Zukunftstechnik kennt kein Alter: Dietmar Harting gründet mit 79 Jahren die Perinet GmbH

03. Januar 2019

Zukunftstechnik kennt kein Alter

Dietmar Harting gründet mit 79 Jahren die Perinet GmbH

Dietmar und Margrit Harting, Vorstand der HARTING Technologiegruppe

Dietmar und Margrit Harting, Vorstand der HARTING Technologiegruppe

Industrie 4.0 ist in aller Munde. Die Gründer der Adlershofer Perinet GmbH handeln. Sie schaffen die nötige IT-Infrastruktur für digital vernetzte, sensorisch überwachte Industrieprozesse. Dafür setzt das altersgemischte Team gezielt an der Kommunikation mit Sensoren und Aktoren an.

Im Oktober 2018 gegründet und schon zehn hochqualifizierte Mitarbeiter? – Das allein schon verrät, dass Perinet kein gewöhnliches Start-up ist. Der Jahrgang des Gründers, 1939, lässt ebenfalls aufmerken. Erst recht in Verbindung mit dem Vorhaben, Baugruppen, Geräte und deren Software für das Industrial Internet of Things (IIoT) zu entwickeln, produzieren und vertreiben.

Der erfahrene Gründer ist der entscheidende Hinweis, um das Rätsel dieses Adlershofer Start-ups zu lösen. Denn Dietmar Harting ist kein Unbekannter. Seit den 1960er Jahren hat er den elterlichen Familienbetrieb an der Seite seiner Mutter Marie, seiner Frau Margrit und seines früh verstorbenen Bruders Jürgen zum Weltunternehmen mit 750 Millionen Euro Jahresumsatz aufgebaut, ehe er die operative Leitung der HARTING Technologiegruppe 2015 an die dritte Generation übergab. „Meine Frau und ich sind aber weiter voll im Unternehmen tätig“, stellt er klar.

Also ohnehin keine Spur von Ruhestand – und so hat es ihn nun noch einmal richtig gejuckt. Und hier kommt Karsten Walther ins Spiel, der die operative Leitung von Perinet übernommen hat. Beide treffen sich in ihrer Technologiebegeisterung. „Mich interessiert immer, wie es technologisch weitergeht, wie wir die Zukunft mit Technologien für Menschen gestalten können“, erklärt Harting. Walther sei dabei ein kongenialer Partner, der zuletzt federführend an der Entwicklung einer IIoT-Schlüsselkomponente von HARTING beteiligt war. Der mit dem Hermes Award 2016 prämierte Minicomputer MICA dient als Datendrehscheibe zwischen Maschinen, Anlagen und der IT-Infrastruktur von Unternehmen. Dank konsequent modularer Auslegung lässt er sich passgenau mit allen gängigen Kommunikationsschnittstellen ausrüsten. MICA ist ein hochflexibler Enabler, der in digital vernetzten Fabriken den reibungslosen Datenverkehr gewährleistet.

Genau für solche Projekte hatte Dietmar Harting die HARTING IT Software Development GmbH & Co. KG gegründet, die seit 2013 am Standort Adlershof arbeitet. Hier heuerte der promovierte Informatiker Walther schon bald darauf als Spezialist für Embedded Systems an. Mit Perinet treiben die zwei nun die Vernetzung industrieller Prozesse eine Stufe weiter. Ihr Ziel ist die digitale Anbindung peripherer Sensoren und Aktoren.

„Wir wollen eine tatsächlich durchgängige Kommunikation über gängige Internetstandards sicherstellen“, erklärt Walther. Bisher erfordere der Datenaustausch mit Sensoren und Aktoren einen Umsetzer, der deren Signale für die Weiterleitung über WLAN oder LAN in Protokolle wie HTTP (Hypertext-Übertragungsprotokoll) konvertiert. „Unser Ziel ist es, die Sensoren direkt anzubinden. Die Kommunikation mit Sensoren und Aktoren soll so einfach werden wie mit normalen Computern. Dann wird es möglich, Sensoren per Notebook über einen Webbrowser anzusteuern – oder Sensordaten direkt in die Cloud zu übertragen“, erläutert er. Die Durchgängigkeit hätte auch Sicherheitsvorteile. Eine durchgängig verschlüsselte Ende-zu-Ende-Kommunikation wäre machbar. „Bisherige Architekturen sind gerade an den Umsetzern angreifbar, weil hier die Rohdaten sichtbar werden“, erklärt Walther.

Voraussetzung für Hartings und Walthers Vision sind neue Sensoren und Aktoren mit gängigen IP-Schnittstellen. Perinet tritt an, um die nötige Elektronikhardware und die zugehörige Software so schnell wie möglich real werden zu lassen. Dabei wird das Spin-off laut Walther zweigleisig fahren: „Wir werden die Elektronik sowohl inhouse entwickeln als auch den Vertriebsweg über etablierte Hersteller gehen, die ihre Sensoren mit unserer Technologie ausrüsten können.“ Für Harting ist es ein weiterer Schritt in die technologische Zukunft. Zukunftstechnik, das wird im Gespräch klar, kennt kein Alter.

Von Peter Trechow für Adlershof Journal

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