumwandlung in wertvolle Chemikalien und Materialien und neue Verfahren in der Chipherstellung.

Dass Bier glücklich machen kann, haben Gehirnforscher der Universität Erlangen-Nürnberg wissenschaftlich belegt. Beste Voraussetzungen für zufriedene Teilnehmer beim ersten Pint of Science in Adlershof.

Rico Bigelmann für Adlershof Journal

 

www.projekte.hu-berlin.de/de/pruefstand

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