Die Brückenbauer: Mit IRIS sollen Innovation und internationale Sichtbarkeit von Forschung in Deutschland vorangebracht werden

12. April 2018

Die Brückenbauer

Mit IRIS sollen Innovation und internationale Sichtbarkeit von Forschung in Deutschland vorangebracht werden

Jürgen Rabe (r.)

Jürgen Rabe (r.) bringt Universitätsinstitute mit innovativen Unternehmen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen zusammen

Wenn Jürgen Rabe anfängt zu erläutern, wie viele Disziplinen in diesem Institut zusammenlaufen, wird einem schwindelig. Mit IRIS sollen Innovation und internationale Sichtbarkeit von Forschung in Deutschland vorangebracht werden. „Wir fokussieren uns auf Forschungsfelder, auf denen wir stark sind“, sagt Rabe und ergänzt: „Wir können Kooperationen eingehen, die in dieser Weise nirgendwo sonst in Deutschland möglich sind – und an nur wenigen Orten weltweit.“

Jürgen P. Rabe, Physikprofessor an der Humboldt-Universität zu Berlin (HU) und Gründungsdirektor von IRIS Adlershof, könnte man auch als Brückenbauer bezeichnen. Sein „Integrative Research Institute for the Sciences“, kurz IRIS, ist seit 2009 das Verbindungsglied der Naturwissenschaften der HU zwischen verschiedenen universitären Fachbereichen, außeruniversitären Forschungseinrichtungen und innovativen Unternehmen.

Anschaulich zeigt dies das aktuell beantragte HU-Exzellenzclusterprojekt „Matters of Activity: Image Space Matter“. 25 Forscher aus verschiedenen Bereichen, sogenannte Principal Investigators, haben sich zusammengefunden, um an einer ganz neuen Sichtweise auf Materialien zu arbeiten. Geisteswissenschaften, Naturwissenschaften und Medizin sowie die Gestaltungswissenschaften sind hier gleichwertige Partner. Sie verknüpfen traditionelle Techniken wie das Schneiden von Material mit intelligenter Sensorik oder digitaler Kommunikation. Zugleich hinterfragen sie die kulturelle Dimension ihrer Forschung.

Ein Beispiel ist der Prozess der chirurgischen Extraktion eines Tumors. Der Chirurg orientiert sich beim Schneiden an einem zuvor erstellten 3D-Bild des Tumors, das auf einem Display während der Operation eingespielt wird. „Das Bild greift also in den Schneidevorgang ein“, erläutert Rabe. „Somit wird das Bild selbst zum aktiven und dynamischen Teilnehmer am Prozess.“ Ziel der Forscher ist es, ein „Smart Knife“ zu entwickeln, ein Schneidewerkzeug, das gleichzeitig sensordynamisch-mechanische Materialeigenschaften hat und damit ein hoch präzises „aktives Messer“ wird. Es soll selbstständig spüren, was und auf welche Weise es schneidet. Den Begriff, unter dem solche Entwicklungen firmieren, nennt Jürgen Rabe „Soft Robotics“: Nachgiebige, adaptive Materialien versetzen Maschinen in die Lage, intelligent auf einen Stimulus zu reagieren.

Da interdisziplinäre Fragestellungen immer mehr an Bedeutung gewinnen, wird IRIS verstärkt wachsen. Bisher arbeiten die Wissenschaftler meist dezentral bei den strategischen Partnereinrichtungen. Nun entsteht in Adlershof ein Forschungsbau mit einer Nutzfläche von gut 4.700 Quadratmetern, etwa die Hälfte davon sind Laborflächen. Ab Anfang 2019 werden dort 140 Wissenschaftler arbeiten können. „Damit werden wir auch international besser sichtbar“, sagt Rabe. „Mit der Konzentration von so vielen Spezialisten am Standort haben wir eine sehr gute Entwicklungsperspektive. Aus unserer Sicht gibt es dafür keinen besseren Ort als Adlershof.“

Von Mirko Heinemann für Adlershof Special

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