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14. Juli 2022

Der Schadstofffahnder

Markus Venohr forscht in Adlershof für saubere Gewässer

Wie sauber ist der Schlachtensee? Markus Venohr entnimmt Wasserproben © WISTA Management GmbH

Hätte er von seinem Duisburger Kinderzimmer aus nicht Tag für Tag den Rhein vor Augen gehabt, nicht zahllose Sommerurlaube mit den Eltern beim Paddeln verbracht, Markus Venohr wäre vielleicht doch Musiker geworden. Das Gewummer des Schlagzeugs war damals eine große Leidenschaft. Den Ausschlag gegeben hat indes die Neigung zum Wasser: „Wenn man einmal bei Ebbe aufs Meer hinausgepaddelt ist – das vergisst man nie.“

Heute leitet der 50-Jährige die Arbeitsgruppe „Flussgebietsmodellierung“ in der Adlershofer Zweigstelle des Leibniz-Instituts für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB). Aus welchen Quellen, auf welchen Wegen und in welchen Zeiträumen gelangen Nährsubstanzen wie Stickstoff oder Phosphor in Flüsse und Seen, und in welchen Konzentrationen verteilen sie sich hier? Das sind Fragen, mit denen Venohr seine Arbeitstage verbringt.

Antworten gibt es, seit am IGB 1996 im Auftrag des Umweltbundesamtes das Modell MONERIA entwickelt wurde, mit dem sich die Wege von Stickstoff und Phosphor in und durch die Gewässer digital berechnen lassen. War es bis dahin nur möglich, Schadstoffkonzentrationen an einzelnen Punkten zu messen, so liefert die computergestützte Methode ein Gesamtbild der Einträge und Wasserqualität für ganze Flusseinzugsgebiete.

Stickstoff kommt zum Großteil aus der Landwirtschaft, wo er als Dünger auf die Felder gelangt, Phosphor eher aus städtischen Kläranlagen und Haushalten, und beides lässt in Gewässern die Algen wuchern. Wenn diese dann absterben, werden sie von Bakterien zersetzt, die dabei viel Sauerstoff verbrauchen – so viel, dass er für Fische knapp werden kann: „Das kam früher durchaus häufig vor“, sagt Venohr. „Der Grund, warum es nicht mehr so häufig ist, ist auch die Arbeit, die wir gemacht haben.“ In den gut zwei Jahrzehnten, die er bisher am IGB verbracht hat, habe die Qualität der Gewässer in Deutschland „große Fortschritte“ gemacht.

Das Thema beschäftigt Venohr, seitdem der damalige Student der Geographie, Meteorologie und Ozeanographie 1999 an der Universität in Kiel seine Diplomarbeit anfertigte. Es ging um die „Quantifizierung von Nährstoffeinträgen im Einzugsgebiet der oberen Stör“, eines holsteinischen Nebenflusses der Elbe. Das am IGB entwickelte digitale Modell war neu auf dem Markt, Venohr der erste externe Nutzer, der es seinen Berechnungen zugrunde legte. Als er dem damals am IGB zuständigen Projektleiter ein Exemplar der Arbeit zusandte, kam die Antwort postwendend: „Sie können morgen anfangen.“

Seinen Schreibtisch fand er zunächst in der IGB-Zentrale am Müggelsee, vor rund einem Jahrzehnt in der damals neu eröffneten Adlershofer Außenstelle. Von Steglitz, wo seine Frau und er mit drei Kindern und Katze am Botanischen Garten wohnen, kommt er mit dem Fahrrad, Tag für Tag 20 Kilometer in einer Stunde, abends dieselbe Strecke zurück. Für ihn auch eine bewährte Methode, den Tagesstress abzuschütteln und entspannt nach Hause zu kommen. Zum runden Geburtstag hatte er sich nochmals ein Paddelboot gewünscht: „Jetzt geht’s wieder los.“ 

Dr. Winfried Dolderer für Adlershof Journal