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27. Juni 2012

Sport. Gleich nebenan

Angebote von Drums Alive bis Höhentraining in der Wissenschaftsstadt

Bild: © Adlershof Journal
Die bräunliche Graslandschaft des Landschaftsparks liegt still im Abendrot. Irgendwo blökt ein Schaf. Ruhig drehen zwei Jogger ihre Runden um das historische Flugfeld, das einst Deutschlands erster Motorflugplatz war. Heute heben hier nur noch Vögel ab. Auch jetzt steigt eine aufgeregt zwitschernde Lerche zu einem letzten Flug des Abends auf. Nebenan üben Skater und BMX-Fahrer waghalsige Tricks. Das Beachvolleyballfeld ist schon verwaist. Etwa 200 Meter entfernt ragen moderne Fassaden aus dem Grün. Die Ausläufer des Technologieparks Adlershof. Vereinzelt brennt Licht. Jetzt, am Abend, ist kaum noch Betrieb. Ideale Bedingungen für eine Feierabendrunde auf Inlinern. Kaum Fußgänger. Nur vereinzelt Autos. Auf der Wiese neben der Tramendhaltestelle kreist ein Modellhubschrauber. Szenenwechsel: In der Sporthalle an der Merlitzstraße Nr. 16 treffen sich donnerstags früh die Teilnehmer an den Laufkursen für Einsteiger und Fortgeschrittene. Beim Hochschulsport ist die Auswahl an Kursen enorm. Allein hier in der Halle werden Capoeira, Yoga und Badmintonkurse angeboten. Neben Studierenden und Universitätsangehörigen ist es auch Mitarbeitern des Technologieparks als Beschäftigte des Campus Adlershof möglich, sich einzuschreiben und an den Kursen teilzunehmen. Der Campus soll verbinden – bei der Arbeit wie beim Sport. Im August beginnt die nächste Anmeldeperiode. Es geht auch bequemer: „Auf Vereinbarung kommen unsere Trainer auch direkt ins Büro“, berichtet Ute Mattausch, die beim Hochschulsport der Humboldt-Universität zu Berlin (HU) für sämtliche Sportarten in Adlershof verantwortlich ist. „Pausenexpress“ nennen sich diese mobilen Trainingskommandos, die geplagte Rücken und schlappe Kreisläufe auf Touren bringen. Kurze knackige Einheiten, ohne Umziehen und ohne Schweiß zu vergießen. Ohne Schwitzen ist die nächste Station erreicht: Die Moritz-Seeler-Straße verläuft parallel zur Rudower Chaussee. Hinter ihr ragt das markante Ehrlich-Ensemble des einstigen deutschen Fernsehfunks auf. Dort befindet sich ein altes, zum Tanzstudio umfunktioniertes Theater. Drei Studentinnen stehen davor, die Haare nach einer Jazz-Dance-Übung notdürftig geföhnt. Ob sie hier mit Leuten vom Technologiepark trainieren? – „Es gibt schon ein paar ältere Externe, aber wo genau die arbeiten, wissen wir nicht“, antworten sie. Laut Ute Mattausch sind von den 2.000 Teilnehmern am Hochschulsport etwa 50 über die Technologieparkmitarbeiter dazugestoßen. Berührungsängste gebe es trotz Altersunterschied zu den Studenten kaum. So ist es auch im Tennisclub BTC-Wista, der 500 Meter weiter in einem Laubwäldchen ein Großstadtidyll geschaffen hat. Mitten im Technologiepark lassen eine Handvoll Spielerpaare schlägerschwingend den Tag ausklingen. „Unsere Anlage ist schön, aber sie bringt auch jede Menge Arbeit mit sich“, so Vorstand Manfred Schuhknecht. Laub harken, Platzpflege, Zäune flicken oder die Traglufthalle für den Winter auf- und abbauen. Die Vereinsmitglieder packen es stets gemeinsam an. Kinder und Jugendliche von drei bis 29 und Senioren von 30 bis 80 spielen hier Tennis. Die eigentümliche Zählweise geht darauf zurück, dass Clubmitglieder erst ab dem 30. Lebensjahr vollen Beitrag zahlen. „Wer neu zu uns stößt, kann auch unverbindlich hineinschnuppern oder einen Monat als Mitglied auf Probe mitmachen“, wirbt Schuhknecht. Auch Gast- und Tagesspieler, denen die Plätze gegen Gebühr tagsüber bis 15 Uhr offen stehen, sind willkommen. Kontakte in den Technologiepark, der um das seit Jahrzehnten bestehende Gelände herum entstanden ist, wachsen langsam. Eine Handvoll Firmen pflegt bereits Kooperationen mit dem Club. Ihre Mitarbeiter können trainieren, im Gegenzug engagieren sie sich als Sponsoren. Auch tagsüber schüttelt so mancher in einer verlängerten Mittagspause den Stress auf den Aschenplätzen ab, um anschließend ins Labor oder Büro zurückzukehren. Gleich nebenan, in der Albert-Einstein-Straße 4, herrscht ebenfalls reger Trainingsbetrieb. Das Fitnessstudio des Ambulanten Reha-Zentrums Adlershof (ARZ) steht keineswegs nur Rehapatienten offen. „Bei uns kann sich jedermann fit halten“, erklärt Geschäftsführer Jörg Tauchel. Wie in normalen Fitnessstudios können Sportler an modernen Trainingsgeräten Gewichte stemmen, saunieren und sogar Aquakurse besuchen. Dabei sind stets Physiotherapeuten zugegen, die ihnen mit Rat und Tat zur Seite stehen. Tauchels Team begrüßt regelmäßig Mitarbeiter des Technologieparks, die sich hier fit halten. Ob sie auch Hochgebirgsläufe absolvieren, verrät er nicht. Die Möglichkeit besteht. „Wir können in unserer Höhentrainingskammer Höhenlagen bis 4.500 Meter simulieren, indem wir die Luftzusammensetzung gezielt verändern“, erklärt er. In der dünnen Luft bereiten sich regelmäßig Freizeit- und Leistungssportler auf Wettkämpfe vor oder absolvieren nach Verletzungen Aufbautrainings. Weil der Körper in der sauerstoffarmen Luft vermehrt rote Blutkörperchen bildet, steigen Leistungs- und Regenerationsfähigkeit rasant. Auch ohne Höhentraining ist die letzte, gut getarnte Station der Rundfahrt schnell erreicht. Am anderen Ufer des Teltowkanals, an der Rudower Straße, birgt ein ehemaliges Oberstufenzentrum gleich vor der Autobahnbrücke das Adlershofer Headquarter des Hochschulsports. Hier mischen sich drei Dutzend Beschäftigte des Technologieparks unters sportliche Studentenvolk. Fitness-, Tanz-, Gymnastik- und Yogabegeisterte trainieren hier ebenso wie
Volley-, Basket- und Fußballspieler, Badminton- und Tischtennisfreunde oder Kickboxer und Taekwondo-Kämpfer. Draußen bricht die blaue Stunde eines lauen Sommerabends an; drinnen hört man das Stöhnen eines Gewichte stemmenden Sportlers. Das Forschen an Hightechlösungen hat nun Pause – bis morgen früh. von Peter TrechowInternet:
www.zeh.hu-berlin.de/angebot.html
www.btc-wista.de
www.reha-adlershof.de

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