Aus opTricon wird Chembio: Amerikanisches Diagnostik­unternehmen kauft Analysegeräte­hersteller und will seine Europazentrale in Adlershof aufbauen

03. Januar 2019

Aus opTricon wird Chembio

Amerikanisches Diagnostik­unternehmen kauft Analysegeräte­hersteller und will seine Europazentrale in Adlershof aufbauen

Chembio Diagnostic Systems bei der Adlershofer opTricon GmbH

Große Pläne: Das Managementteam der amerikanischen Firma Chembio Diagnostic Systems auf Stippvisite bei der Adlershofer opTricon GmbH, die von Chembio gekauft wurde; 1. und 4. v. l.: Lutz Melchior und Volker Plinckert, opTricon-Chefs; 3. v. r.: Bernd Ludwig, Leiter Zentrum für Photonik und Optik

Sie entwickeln und produzieren Analysegeräte für Schnelltests. Jetzt wurde die opTricon GmbH von einem ihrer größten Kunden gekauft. Der amerikanische Diagnostikhersteller Chembio Diagnostics Systems will seine Europazentrale in Adlershof aufbauen.

Recht unscheinbar sehen die kleinen farbigen Kunststoffquader aus, die auf dem Konferenztisch der Chembio Diagnostics Deutschland GmbH, so wird die opTricon in Zukunft heißen, stehen. Sie wiegen nur etwa 60 Gramm. Weniger als eine Tafel Schokolade wie Lutz Melchior, einer der beiden Firmenchefs, schmunzelnd sagt. Das Geheimnis verbirgt sich im Inneren der sogenannten Cube Reader. So heißen die miniaturisierten mobilen Lesegeräte für Schnelltests, die auf alle üblichen Streifentestformate anwendbar sind. Deren Einsatzgebiete sind vielfältig und reichen von Medizin über die Lebensmittel-, Veterinär- und Umweltbereiche bis zur Polizei. Ihre Besonderheit: Sie liefern auch bei sehr geringen Analytkonzentrationen akkurate Testergebnisse.

Das Entwicklerteam von opTricon um Lutz Melchior und seinen Geschäftspartner Volker Plickert sind die Väter des Cube Readers, des wahrscheinlich weltweit kleinsten Lesegerätes der Welt. Und auch von dessen größerer Variante, dem Analysegerät opTrilyzer Med. Die beiden Ingenieure haben die opTricon GmbH nach Schließung des Berliner Werkes des deutschen Halbleiterherstellers Infineon Technologies AG im Jahr 2005 gegründet. Gestartet zu dritt mit einer langjährigen Kollegin aus Infineon-Zeiten im Technologiepark Adlershof ist das Hightechunternehmen bis heute stetig gewachsen. Die Mietfläche im Zentrum für Optik und Photonik in der Schwarzschildstraße hat sich auf über 500 Quadratmetern fast vierfacht, die Mitarbeiteranzahl auf 20 nahezu versiebenfacht.

Mitte November 2018 gab es Grund zum Feiern bei dem Gerätehersteller: Das börsennotierte US-Unternehmen Chembio Diagnostics Systems, einer der Marktführer für Point-of-Care-Testing (patientennahe Labordiagnostik) im Bereich der Infektionskrankheiten, hatte opTricon gekauft. Chembio war bis dato der größte Kunde von opTricon. „Wir haben Javan Esfandiari, den Vizepräsidenten von Chembio, 2011 auf einer Messe in Dubai kennengelernt“, erinnert sich Plickert und ergänzt: „Er hat direkt dort das erste Gerät von uns bestellt.“ Seit 2015 arbeiten die beiden Firmen eng zusammen. „Die Amerikaner wollten ein preiswertes Analysegerät für Schnelltests in Dritte-Welt-Ländern. ‚Made in Germany‘ war ihnen dafür sehr wichtig. Also haben wir den Cube Reader entwickelt“, so Plickert. 2015 wurde die Zulassung dafür in den USA beantragt.

Mehrere Tausend Reader im Jahr wurden inzwischen ausgeliefert. Chembio will jetzt weltweit seine immunologischen Schnelltests zusammen mit dem Gerät verkaufen. Der Firmenverkauf war nicht nur für Melchior und Plickert die logische Konsequenz, um weiterwachsen zu können, sondern auch für die Ventegis Capital AG und die IBB Beteiligungsgesellschaft, den bisherigen Gesellschaftern von opTricon. Melchior: „Unser Kunde ist jetzt unser Käufer und ergänzt seine eigene Produktpalette.“ So sieht es auch Plickert: „Der Firmenverkauf war die optimale Lösung. Wir passen perfekt zusammen.“

Wichtig war für Melchior und Plickert, dass der Firmenstandort und alle Mitarbeiter in Adlershof bleiben können. Die Zusage haben sie von ihren Eignern. Seitdem haben die beiden Ingenieure auch weniger schlaflose Nächte. Auf die Frage, welche die nächsten Schritte sind, stehen Investitionen in Marketing- und Verkaufsressourcen an. opTricon wird zum Chembio Exzellenzzentrum für optische Technologien sowie zur Chembio-Europazentrale ausgebaut.

Als OEM (Original Equipment Manufacturer) werden die Adlershofer Entwickler auch weiter tätig sein. Über 100 Kunden nutzen die mobilen Analysegeräte bereits. Das Hauptgeschäft von Chembio Deutschland bleibt die Diagnostik, was auch im Engagement im Diagnostik-Netzwerk Berlin-Brandenburg Ausdruck findet. Offen sind die Geräteentwickler aber auch für andere Anwendungen. „Der Cube Reader kann an jeden Schnelltest angepasst werden“, sagt Melchior.

Von Sylvia Nitschke für Adlershof Journal

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