„Das Beste kommt zum Schluss“
Adlershof ist um einen kleinen, aber feinen Lunch- und Feinkostspot reicher
Das Beste heißt in diesem Fall „Johann P.“ und ist der neueste Coup von Mona Heyfelder, Guido Mußmann und Steffen Marx. Das „Johann P.“ – benannt nach Heyfelders weinliebendem Großvater – verbindet die jahrelange Erfahrung der drei Gastroprofis in der Hotellerie und im Weinhandel für renommierte französische Produzenten. Seit seiner Eröffnung im Mai 2024 bietet das Ladenbistro in der Volmerstraße 1 ein täglich frisches Lunchangebot und ein Sortiment von 200 ausschließlich europäischen Weinen, kuratierten alkoholischen und nichtalkoholischen Getränken, außerdem saisonale Feinkost. „Das Beste kommt zum Schluss. Wir machen in unseren Sechzigern nur noch, was uns Spaß bringt“, sagen Heyfelder und Mußmann. Dazu gehören auch die regelmäßig ausgebuchten thematischen Weinreisen, kleine Caterings, Familienfeiern, Open-Bottle-Abende und demnächst After-Work-Events.
Was einst aus einer Weinlaune entstand, ist längst feste Instanz im Technologiepark, das beweist der Mix aus Stammklientel und neuen Gästen. „Ich mag die Menschen, die zu uns kommen“, so Heyfelder. Zuneigung, die offenbar auf Gegenliebe stößt, denn das Bistro versammelt zur Mittagszeit komplette Teams der anliegenden Unternehmen und Forschungsinstitute um einen großen, familiär wirkenden Holztisch, die Fensterplätze und darum gruppierte kleinere Tische – allesamt stets floristisch dekoriert. Esskultur ist das Stichwort: Das Team um Heyfelder freut, dass ihre im Arbeitsleben geforderte Kundschaft entgegen der in Deutschland üblichen Gewohnheit einer „schnellen Nahrungsaufnahme“, der Hauptmahlzeit gern noch einen Espresso, ein Stück selbstgebackenen Kuchen und das ein oder andere Gespräch folgen lässt.
Oder am Abend die vierzehntägig veranstalteten Weinreisen besucht. Hier ist Weinexperte Marx in seinem Element. Er entführt selbst – manchmal auch gemeinsam mit geladenen Winzern und Winzerinnen – thematisch und saisonal in die Welt des Weines: als Spargelbegleitung im Frühjahr, in der warmen Jahreszeit zu leichten, erfrischenden Weinen oder auch in österreichische oder italienische Anbaugebiete. „Ich stelle gerne etwas vor, was nicht so bekannt ist. Etwa Naturweine. Sie sind im Glas ein bisschen trüb, duften ungewöhnlich und haben im Kontrast zum klassischen Wein eine andere Textur auf dem Gaumen.“ Dazu kredenzt das Team Kleinigkeiten wie Käse, Oliven, Brot und feines Olivenöl. Beim Österreichabend wurde außerdem ein kleiner Tafelspitz und Vanilleeis mit Kürbiskernöl gereicht, die italienische Reise begleiteten Orecchiette mit Salsiccia, Antipasti und selbstgemachtes Tiramisu.
Zum Spaß gehört für Mußmann auch, aus Konventionen auszuscheren: „Wenn alle Welt den ‚Dry January‘ ausruft, laden wir ein italienisches Weingut ein. Im Februar zeigen wir, welche wunderbaren alkoholfreien Alternativen Obstmanufakturen bieten können.“ Die kohlensäurehaltigen Getränke lesen sich wie eine Reise durch Omas Gemüsegarten: Stachelbeere, Apfel, Rhabarber, Holunder, aber auch Kirsche, Paprika und Rote Beete werden angeboten. Ein besonderes Highlight sind sogenannte Bottlepartys. „Hier bringen Gäste ihren Lieblingswein mit und stellen ihn vor. Wir haben so auch schon die eine oder andere Empfehlung bekommen und den Wein dann ins Sortiment aufgenommen.“
Mit dem „Johann P.“ haben sich Heyfelder und Mußmann einen Traum erfüllt. „Wir lieben Wein, wir lieben gutes Essen, wir kochen und backen gern. ‚Johann P.‘ vereint das auf wunderbare Weise.“
Peggy Mory für Adlershof Journal
