Arbeitsplätze der Zukunft: Wie sehen sie in Adlershof aus?

26. Juni 2019

Arbeitsplätze der Zukunft

Wie sehen sie in Adlershof aus?

Lumitos © WISTA Management GmbH

Kein klassischer Meetingraum: Lumitos-Mitarbeiter kommen so ganz leicht ins Gespräch. Bild: WISTA Management GmbH

kba © WISTA Management GmbH

Thomas Wilding und David Lehmann (r.) ist eine Wohlfühl-Arbeitsatmosphäre wichtig. Bild: WISTA Management GmbH

Sicoya © WISTA Management GmbH

Nazanin Deheshtnia und Carmen Fritz-Heyer schätzen die offene Arbeitskultur bei Sicoya. Bild: WISTA Management GmbH

Wohlfühlen am Arbeitsplatz, Raum schaffen für Kreativität und Teamwork – das ist heute unerlässlich. Auch, um die besten Mitarbeiter zu gewinnen und im Unternehmen zu halten. Davon sind die LUMITOS AG, die Sicoya GmbH sowie die kba Architekten und Ingenieure GmbH fest überzeugt. Wir haben die drei Adlershofer Unternehmen gefragt, wie New Work konkret bei ihnen aussieht.

ACTIVITY BASED WORKING

Bei der LUMITOS AG arbeiten 23 Mitarbeiter in einer ganz neuen Arbeitsatmosphäre. Das Schlagwort heißt activity based working. Im dem Unternehmen arbeiten Marketingspezialisten und Naturwissenschaftler. Es geht um Firmen-Online-Marketing. Das klassische Büro, den eigenen Arbeitsplatz gibt es in den nagelneuen Räumen nicht mehr, stattdessen Arbeitsbereiche für bestimmte Funktionen. Eine meterlange Pinnwand, eine Lounge um die Küche herum, Gruppenarbeitsräume, einzelne Arbeitsnischen, Räume der Stille und einen großen Meetingraum, der wie ein Hörsaal aussieht, aber keine Stühle, sondern nur Stufen und Sitzkissen hat.

Stefan Knecht, Managing Director von Lumitos, hat sich lange und sehr intensiv mit dem Thema „New Work“ auseinandergesetzt. Seine Motivation ist nicht, Geld zu sparen, sondern „es geht darum, sich bewusst zu machen, welche Tätigkeit mache ich denn momentan? Ist sie sehr kreativ, brauche ich meine Kollegen oder brauche ich Ruhe? Das führt zu einem viel produktiveren Arbeiten. Die aktive Entscheidung zu dem, was tue ich gerade? Und das ist der eigentliche Punkt.“ Seit fünf Monaten arbeiten er und seine Mitarbeiter jetzt in diesen neu gestalteten Räumen. Der Wechsel aus der klassischen Arbeitswelt fiel nicht leicht.

„Man muss viel Zeit mit dem Team investieren und den Wandlungsprozess üben.“ Knecht ist kein Freund von Großraumbüros. Durch die Lautstärke leidet die Kommunikation, sagt er und sieht sich in Studien bestätigt. Das Activity-based-working-Konzept, das es schon seit den 1970er Jahren gibt, war auf den ersten Blick teurer, ist aber auf lange Sicht lohnend. In klassischer Raumaufteilung hätte Lumitos 200 Quadratmeter mehr gebraucht.

Wenn man sich die Arbeitsplätze der Zukunft anschaut, geht es nicht nur um die Gestaltung der Räume. Bei Lumitos sind viele Arbeitsmodelle möglich, auch weil Stefan Knecht persönlich offen und neugierig ist: „Das Arbeitszeitmodell ‚täglich Bürozeit 9:00 bis 17:00 Uhr‘ ist aussterbend. Die Herausforderung heißt, Beruf und Privatleben unter einen Hut zu bekommen. Wenn man als Unternehmen die besten Mitarbeiter haben will, die es gibt, muss man flexibel sein.“ Home-Office-Tage und flexible Arbeitszeiten gibt es bei Lumitos schon lange.

VOM BÜRO AUF DIE LAUFSTRECKE

Helles Treppenhaus, großzügige Flure, viel Glas, warme Farben. Klassische Büros mit zwei oder vier Arbeitsplätzen. Zwei Dachterrassen mit einladenden Sitzmöbeln. David Lehmann und Thomas Wilding, die beiden Geschäftsführer des Architekturbüros kba, fühlen sich hier wie zu Hause, nein, es ist ihr zweites Zuhause. Betriebswirt Lehmann bringt es gleich zu Beginn auf den Punkt: „Heute muss man den Arbeitsplatz attraktiv gestalten. Es geht dahin, einen gewissen Wellness- oder Coolness-Faktor zu bieten.“ Jeder hat seinen Arbeitsplatz. Das ist den Mitarbeitern auch wichtig.

Im ersten Stock, im kreativen Architekturbereich, sitzen alle nah zusammen, da sind Gruppenbildungen möglich. Das ist praktisch für Projekte. „Ein Nachteil sind die Störgeräusche. Wir haben auf der raumakustischen Ebene unglaublich viel nachjustiert. Großraumbüros sind meiner Ansicht nach nicht für alle Bereiche sinnvoll.“ Es geht eher um die Funktion, die den Prozess unterstützt: für Arbeit in der Gruppe ein gemeinsames Büro, für konzentriertes Arbeiten ein Einzelbüro. Es gibt auch einen Telearbeitsplatz. „Ab Juni führen wir eine Funktionsarbeitszeit zwischen 6:00 und 22:00 Uhr ein, in der die Mitarbeiter ihre Zeit frei einteilen können orientiert an den Erfordernissen der Projektarbeit.“

Das kba Planungsbüro hat schon Anfang der 1990er Jahre im Entwicklungsgebiet Adlershof Gebäude saniert und den Bau von Büros, zum Beispiel im Innovations- und Gründungszentrum (IGZ) mit begleitet. Seit 2008 sitzen sie nun selbst in Adlershof als eines von sehr wenigen Architekturbüros und seit kurzem im eigenen Gebäude in der Wagner-Régeny-Straße. „Im Moment planen wir für eine große Werbeagentur aus Kreuzberg, die jetzt nach Adlershof zieht. Das sind High-end-Kreative, die erstaunlicherweise relativ konventionell arbeiten.“

Im September starten die kba-Mitarbeiter mit vier Staffeln zum Adlershofer Firmenlauf. Einmal in der Woche ist gemeinsames Lauftraining – gleich nebenan im Landschaftspark. Auch das ist ein Wellnessfaktor am Arbeitsplatz.

MITARBEITER/-INNEN AUS ZEHN NATIONEN

Das Photonikzentrum in der Carl-Scheele-Straße hat eine Amöbenform. „Das passt zu uns, ein Haus ohne Ecken. Hier lässt es sich wirklich gut miteinander kommunizieren. In diesem Open-Space-Bereich arbeiten zum Beispiel unsere Ingenieure, die sich so schnell auch persönlich abstimmen können“, erzählt Carmen Fritz-Heyer. Sie ist Human Relations Managerin der Sicoya GmbH.

Das Unternehmen entwickelt und produziert optische Transceiverlösungen auf Silizium-Photonik-Basis für 400 Gb/s in Datenzentren. Das schnell wachsende Unternehmen hat die Räume nach eigenen Bedürfnissen gestaltet, im Mittelpunkt stehen zwei Großraumbüros. Daneben gibt es Meetingräume und kleinere ruhige Räume für konzentriertes Arbeiten. Zwar hat jeder seinen festen Arbeitsplatz, aber es gibt keine festen PCs, sondern nur Laptops, die auch mit nach Hause genommen werden. So sind die Mitarbeiter sowohl im Haus räumlich flexibel und können auch von zu Hause arbeiten, wenn plötzlich das Kind krank oder Verkehrschaos in der Stadt ist.

Sicoya ist 2017 nach Adlershof gezogen. Geschäftsführer Sven Otte erzählt: „In Adlershof passt einfach die Infrastruktur sowohl im Bereich Produktion als auch bei den Netzwerkmöglichkeiten. Weil wir jedes Jahr weiterwachsen, ist es wichtig für uns, dass das Gebäude mit uns wächst. Wir haben eine sehr offene Arbeitskultur und die Räume sollen uns in unserer Kommunikation nicht ausbremsen.“ 85 Leute wollen sie im September sein. Ein neues, eigenes Gebäude ist der nächste Schritt, am liebsten auch in Adlershof.

Der Wohlfühlfaktor ist auch bei Sicoya sehr wichtig. Carmen Fritz-Heyer und Marketingassistentin Nazanin Deheshtnia erzählen, dass Wasser und Softdrinks, Obst und Gemüse oder auch die Pizza immer zur freien Verfügung stehen. Das Konzept dahinter: „Wir wollen, dass sich unsere Mitarbeiter wie zu Hause fühlen“, erzählen die beiden, schließlich gibt es zehn Nationen hier im Unternehmen. Deutschkurse in der Arbeitszeit, die auch direkt im Haus stattfinden, gehören dazu. Englischkurse sollen folgen, ebenso wie Unternehmenssport einmal in der Woche. „Wir organisieren auch regelmäßig Partys. Das Miteinander, bei dem auch die Familie mit einbezogen wird, ist besonders für die ausländischen Mitarbeiter sehr wichtig.“ Ein Abend mit Grill und Feuerschale, zum Kennenlernen, wie es ihn bei Sicoya regelmäßig gibt, auch das gibt ein Standort wie Adlershof her.

Von Jördis Götz für Adlershof Journal

 

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