Der Zukunftsforscher: Tobias Kümmerle untersucht, wie die Welt ohne Raubbau „satt' wird

27. Februar 2012

Der Zukunftsforscher

Tobias Kümmerle untersucht, wie die Welt ohne Raubbau „satt“ wird

„Mehr als die Vergangenheit interessiert mich die Zukunft, denn in ihr gedenke ich zu leben“, sagte einst Albert Einstein. Der Adlershofer Geograph Tobias Kümmerle forscht über zukünftige Landnutzung, Globalisierung und den Klimawandel – Themen, die die Existenz der Menschheit wesentlich bestimmen werden. Seit Januar dieses Jahres wird der Nachwuchswissenschaftler der Humboldt-Universität zu Berlin (HU) von der Einstein Stiftung Berlin als erster „Junior Fellow“ gefördert.

Der Landnutzungswandel und dessen Auswirkungen auf die Artenvielfalt beschäftigen den schon frühzeitig am Naturschutz interessierten Tobias Kümmerle seit seiner Dissertation. Nach dem Studium der Angewandten Umweltwissenschaften in Trier ging der heute 35-Jährige 2007 an die Berliner HU, war von 2008 bis 2010 Postdoc an der University Wisconsin-Madison (USA), forschte seit 2010 am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) und aktuell am PIK und an der HU. Wichtig ist Kümmerle, bewusst zu machen, dass der rasant zunehmende Nahrungsmittel- und Bioenergiebedarf einer stetig wachsenden Weltbevölkerung eine der größten Herausforderungen der Menschheit darstellen. Mit seiner Arbeit sucht er Lösungen zur umweltverträglichen Nahrungsmittelproduktion zu finden, welche Ressourcennutzung und den Schutz der Artenvielfalt in Einklang bringen würden. Tobias Kümmerle sagt: „Dies kann nur gelingen, wenn Mensch und Umwelt als Einheit, quasi als gekoppelte Systeme verstanden werden.“

Besonders intensiv erforscht Kümmerle zudem die Auswirkungen sozialökonomischer Schocks, wie zum Beispiel in Osteuropa nach dem Zusammenbruch des Kommunismus. Hier fand eine der „größten Episoden von Landnutzungswandel in den letzten 100 Jahren“ statt, so der Geograph. Die Landwirtschaft sei nahezu zum Erliegen gekommen, die Böden regenerieren sich, es gebe eine zunehmende Bewaldung und Arten wie Braunbären würden sich wieder vermehren. Andere Untersuchungen führen Tobias Kümmerle in den Chaco, eine Region in Südamerika, wo der großflächige Sojaanbau für den europäischen und chinesischen Markt zu den weltweit höchsten Abholzungsraten führt.

Kümmerle hält das Adlershofer Geographie-Institut in Bezug auf dessen Untersuchungen zum Landnutzungswandel für eine der derzeit deutschlandweit führenden Forschungseinrichtungen. Es sei für die interdisziplinäre Arbeit idealerweise sowohl mit anderen universitären als auch mit außeruniversitären Instituten vernetzt. Mit der Graduiertenschule „FutureLand“, die globale ökologische Zusammenhänge zur nachhaltigen Landnutzung untersucht, ist die HU nun auch im aktuellen Exzellenzwettbewerb angetreten. 2013 wird das integrative Forschungsinstitut IRI THESys – Die großen Transformationen von Mensch-Umwelt-Systemen, den Nachhaltigkeitsschwerpunkt an der Humboldt-Universität weiter verstärken. Die herausragenden wissenschaftlichen Leistungen von Tobias Kümmerle wurden durch die Förderung der Einstein Stiftung bereits honoriert: Das Fellowship-Programm finanziert seine Forschungen und zusätzliche Personal- und Sachmittel für eine Laufzeit von drei Jahren.

von Peggy Mory

Link: www.geographie.hu-berlin.de 

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