Zuckerwerte schmerzfrei messen: Adlershofer Start-up DiaMonTech entwickelt Laserkontrolle für Diabetespatienten

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26. Oktober 2017

Zuckerwerte schmerzfrei messen

Adlershofer Start-up DiaMonTech entwickelt Laserkontrolle für Diabetespatienten

Thorsten Lubinski, Geschäftsführer DiaMonTech GmbH

Ausgezeichnet: Thorsten Lubinski, Geschäftsführer der DiaMonTech GmbH, mit BILANZ-Gründerpreis „Start me up!“

Je öfter Diabetiker ihre Blutzuckerwerte messen, desto exakter können sie ihre Insulinzufuhr dosieren. Doch die Messungen sind schmerzhaft, denn jedes Mal muss ein Tropfen Blut her. Die junge DiaMonTech GmbH hat ein Verfahren entwickelt, das die Zuckerwerte rein optisch per Laser ermittelt. Bis 2021 wollen die Neu-Adlershofer ihre Lösung auf Smartwatch-Format bringen und damit kontinuierliche Blutzuckerkontrollen ermöglichen.

Müde und abgeschlagen. Oder zittrig und nervös. Stimmt ihre Insulindosis nicht, spüren Diabetiker die Krankheit ständig. Je genauer die Dosierung auf die Blutzuckerwerte eingestellt ist, desto höher die Lebensqualität. Doch häufige Messungen haben einen Nachteil: Es braucht mehrmals täglich ein Tröpfchen frisches Blut.

Das wollen die Gründer der Adlershofer DiaMonTech GmbH ändern. Statt die Zuckerwerte in Bluttropfen zu ermitteln, senden sie per Laser infrarote Lichtwellen in die Haut der Patienten. Ziel ist jene Flüssigkeit, die man von Blasen und frischen Schürfwunden kennt. Denn auch in der „interstitiellen Flüssigkeit“ finden sich Zuckermoleküle, deren Konzentration exakte Rückschlüsse auf die Blutzuckerwerte zulässt. Zumindest dann, wenn ein Verfahren angewendet wird, das ein Team der Goethe-Universität Frankfurt in jahrelanger Grundlagenforschung entwickelt hat. Der Kopf dieses Teams ist Prof. Werner Mäntele, wissenschaftlicher Leiter des Start-ups.

Mit seinen Mitarbeitern Otto Hertzberg und Alexander Bauer hat Mäntele die Zusammenhänge der Zuckerwerte in Blut und interstitieller Flüssigkeit erforscht und ein spektrometrisches Verfahren für die Zuckermessungen in der Haut entwickelt. Wenn das infrarote Licht in der Flüssigkeit auf Glukosemoleküle trifft, kommt es zu minimalen Temperaturänderungen. Diese übertragen sich auf eine Optik, wodurch das Laserlicht abgelenkt wird. Anhand dieser Ablenkung errechnen Algorithmen die Zuckerkonzentration.

Was als raumfüllende Apparatur begann, hat DiaMonTech mittlerweile auf Schuhkartongröße geschrumpft. Patienten legen den Finger auf ein Kristallprisma, das den Laserstrahl in die Haut lenkt. Eine rein optische schmerzfreie Angelegenheit. Doch das allein genügt dem Team nicht. Bis 2019 soll das Messgerät so klein wie ein Muffin sein, damit es in Hand- und Jackentaschen passt. In ähnlichem Maß soll der bisher fünfstellige Preis sinken. „Das aktuelle Gerät dient nicht nur der medizinischen Zulassung und dem Nachweis, dass unser Verfahren exakt genug misst – sondern wir haben sehr teure Optiken und einen Quantenkaskadenlaser darin verbaut, um die Messmethode weiterentwickeln zu können“, erklärt Geschäftsführer Thorsten Lubinski. Darum sei der Schritt vom Schuhkarton- zum Muffin-Format machbar.

Doch auch das ist nur ein Zwischenschritt. Anfang des kommenden Jahrzehnts sollen Diabetiker ihr Gerät inklusive Laser, Optik und Elektronik wie eine Uhr am Handgelenk tragen. Das wäre der Schritt zur kontinuierlichen Messungder Zuckerwerte, schmerzfrei und ohne eigenes Zutun. Lubinski, der schon mehrere Start-ups gegründet und für gutes Geld verkauft hat, ist sich der Herausforderung bewusst. Denn es gilt nicht nur, die Laserstrahlquelle und alle weiteren optischen Komponenten für die spektrometrischen Messungen auf Uhrenformat zu bringen, sondern auch die Datenverarbeitung, Stromversorgung sowie eine effiziente Wärmeabfuhr zu integrieren.

Die wissenschaftliche Basis ist gelegt. Das nötige Kapital für die Produktentwicklung haben die Gründer ebenfalls beisammen. Business Angels und Risikokapitalfirmen haben sich beteiligt und steuern zusätzlich juristisches Know-how und Branchenkenntnisse bei. Auf ähnlich kompetente Partner hofft das Team nun auch bei der technischen Umsetzung. „Unter anderem deshalb sind wir für die weitere Produktentwicklung ins Zentrum für Photonik und Optische Technologien gezogen“, sagt Lubinski. Er habe viel Gutes von den Photonik- und Medizintechnikclustern am Standort gehört. „Wir sind gespannt, welche Kontakte sich hier in Adlershof für uns ergeben“.

Von Peter Trechow für Adlershof Journal

www.diamontech.de

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