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26. Februar 2014

Hightech für die Welt

Nischenprimusse mit dem Hauptumsatz im Ausland und Multikulti bei den Mitarbeitern

Internationaler geht es kaum: das Active-Space-Team. Bild: © Adlershof Journal
Einige Adlershofer Unternehmen sind in ihren Nischen feste Größen auf den Weltmärkten. Ihre Mitarbeiter sind mitunter multikulti, was Ideen und das Geschäft befruchtet. Der Standort selber ist international als Hightechschmiede sichtbar geworden. Auf den Fluren der Active Space Technologies GmbH wird wie selbstverständlich Englisch gesprochen, die inoffizielle Adlershofer Amtssprache. Davon profitiert auch das Arbeitsklima, berichtet Chef Riccardo Nadalini, denn 90 Prozent seiner 19 Mitarbeiter, darunter fast die Hälfte Frauen, kommen nicht aus Deutschland, sondern aus Italien, Spanien, Portugal, Israel, dem Iran, Indien, Russland, der Türkei, den USA, … „Es ist fast einfacher aufzuzählen, aus welchen Ländern wir keine Mitarbeiter haben“, scherzt Nadalini. Er selbst kam vor 15 Jahren aus Italien nach Deutschland. Anfangs arbeitete er beim Deutschen Zentrum für Luft-und Raumfahrt (DLR), um dann seine kleine, feine Luft- und Raumfahrttechnikfirma auszugründen. Sie hat sich weltweit einen Namen als Spezialist für Wärme- und Energiemanagement gemacht und ist unter anderem an der Mars-Mission „InSight“ der NASA beteiligt. Erst kürzlich ist die Firma aus dem Gründerzentrum in neue, größere Räume gezogen. „Wir sind schnell gewachsen“, sagt Nadalini. Möglich wurde das auch durch den internationalen Spirit, den die Firma verströmt: „In Deutschland gibt es wirklich einen Fachkräftemangel, den wir umgehen können, weil wir problemlos aus aller Welt Mitarbeiter rekrutieren“, erklärt Nadalini. Denn in dem polyglotten Arbeitsumfeld findet sich jeder ungeachtet seiner Nationalität leicht ein. Die bunt gewürfelte Mannschaft bringt einen weiteren, entscheidenden Vorteil: „So wird es einfach, Kunden überall in der Welt zu bedienen, weil sich hier immer jemand findet, der mit der jeweils anderen Kultur vertraut ist“, sagt Nadalini. Sich in andere Kulturen einfühlen, vor allem in deren ästhetischen Befinden, muss sich das Team von IFS Design. Die Adlershofer Industriedesigner rund um Firmenchef Jochen Dittrich haben neben der neuen Berliner Straßenbahn unter anderem das Aussehen der Metros in Paris, Peking, Helsinki, Tianjin sowie der Zillertalbahn und der Tram in San Diego gestaltet. In San Diego ist auch eine Tochterfirma der auf Mikrodisplays und Mikrooptiken spezialisierten HOLOEYE Photonics AG zu Hause. „Uns war von Anfang an klar, dass das Unternehmen international agieren muss“, sagt Geschäftsführer Sven Krüger. Vor allem die USA und Asien spielen dabei eine große Rolle – Kunden und Partner dort wirken wie „Ideentreiber und Trendsetter“, betont Krüger. Dabei herauskommen unter anderem Mikrooptiken für Laserapplikationen, Mikrodisplays für industriell genutzte Videoprojektoren und Beamer, was sich zum Kerngeschäft der Firma entwickelt hat. In dem sehr fokussierten Markt, den HOLOEYE bedient, ist die Firma weltweit eine feste Größe und gilt als einer der Technologieführer. Diese internationale Sichtbarkeit ist für Krüger fast zwingend: „Je spezieller Produkte und Dienstleistungen sind, desto internationaler muss man agieren. Das gilt für viele Hightechfirmen hier am Standort“, erklärt er. Das kann Holger Wenschuh, Geschäftsführer der JPT Peptide Technologies GmbH, nur unterschreiben. Das Biotechnologieunternehmen gilt in seiner Nische international als führender Anbieter von innovativen peptidbasierten Dienstleistungen und Produkten für die biomedizinische Forschung. Etwa wenn es darum geht, neue Impfstoffe gegen Infektionskrankheiten oder Biomarker-Tests für die Früherkennung von Krankheiten zu entwickeln. Die 60-Mitarbeiter-Firma unterhält Zweigstellen in Boston, Denver und Brüssel. „Unseren Hauptumsatz machen wir im Ausland“, sagt Wenschuh. Auf das Deutschlandgeschäft entfallen nur rund 20 %, 25 % werden europaweit erwirtschaftet, 40 % in den USA und die restlichen 15 % in China, Japan, Indien, Australien und Korea. Zu Hause in Adlershof forschen Mitarbeiter aus Frankreich, Polen, Peru, Belgien, Sambia und den USA an der Medizin von morgen. „In den vergangenen Jahren ist der Standort hier merklich internationaler geworden, was an den Hightechfirmen liegt, an Kongressen und den Studierenden hier“, bemerkt Wenschuh. „Es hat sich was getan, man sieht es schon auf der Straße.“ Und man merkt es, wie HOLOEYE-Chef Krüger berichtet: „Viele unserer ausländischen Kunden, die uns hier besuchen, haben im Anschluss noch weitere Termine in Adlershof.“ Für Krüger keine Frage: „Der Standort wird international wahrgenommen.“ Von Chris Löwer für Adlershof Journal

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