Adlershofer Analytik-Urgesteine: Eurofins SOFIA und ACI Analytical Control Instruments zeigen, dass sich Tradition und Innovation keinesfalls ausschließen müssen

30. April 2019

Adlershofer Analytik-Urgesteine

Eurofins SOFIA und ACI Analytical Control Instruments zeigen, dass sich Tradition und Innovation keinesfalls ausschließen müssen

Mitarbeiter ACI © WISTA Management GmbH

Ein Mitarbeiter in der Fertigung von ACI bei der Endmontage von Photoionisationsdetektoren. Bild: © WISTA Management GmbH

Institute und Unternehmen der Analytik haben in Adlershof Tradition. Eurofins SOFIA und ACI Analytical Control Instruments sind seit 25 Jahren auf dem Campus tätig und zeigen, dass sich Tradition und Innovation keinesfalls ausschließen müssen.

Rückstände in Biolebensmitteln? Die gezielte Suche nach Resten des Breitbandpestizids Glyphosat im Gemüse? Kontaminationen im Boden? Vor 25 Jahren waren das durchaus schon Themen – doch bei weitem nicht so wichtige wie heute. „Das Bewusstsein und der Verbraucherwunsch nach sicheren Lebensmitteln steigen konstant und haben einen großen Einfluss auf den Markt“, sagt Peter Schlüsche. Er ist Geschäftsführer der Eurofins SOFIA GmbH, einem Laboranalytik-Dienstleister, der seit 2006 Teil des globalen Eurofins-Labornetzwerkes ist. Die Firma ist seit 1993 in Adlershof ansässig, beschäftigt inzwischen 120 Mitarbeiter und erzielte letztes Jahr knapp zwölf Millionen Euro Umsatz.

So wie das Umweltbewusstsein und Auflagen stiegen, wuchs die Eurofins SOFIA GmbH – und ihre Aufgaben. „Unser Analysespektrum umfasst mehr als 1.500 Analyten“, berichtet Schlüsche. Dazu gehört unter anderem die Analytik gängiger Lebensmittel. Außerdem untersuchen die Experten unterschiedlichste Proben rund um Lebensmittelanbau und -verarbeitung, wie Wasser, Boden und Materialproben. Dabei nahmen im Laufe der Jahre die Ansprüche der Kunden zu: mehr und detailliertere Analysen in kürzerer Zeit.

Was nicht einer Quadratur des Kreises gleichkommt, sondern die Firma zu ständiger Innovation und optimierter Organisation antreibt: „Dazu gehört zum einen die konsequente Anwendung von Methoden aus dem Lean Management, um unsere Arbeitsabläufe zu verbessern und Standzeiten von Proben zu reduzieren“, erklärt Schlüsche, „zum anderen stecken wir viel Energie in das Entwickeln neuer und das Optimieren bereits bestehender Analyseverfahren, um schnellere Durchlaufzeiten zu gewährleisten.“ Was früher mitunter Wochen dauerte, ist heute binnen weniger Tage erledigt.

Das gelingt nicht ohne eine motivierte Mannschaft. Um neue Fachkräfte zu gewinnen, bespielt die Firma die gesamte Rekrutierungsklaviatur: „Neben unserer eigenen Webseite und firmeninternen Netzwerken aktivieren wir beispielsweise das Adlershofer Jobportal sowie andere gängige Karriereportale“, schildert Schlüsche. Auch ein Einstieg über ein Praktikum sei keine Seltenheit. „Zudem pflegen wir einen engen Kontakt zu verschiedenen regionalen Hochschulen und betreuen unter anderem Bachelor-, Master- sowie Doktorarbeiten“, so der Chef.

Olaf Herrmann, Chef des Messgeräteherstellers ACI Analytical Control Instruments, kann sich glücklich schätzen, den Arbeitsmarkt nicht nach Fachkräften absuchen zu müssen: In den vergangenen 25 Jahren haben gerade mal zwei Mitarbeiter das Unternehmen verlassen, die Fluktuation ist niedrig und der Nachwuchs wird direkt an der Quelle akquiriert: Studierende, die bei ACI ein Praktikum machen oder ihre Abschlussarbeit schreiben. Herrmann hält den Kontakt zu Hochschulen. Er ist im Forschungsbeirat der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin, was sich bezahlt macht.

Besonders gefragt sind Spezialisten: Die Messgeräte, die auf dem Prinzip der Photoionisation basieren, werden in Adlershof von einem elfköpfigen Team entwickelt, gebaut und vermarktet. Mit ihnen verhindern Industriebetriebe, dass unbemerkt zu hohe Konzentrationen schädlicher oder gar explosiver Gase freigesetzt werden. Dafür ionisiert hochenergetisches UV-Licht Kohlenwasserstoffmoleküle. Der Effekt: Je mehr Elektronen dabei aus den Stoffen herausgetrennt werden, desto größer ist der messbare Stromfluss – und damit die Konzentration an flüchtigen Molekülen, etwa von Lösungsmitteln.

Vor allem in Südostasien werden die Messgeräte verkauft. „Innerhalb der vergangenen 25 Jahre sind die Sicherheitsanforderungen drastisch gestiegen und wir müssen mehr Normen und Richtlinien erfüllen“, sagt Herrmann. „Die Kunden wiederum wollen nicht mehr unbedingt verstehen, wie die Technik funktioniert, sondern eine Lösung für ihr Problem und sich nicht weiter darum kümmern.“ Dafür gibt es ja die Adlershofer Experten, an deren kooperativem Arbeiten mit kurzen Wegen sich in all den Jahren nichts geändert hat. So soll es auch bleiben: „Wir hegen keine Expansionspläne, zumal wir die Arbeit in einem netten, persönlichen Team sehr schätzen“, sagt Herrmann.

Von Chris Löwer für Adlershof Journal

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