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12. Juli 2022

„Daß, zum Zwecke, Wasser fließe“

Gemeinsam mit der Bevölkerung entwirft die Einstein Research Unit „Climate and Water under Change“ Wasserzukünfte für Berlin und Brandenburg

Jörg Niewöhner forscht zur Ressource Wasser in der Hauptstadtregion © WISTA Management GmbH

Wasser als Ressource auf dem Land, in der Stadt, im Ökosystem und im Rahmen des städtischen Abwassermanagements: Die Forschungsplattform „Climate and Water under Change“ (CliWaC) holt die Bevölkerung mit ins Boot, um sich mit wasserbezogenen Risiken des Klimawandels in Berlin-Brandenburg auseinanderzusetzen. In mehr als zwanzig Forschungsprojekten, in denen die Plattform naturwissenschaftliche und sozialwissenschaftliche Expertise bündelt, werden Problemfelder identifiziert, Bedarfe analysiert und Wasserzukünfte entworfen. Das Besondere: Die Bevölkerung kann aktiv mitgestalten und Einfluss darauf nehmen, wie die Region künftig mit Wasser umgehen wird. Das auf drei Jahre angelegte Projekt, an dem die Freie Universität Berlin, die Technische Universität Berlin, die Charité-Universitätsmedizin und die Humboldt-Universität zu Berlin beteiligt sind, wird mit sechs Millionen Euro gefördert.

Wie denken die Berliner:innen und Brandenburger:innen über Wasser? Was nehmen sie als Risiko war, was wünschen sie sich und was sind sie bereit zu tun, um mit den durch die globale Erwärmung hervorgerufenen Veränderungen zurechtzukommen? Wie muss die Verwaltung in Berlin und Brandenburg umgestellt werden, um effektiv auf die veränderten Wasserbedingungen reagieren zu können? Es sind solche Fragen, die Jörg Niewöhner und seine Kolleginnen und Kollegen im Projekt CliWaC beantworten wollen. Das Ziel des Umweltwissenschaftlers und Co-Sprechers des Projekts: notwendige Anpassungen im Umgang mit Wasser gemeinsam mit und im Sinne der lokalen Bevölkerung vorzunehmen. „Es geht darum, dass die Bevölkerung in Berlin-Brandenburg und alle Stakeholder mitarbeiten an der Entwicklung von wissenschaftlich fundierten Wasserzukünften. Die Entscheidungen, die in diesem Bereich getroffen werden, müssen eine breite Basis haben in Bevölkerung, Verwaltung und Wirtschaft.“

Dass das Projektteam auf das Thema Wasser fokussiert, kommt nicht von ungefähr. „Es gibt bereits jetzt einen klaren Temperaturanstieg in der Region. Aus Oberflächengewässer, den Wäldern und auch aus der Fläche verdunstet dadurch mehr Wasser“, sagt Jörg Niewöhner. „Im Sommer wird es laut Projektion heißer und trockener und im Winter etwas milder und feuchter. In den letzten Jahren sind die Winterniederschläge aber aus unklaren Gründen ausgeblieben.“ Die Folge: Die Grundwasserspeicher Berlins und 
Brandenburgs füllen sich nicht ausreichend. „Gerade für die Landwirtschaft und die Forste in Brandenburg ist das natürlich ein Riesenproblem“, so der Wissenschaftler. Zusätzlich stellt die Zunahme von Extremwetterereignissen wie Starkregen die Region vor Herausforderungen. „In Berlin wird die Infrastruktur angegriffen: Die Keller laufen voll und die Abwassersysteme überfluten, was unter anderem zu Problemen mit der Wasserqualität führen kann. In Brandenburg auf dem Land trifft der Starkregen auf trockene Böden, fließt an der Oberfläche ab und landet im Wesentlichen in der Ostsee. Hier liegt die Schwierigkeit vor allem darin, das Wasser in der Landschaft zu halten.“

Neben der Entwicklung von Lösungen im Austausch mit der Bevölkerung, werden die CliWaC-Forschenden auch Fragestellungen zu Klimaprojektionen und den daraus abzuleitenden Wetter
vorhersagen bearbeiten. Mehrere Teilprojekte widmen sich zudem den konkreten Auswirkungen der globalen Erwärmung auf Ökosysteme in Berlin-Brandenburg. Untersuchen wollen die Wissenschaftler:innen unter anderem Veränderungen in der Biodiversität, Mikroklimaeffekte und Auswirkungen auf die landwirtschaftliche Produktion im Spreeeinzugsbereich. „Auf Basis der hier gewonnenen Erkenntnisse wollen wir dann gemeinsam mit Stakeholdern, Politik und Verwaltung Verwaltungsprozesse so umstellen, dass wir mit den Unsicherheiten, die die Klimaveränderungen mit sich bringen, besser umgehen können und krisen- und lernfähiger werden.“

Nora Lessing für Adlershof Journal